SXDL33 DWAV SYNOPTISCHE UEBERSICHT MITTELFRIST
S Y N O P T I S C H E Ü B E R S I C H T M I T T E L F R I S T
ausgegeben am Dienstag, den 26.01.2016 um 10.30 UTC
Zum Wochenende in der Mitte kräftiger und anhaltender Regen möglich. Dazu
stürmisch, im Bergland und an den Küsten teils auch schwere Sturmböen möglich.
__________________________________________________________
Synoptische Entwicklung bis zum Dienstag, den 02.02.2016
Die gesamte Mittelfrist ist gekennzeichnet von einer wechselhaften und windigen
zyklonalen Westlage.
Zum Beginn der Mittelfrist - am Freitag, den 29.01.2016 - wird im Zuge einer
kräftigen Sturmzyklogenese südlich von Island erneut ein kräftiger
Kaltluftausbruch eingeleitet, wobei sich auch in 500 hPa sehr kalte Luft von
Grönland auf den Weg nach Südosten macht. Für Europa hat diese Umstellung jedoch
zu dem Zeitpunkt noch keine größere Bedeutung und auch die Frontalzone verläuft
noch recht weit nördlich über Schottland und Südnorwegen. Ein über dem östlichen
Mitteleuropa befindlicher Trog wird rasch nach Osten abgedrängt, sodass in
Deutschland in der Höhe eine vorübergehende Keilaufwölbung zu erwarten ist. Im
Bodendruck jedoch überwiegt noch der zyklonale Anteil. Eine Front entlang der
Alpen zieht rasch (bis zur Mittagszeit) aus Süddeutschland ab und nachfolgend
wird besonders der Norden von einem wellenden Frontenzug beeinflusst, wobei
dessen Lage und somit auch die Niederschlagsaktivität noch etwas unsicher sind.
Weiderholte leichte Niederschläge sind jedoch wahrscheinlich. Südlich der
Mittelgebirge überwiegt das Absinken unter der Keilachse und entsprechend
sollten hier die Wolkenauflockerungen im Tagesverlauf weiter zunehmen.
Bis Samstagabend hat die Kaltluft sowohl niedertroposphärisch als auch in
höheren Schichten Norwegen/Schweden erreicht und entsprechend der Annäherung der
Trogachse wird auch die Frontalzone allmählich nach Süden gedrängt. Dies hat zur
Folge, dass der Höhenkeil vom Vortag rasch nach Osten abgedrängt wird und
Deutschland unter eine zyklonal geformte Höhenströmung gerät. Eine Kaltfront
sollte im Verlauf des Samstags von Nordwesten auf Deutschland übergreifen und in
der Nacht zum Sonntag die Mitte Deutschlands erreichen. Es sei erwähnt, dass das
Tiefdruckgebiet, welches die Kaltfront steuert, rasch über Fennoskandinavien
nach Osten/Nordosten abzieht und somit die Front im Verlauf der Nacht zum
Sonntag dank abschwächenden Antriebes seine Südverlagerung verlangsamt. Zudem
wird eine weitere intensive Tiefdruckentwicklung südlich von Grönland
interessant, die den Azorenkeil mit verstärkter und hochreichender
Warmluftzufuhr kräftig nach Nordosten ausdehnt. Dies sorgt über
Südwestdeutschland im Verlauf der Nacht zum Sonntag für eine allmähliche
Geopotentialerhöhung und für eine weitere Abschwächung der Südverlagerung der
Kaltfront, die aus heutiger Sicht irgendwo über der südlichen Mitte Deutschlands
zu liegen kommen soll. Mit der Keilaufwölbung verschärfen sich auch
niedertroposphärisch die Temperaturgegensätze entlang der Front, die somit
nochmals einen frontogenetischen Antrieb erfährt. Kräftiger und anhaltender
Regen über der Mitte Deutschlands wäre die Folge (was auch von GFS, weniger von
ICON gestützt wird).
