SXDL31 DWAV 1800UTC DWD Synoptische Uebersicht KURZFRIST
SXEU31 DWAV 251800
S Y N O P T I S C H E Ü B E R S I C H T K U R Z F R I S T
ausgegeben am Montag, den 25.08.2014 um 18 UTC
Markante Wettererscheinungen:
Von der Mitte bis in den Süden teils länger anhaltende und ergiebige
Niederschläge. Im Süden auflebender Wind mit starken bis stürmischen Böen. Auf
den Bergen schwere Sturmböen, vereinzelt orkanartig.
Synoptische Entwicklung bis Donnerstag 12 UTC
-------------------------------------------------------------
Aktuell ... liegen große Teile von Europe unter dem Einfluss eines umfangreichen
Trogsystems über Nordeuropa. In die zonale Westströmung eingelagert sind diverse
Kurzwellentröge und kurzwellige Anteile. Das Hauptaugenmerk für Deutschland ist
dabei auf ein eigenständiges Höhentief gerichtet, dass sich bei Irland befindet.
Dieses wird auf seiner Südseite flankiert von einem Jetmaximum, auf dessen linke
Ausgangsseite Hebungsprozesse induziert werden.
Am Boden befindet sich korrespondierend dazu ein kräftiges Sturmtief mit einem
Kerndruck von etwa 985 hPa. Aufgrund der achsensenkrechten Lage hat das Tief
seinen Höhepunkt aber bereits überschritten. Das Tief ist ausgestattet mit
mehreren Fronten. So gibt es eine zunächst eigenständig geführte vorlaufende
Warmfront. Sie ist gekennzeichnet von kräftiger Warmluftadvektion. Die daraus
resultierenden Aufgleitprozesse haben den Westen und Südwesten bereits mit
ersten Niederschlägen erfasst. Dahinter folgt ein bisher eigenständig geführtes
Frontensystem. Dessen Warmfront lässt sich aber nicht mehr in der Analyse
finden. Stattdessen wird die zunächst vorlaufende Warmfront vom System
eingefangen und fungiert fortan als neue Warmfront.
In der ersten Nachthälfte greift schließlich das Hauptniederschlagsgebiet auf
Deutschland über und sorgt in weiten Teilen von Deutschland für länger
anhaltende und ergiebige Niederschläge. Davon ausgenommen ist der Norden des
Landes. Die derzeit dort noch aktiven Schauer fallen am Abend recht schnell
zusammen. Etwa nördlich einer Linie Osnabrück - Hannover - Berlin bleibt es
entsprechend bis Dienstagmorgen trocken.
Der Hauptschwerpunkt der Niederschläge konzentriert sich in der Nacht auf
Dienstag vor allem auf den Westen und teils auch den Südwesten von Deutschland.
Dort akkumulieren sich Aufgleitniederschläge bis Dienstagmorgen auf 10 bis 20
l/qm. Andeutungen, dass lokal auch mehr als 25 l/qm in 12h fallen und damit auch
die markante Warnschwelle überschritten wird, gibt es vor allem von der
deutschen Modellkette und von COSMO-LEPS. Während die gesamte Modellkette von
GME bis COSMO-DE vor allem den Schwarzwald heraus arbeitet, kommen bei
COSMO-LEPS insbesondere die West-Staulagen der Mittelgebirge (Eifel, Sauer- und
Siegerland, Westerwald Taunus) zum Vorschein. ECMWF-EPS und PEPS liefern
hingegen so gut wie keine Wahrscheinlichkeiten für eine Überschreitung der
markanten Warnschwelle. Schaut man auf die externen Lokalmodelle WRF
(modellzentrale) und NAE so schaut es ebenfalls eher danach aus, als würde die
markante Warnschwelle nicht ganz erreicht.
Neben dem Niederschlag spielt auch der Wind im Laufe der Nacht eine Rolle. An
der Südflanke des Tiefs nimmt der Luftdruckgradient bis Dienstmorgen deutlich
zu. Modelle und Ensembleverfahren simulieren entsprechend erste starke Windböen
im Flachland in der Südhälfte von Bayern und Baden-Württemberg. Direkt an den
Alpen kommt auch noch eine Art Leitplankeneffekt hinzu. Im Bergland sind dann
Sturmböen möglich, in Lagen oberhalb von 2000 m steigert sich der Wind bis hin
zu orkanartigen Böen.
Dienstag ... verbleibt Deutschland in einer weiter straffen westlichen Strömung.
Dabei reicht die Haupttrogachse stark positiv geneigt von Südengland bis zu den
Baltischen Staaten. Entsprechend bildet sich auch am Boden eine zonal
orientierte Tiefdruckrinne aus, die sich von Irland über Nordfrankreich und
Deutschland bis nach Ostpolen erstreckt. Die Tiefdruckrinne trennt kühle und
trockene Luftmassen im Norden (T850: ~5 bis 7 Grad, Td: 6 bis 8 Grad) von
deutlich wärmeren und auch feuchterer Luft südlich davon (T 850: 10 bis 12 Grad,
Td: 14 bis 16 Grad).
Die Luftmassengrenze wird aktiviert und verstärkte durch von West nach Ost
ziehende kleinere Tiefs, die wiederum ihren Ursprung in Kurzwellentrögen bzw.
kurzwelligen Anteilen in der Höhe haben. Schön lässt sich der Prozess der
Frontogenese auch durch den Frontogeneseparameter erkennen.
Die Hauptniederschläge werden sich entsprechend entlang der Luftmassengrenze
orientieren und entsprechend von NRW bis nach Sachsen reichen. Nach einer
schwächeren Phase im Laufe der ersten Tageshälfte, sollen sich die Niederschläge
am Nachmittag von Westen her wieder intensivieren. Ursächlich dafür ist eines
der angesprochenen Tiefs, das sich in den Westen schiebt und in der Nacht auf
Mittwoch in den Osten wandert. Die genaue Lage der Dauerniederschläge ist dabei
noch etwas unsicher. Am wahrscheinlichsten ist derzeit ein Streifen vom
Niederrhein bis zum Vogtland. Dort ist sowohl im 12 stündigen Zeitraum (bis
Dienstagabend), als auch im 24 h Zeitraum bis Mittwochmorgen die Überschreitung
der markanten Dauerregenschwelle durchaus möglich. Eine Lokalisierung ist
allerdings etwas schwierig und sollte sich als Mittelwert aus den verschiedenen
Modellen und Ensembleverfahren ergeben. Der 