Der Sonntag ist weiterhin geprägt von der über Deutschland liegenden Front, die
nur zögerlich nach Nordosten vorankommt. Anhaltende Niederschläge von leichter
bis mäßiger Intensität wären die Folge und erst in der Nacht zum Montag sollte
die Front als Warmfront nach Nordosten abziehen.
Der Montag verläuft insgesamt antizyklonaler geprägt, wobei der Norden dank der
Nähe zur Frontalzone wechselhafteres Wetter verglichen zu Süddeutschland zu
erwarten hat. Insgesamt werden keine großen Hebungsmechanismen angedeutet,
sodass sich die Niederschlagsmengen in Grenzen halten sollten. Ein Höhentief
über der Iberischen Halbinsel lenkt sehr warme Luft vom westlichen Mittelmeer
nordwärts und der Süden Deutschlands könnte antizyklonal geprägt davon mit
Sonnenschein und milden Temperaturen profitieren.
Zum Dienstag hin zeigt das EZMW ein allmähliches Einbinden des Höhentiefs über
Südwesteuropa in die südwärts ausgreifende Frontalzone. Dies hätte ein zunehmend
zyklonal geprägtes Strömungsmuster für Deutschland zur Folge, wobei auch die
Niederschlagsaktivität erneut zunehmen würde.
Abgesehen von postfrontal kälteren Temperaturen am Samstag ist die gesamte
Mittelfrist geprägt von zu milden niedertroposphärischen Temperaturen. Schnee
könnte einzig in der Nacht zum Sonntag und Sonntag tagsüber in den mittleren und
östlichen Mittelgebirgen ein Thema werden - jedoch stark abhängig von der Lage
der Front.
Grundsätzlich ist die Mitte und der Norden Deutschlands vom Wind am stärksten
betroffen, wobei im Tiefland ein böiger, in Küstennähe auch stürmischer Südwest-
bis Westwind erwartet wird. Das voraussichtliche und dann auch weiter ins
Landesinnere ausgreifende Windmaximum würde sich mit Annäherung der Kaltfront am
Samstag und der Gradientverschärfung zum Sonntag abzeichnen. Stürmischer Wind im
Tiefland für die Mitte und den Norden und Sturmböen, teils auch schwere
Sturmböen für das Bergland und die Küstenbereiche (besonders der Nordsee) sind
für diesen Zeitraum als realistisch anzusehen. Nachfolgend erfolgt erneut eine
Entspannung der Windsituation.
__________________________________________________________
Bewertung der Konsistenz des operationellen Laufs
Bis einschließlich Montag bieten die letzten Modellläufe von EZMW eine sehr gute
Übereinstimmung im Geopotentialfeld (500 hPa). Es kann also der zeitliche Ablauf
der Keile und Tröge als sicher angesehen werden. Eine etwas größere Streuung ist
im Bodendruckfeld auszumachen, wo das Globalmodell kleinere Wellen/Störungen
etwas unterschiedlich hinsichtlich Ausdehnung und zeitlichen Eintreffens
handhabt. Dies bedeutet jedoch für Frontdurchgänge nur eine geringfügige
zeitliche Varianz.
EZMW deutet im Zuge einer stationären Front in der Nacht zum Sonntag und Sonntag
tagsüber kräftige Niederschläge über der Mitte Deutschlands an, die unter
Abschwächung bis in die Nacht zum Montag andauern sollen. Diese Front wird nun
jedoch von Lauf zu Lauf früher nach Nordosten abgedrängt. Einhergehende kräftige
Niederschläge sollen somit früher abklingen und ein rascher nordostwärts
ausgreifender Keil würde bereits in der Nacht zum Montag für eine
Wetterberuhigung sorgen.
Erst zum Dienstag nehmen die Unsicherheiten mit einer erneuten Austrogung
westlich von Irland deutlich zu. Insgesamt steht dann ein zyklonal geprägter
Wetterabschnitt bevor, jedoch ist das zeitliche und räumliche Übergreifen von
Fronten auf Deutschland noch sehr unsicher.
__________________________________________________________
Vergleich mit anderen globalen Modellen
Von Freitag bis einschließlich Montag weisen die Globalmodelle EZMW und GFS eine
gute Übereinstimmung des Geopotentialfeldes auf. ICON hingegen weicht bereits
früh ab und bringt am Samstag einen deutlich kräftigeren Trog nach Mitteleuropa.
Diese Lösung wird vorerst vernachlässigt, da zudem auch EZMW von Lauf zu Lauf
den Trog leicht abgeschwächt hat. Die nachfolgende Zonalisierung am Montag wird
insgesamt von den Modellen recht gut erfasst und erst das Einbinden des
Höhentiefs von der Iberischen Halbinsel bereitet den Modellen wieder
geringfügige Probleme. Eine Phasenverschiebung ist zum Dienstag hinsichtlich
Trog-/Keillage zu erkennen.
Auch bei den Fronten weisen die Modelle insgesamt eine gute Übereinstimmung auf,
einzig ICON lässt mit einer stärkeren Trogpassage zum Wochenende keine
stationäre Front über Deutschland verweilen, sondern bringt die Kaltfront über
die Alpen nach Süden/Südosten. Momentan wird diese Option jedoch als
Außenseiterlösung behandelt.
__________________________________________________________
Bewertung der Ensemblevorhersagen
Entsprechend einer progressiven Westwindwetterlage ist eine gewisse Streuung der
Members wahrscheinlich und z.B. in der Rauchfahne von Offenbach bereits ab
Samstag deutlich zu sehen. Dabei ist für Sonntag der niederschlagsreichste Tag
(entsprechend der Lage der stationären Front) zu erwarten, wobei der
Kontrolllauf bei 3-5 l/qm in 6 Stunden liegt. Besonders bei der Temperatur in
850 hPa findet eine signifikante Spreizung der member statt mit satten 17 Kelvin
Differenz. Dies zeigt an, dass die genaue Lage der Front noch unsicher ist,
wobei besonders die Mittelgebirge mit 850 hPa Temperaturen von unter 0 °C bei
einzelnen Memberläufen eine vorübergehende Schneeoption hätten. Die Erwärmung
zum Montag wird wieder recht einheitlich gezeigt, wobei es leicht wechselhaft
weitergehen soll.
Für Freitag liegen gleich 5 Cluster vor, alle eine positive NAO aufzeigend. Die
Unterschiede für Deutschland sind jedoch als eher gering anzusehen, da hier ein
nach Osten durchschwenkender Keil recht einheitlich gezeigt wird.
Von Sonntag bis Dienstag sind weiterhin 5 Cluster (positive NAO) vorhanden,
wobei jedoch nur die 3 mit den meisten Membern näher betrachtet wurden (die
beiden anderen wiesen eine sehr geringe Bevölkerung auf und wichen von den
Vorschlägen nicht markant von den restlichen Clustern ab). Besonders zum
Dienstag sind teils beträchtliche Phasenunterschiede bei Trog-/ und Keillagen zu
erkennen, was dementsprechend die Vorhersageunsicherheit stark erhöht. Bis dahin
liegen die hauptsächlichen Unterschiede bei der Stärke der Trogpassage am
Wochenende und wie schnell am Montag ein Keil von Westen nachrückt.
_________________________________________________________
Wahrscheinlichkeiten für signifikante Wettererscheinungen
Der EFI zeigt im Bereich der Temperaturen fast durchweg positive Anomalien an,
was bei einer winterlichen zyklonal, im Süden Deutschlands zeitweise auch
antizyklonal geprägten Westwindwetterlage zu erwarten ist. Einzig am Sonntag
geht die Temperatur postfrontal hinter der Kaltfront in Norddeutschland
vorübergehend auf klimatologisch normale Werte zurück.
Beim Parameter "Wind" werden besonders über der Mitte und dem Norden
Deutschlands ab dem Samstag erhöhte Werte angezeigt. Die Werte selber weisen
keine extremen Abweichungen vom Modellklima auf und zu berücksichtigen ist auch
die Schichtung der Troposphäre. Während der Nacht zum Sonntag und am Sonntag
tagsüber können in Norddeutschland in einer durchmischten postfrontalen
Luftmasse bis in tiefe Lagen stürmische Böen erwartet werden. Demgegenüber wären
am Montag in einem ausgeprägten Warmsektor besonders die Berg- und Küstenlagen
betroffen. Aus heutiger Sicht jedoch ist mit keiner außergewöhnlichen Sturmlage
zu rechnen.
Auch beim Niederschlag wird am Wochenende in der Mitte Deutschlands mit
kräftigeren Niederschlägen gerechnet, jedoch sind die "Ausschläge" nicht
signifikant.
EZMW-EPS zeigt am Freitag und Samstag besonders über dem Nordwesten und da
besonders in Küstennähe das Potential für Sturmböen (Bft 8-9). In der Nacht zum
Sonntag verlagert sich der Schwerpunkt der Wahrscheinlichkeiten zunehmend in die
Mitte, wo entlang der Mittelgebirge mit 30-40%-iger Wahrscheinlichkeit Sturmböen
(Bft 9) auftreten werden. Zum Montag verlagert sich der Schwerpunkt des
Sturmpotentials wieder zunehmend in den Nordwesten Deutschlands, wo besonders in
Richtung Nordsee Sturmböen oder schwere Sturmböen möglich sind (Bft 10 mit
>30%-iger Wahrscheinlichkeit). Auch die Mittelgebirge weisen deutliche Signale
für Sturmböen auf.
Bis Samstag spiegelt sich das auch in den COSMO-LEPS wider.
________________________________________________________
Basis für Mittelfristvorhersage
EZMW, EZMW-EPS, MOSMIX
________________________________________________________
VBZ Offenbach / Dipl. Met. Helge Tuschy
ausgegeben am Dienstag, den 26.01.2016 um 10.30 UTC
Zum Wochenende in der Mitte kräftiger und anhaltender Regen möglich. Dazu
stürmisch, im Bergland und an den Küsten teils auch schwere Sturmböen möglich.
__________________________________________________________
Synoptische Entwicklung bis zum Dienstag, den 02.02.2016
Die gesamte Mittelfrist ist gekennzeichnet von einer wechselhaften und windigen
zyklonalen Westlage.
Zum Beginn der Mittelfrist - am Freitag, den 29.01.2016 - wird im Zuge einer
kräftigen Sturmzyklogenese südlich von Island erneut ein kräftiger
Kaltluftausbruch eingeleitet, wobei sich auch in 500 hPa sehr kalte Luft von
Grönland auf den Weg nach Südosten macht. Für Europa hat diese Umstellung jedoch
zu dem Zeitpunkt noch keine größere Bedeutung und auch die Frontalzone verläuft
noch recht weit nördlich über Schottland und Südnorwegen. Ein über dem östlichen
Mitteleuropa befindlicher Trog wird rasch nach Osten abgedrängt, sodass in
Deutschland in der Höhe eine vorübergehende Keilaufwölbung zu erwarten ist. Im
Bodendruck jedoch überwiegt noch der zyklonale Anteil. Eine Front entlang der
Alpen zieht rasch (bis zur Mittagszeit) aus Süddeutschland ab und nachfolgend
wird besonders der Norden von einem wellenden Frontenzug beeinflusst, wobei
dessen Lage und somit auch die Niederschlagsaktivität noch etwas unsicher sind.
Weiderholte leichte Niederschläge sind jedoch wahrscheinlich. Südlich der
Mittelgebirge überwiegt das Absinken unter der Keilachse und entsprechend
sollten hier die Wolkenauflockerungen im Tagesverlauf weiter zunehmen.
Bis Samstagabend hat die Kaltluft sowohl niedertroposphärisch als auch in
höheren Schichten Norwegen/Schweden erreicht und entsprechend der Annäherung der
Trogachse wird auch die Frontalzone allmählich nach Süden gedrängt. Dies hat zur
Folge, dass der Höhenkeil vom Vortag rasch nach Osten abgedrängt wird und
Deutschland unter eine zyklonal geformte Höhenströmung gerät. Eine Kaltfront
sollte im Verlauf des Samstags von Nordwesten auf Deutschland übergreifen und in
der Nacht zum Sonntag die Mitte Deutschlands erreichen. Es sei erwähnt, dass das
Tiefdruckgebiet, welches die Kaltfront steuert, rasch über Fennoskandinavien
nach Osten/Nordosten abzieht und somit die Front im Verlauf der Nacht zum
Sonntag dank abschwächenden Antriebes seine Südverlagerung verlangsamt. Zudem
wird eine weitere intensive Tiefdruckentwicklung südlich von Grönland
interessant, die den Azorenkeil mit verstärkter und hochreichender
Warmluftzufuhr kräftig nach Nordosten ausdehnt. Dies sorgt über
Südwestdeutschland im Verlauf der Nacht zum Sonntag für eine allmähliche
Geopotentialerhöhung und für eine weitere Abschwächung der Südverlagerung der
Kaltfront, die aus heutiger Sicht irgendwo über der südlichen Mitte Deutschlands
zu liegen kommen soll. Mit der Keilaufwölbung verschärfen sich auch
niedertroposphärisch die Temperaturgegensätze entlang der Front, die somit
nochmals einen frontogenetischen Antrieb erfährt. Kräftiger und anhaltender
Regen über der Mitte Deutschlands wäre die Folge (was auch von GFS, weniger von
ICON gestützt wird).
Der Sonntag ist weiterhin geprägt von der über Deutschland liegenden Front, die
nur zögerlich nach Nordosten vorankommt. Anhaltende Niederschläge von leichter
bis mäßiger Intensität wären die Folge und erst in der Nacht zum Montag sollte
die Front als Warmfront nach Nordosten abziehen.
Der Montag verläuft insgesamt antizyklonaler geprägt, wobei der Norden dank der
Nähe zur Frontalzone wechselhafteres Wetter verglichen zu Süddeutschland zu
erwarten hat. Insgesamt werden keine großen Hebungsmechanismen angedeutet,
sodass sich die Niederschlagsmengen in Grenzen halten sollten. Ein Höhentief
über der Iberischen Halbinsel lenkt sehr warme Luft vom westlichen Mittelmeer
nordwärts und der Süden Deutschlands könnte antizyklonal geprägt davon mit
Sonnenschein und milden Temperaturen profitieren.
Zum Dienstag hin zeigt das EZMW ein allmähliches Einbinden des Höhentiefs über
Südwesteuropa in die südwärts ausgreifende Frontalzone. Dies hätte ein zunehmend
zyklonal geprägtes Strömungsmuster für Deutschland zur Folge, wobei auch die
Niederschlagsaktivität erneut zunehmen würde.
Abgesehen von postfrontal kälteren Temperaturen am Samstag ist die gesamte
Mittelfrist geprägt von zu milden niedertroposphärischen Temperaturen. Schnee
könnte einzig in der Nacht zum Sonntag und Sonntag tagsüber in den mittleren und
östlichen Mittelgebirgen ein Thema werden - jedoch stark abhängig von der Lage
der Front.
Grundsätzlich ist die Mitte und der Norden Deutschlands vom Wind am stärksten
betroffen, wobei im Tiefland ein böiger, in Küstennähe auch stürmischer Südwest-
bis Westwind erwartet wird. Das voraussichtliche und dann auch weiter ins
Landesinnere ausgreifende Windmaximum würde sich mit Annäherung der Kaltfront am
Samstag und der Gradientverschärfung zum Sonntag abzeichnen. Stürmischer Wind im
Tiefland für die Mitte und den Norden und Sturmböen, teils auch schwere
Sturmböen für das Bergland und die Küstenbereiche (besonders der Nordsee) sind
für diesen Zeitraum als realistisch anzusehen. Nachfolgend erfolgt erneut eine
Entspannung der Windsituation.
__________________________________________________________
Bewertung der Konsistenz des operationellen Laufs
Bis einschließlich Montag bieten die letzten Modellläufe von EZMW eine sehr gute
Übereinstimmung im Geopotentialfeld (500 hPa). Es kann also der zeitliche Ablauf
der Keile und Tröge als sicher angesehen werden. Eine etwas größere Streuung ist
im Bodendruckfeld auszumachen, wo das Globalmodell kleinere Wellen/Störungen
etwas unterschiedlich hinsichtlich Ausdehnung und zeitlichen Eintreffens
handhabt. Dies bedeutet jedoch für Frontdurchgänge nur eine geringfügige
zeitliche Varianz.
EZMW deutet im Zuge einer stationären Front in der Nacht zum Sonntag und Sonntag
tagsüber kräftige Niederschläge über der Mitte Deutschlands an, die unter
Abschwächung bis in die Nacht zum Montag andauern sollen. Diese Front wird nun
jedoch von Lauf zu Lauf früher nach Nordosten abgedrängt. Einhergehende kräftige
Niederschläge sollen somit früher abklingen und ein rascher nordostwärts
ausgreifender Keil würde bereits in der Nacht zum Montag für eine
Wetterberuhigung sorgen.
Erst zum Dienstag nehmen die Unsicherheiten mit einer erneuten Austrogung
westlich von Irland deutlich zu. Insgesamt steht dann ein zyklonal geprägter
Wetterabschnitt bevor, jedoch ist das zeitliche und räumliche Übergreifen von
Fronten auf Deutschland noch sehr unsicher.
__________________________________________________________
Vergleich mit anderen globalen Modellen
Von Freitag bis einschließlich Montag weisen die Globalmodelle EZMW und GFS eine
gute Übereinstimmung des Geopotentialfeldes auf. ICON hingegen weicht bereits
früh ab und bringt am Samstag einen deutlich kräftigeren Trog nach Mitteleuropa.
Diese Lösung wird vorerst vernachlässigt, da zudem auch EZMW von Lauf zu Lauf
den Trog leicht abgeschwächt hat. Die nachfolgende Zonalisierung am Montag wird
insgesamt von den Modellen recht gut erfasst und erst das Einbinden des
Höhentiefs von der Iberischen Halbinsel bereitet den Modellen wieder
geringfügige Probleme. Eine Phasenverschiebung ist zum Dienstag hinsichtlich
Trog-/Keillage zu erkennen.
Auch bei den Fronten weisen die Modelle insgesamt eine gute Übereinstimmung auf,
einzig ICON lässt mit einer stärkeren Trogpassage zum Wochenende keine
stationäre Front über Deutschland verweilen, sondern bringt die Kaltfront über
die Alpen nach Süden/Südosten. Momentan wird diese Option jedoch als
Außenseiterlösung behandelt.
__________________________________________________________
Bewertung der Ensemblevorhersagen
Entsprechend einer progressiven Westwindwetterlage ist eine gewisse Streuung der
Members wahrscheinlich und z.B. in der Rauchfahne von Offenbach bereits ab
Samstag deutlich zu sehen. Dabei ist für Sonntag der niederschlagsreichste Tag
(entsprechend der Lage der stationären Front) zu erwarten, wobei der
Kontrolllauf bei 3-5 l/qm in 6 Stunden liegt. Besonders bei der Temperatur in
850 hPa findet eine signifikante Spreizung der member statt mit satten 17 Kelvin
Differenz. Dies zeigt an, dass die genaue Lage der Front noch unsicher ist,
wobei besonders die Mittelgebirge mit 850 hPa Temperaturen von unter 0 °C bei
einzelnen Memberläufen eine vorübergehende Schneeoption hätten. Die Erwärmung
zum Montag wird wieder recht einheitlich gezeigt, wobei es leicht wechselhaft
weitergehen soll.
Für Freitag liegen gleich 5 Cluster vor, alle eine positive NAO aufzeigend. Die
Unterschiede für Deutschland sind jedoch als eher gering anzusehen, da hier ein
nach Osten durchschwenkender Keil recht einheitlich gezeigt wird.
Von Sonntag bis Dienstag sind weiterhin 5 Cluster (positive NAO) vorhanden,
wobei jedoch nur die 3 mit den meisten Membern näher betrachtet wurden (die
beiden anderen wiesen eine sehr geringe Bevölkerung auf und wichen von den
Vorschlägen nicht markant von den restlichen Clustern ab). Besonders zum
Dienstag sind teils beträchtliche Phasenunterschiede bei Trog-/ und Keillagen zu
erkennen, was dementsprechend die Vorhersageunsicherheit stark erhöht. Bis dahin
liegen die hauptsächlichen Unterschiede bei der Stärke der Trogpassage am
Wochenende und wie schnell am Montag ein Keil von Westen nachrückt.
_________________________________________________________
Wahrscheinlichkeiten für signifikante Wettererscheinungen
Der EFI zeigt im Bereich der Temperaturen fast durchweg positive Anomalien an,
was bei einer winterlichen zyklonal, im Süden Deutschlands zeitweise auch
antizyklonal geprägten Westwindwetterlage zu erwarten ist. Einzig am Sonntag
geht die Temperatur postfrontal hinter der Kaltfront in Norddeutschland
vorübergehend auf klimatologisch normale Werte zurück.
Beim Parameter "Wind" werden besonders über der Mitte und dem Norden
Deutschlands ab dem Samstag erhöhte Werte angezeigt. Die Werte selber weisen
keine extremen Abweichungen vom Modellklima auf und zu berücksichtigen ist auch
die Schichtung der Troposphäre. Während der Nacht zum Sonntag und am Sonntag
tagsüber können in Norddeutschland in einer durchmischten postfrontalen
Luftmasse bis in tiefe Lagen stürmische Böen erwartet werden. Demgegenüber wären
am Montag in einem ausgeprägten Warmsektor besonders die Berg- und Küstenlagen
betroffen. Aus heutiger Sicht jedoch ist mit keiner außergewöhnlichen Sturmlage
zu rechnen.
Auch beim Niederschlag wird am Wochenende in der Mitte Deutschlands mit
kräftigeren Niederschlägen gerechnet, jedoch sind die "Ausschläge" nicht
signifikant.
EZMW-EPS zeigt am Freitag und Samstag besonders über dem Nordwesten und da
besonders in Küstennähe das Potential für Sturmböen (Bft 8-9). In der Nacht zum
Sonntag verlagert sich der Schwerpunkt der Wahrscheinlichkeiten zunehmend in die
Mitte, wo entlang der Mittelgebirge mit 30-40%-iger Wahrscheinlichkeit Sturmböen
(Bft 9) auftreten werden. Zum Montag verlagert sich der Schwerpunkt des
Sturmpotentials wieder zunehmend in den Nordwesten Deutschlands, wo besonders in
Richtung Nordsee Sturmböen oder schwere Sturmböen möglich sind (Bft 10 mit
>30%-iger Wahrscheinlichkeit). Auch die Mittelgebirge weisen deutliche Signale
für Sturmböen auf.
Bis Samstag spiegelt sich das auch in den COSMO-LEPS wider.
________________________________________________________
Basis für Mittelfristvorhersage
EZMW, EZMW-EPS, MOSMIX
________________________________________________________
VBZ Offenbach / Dipl. Met. Helge Tuschy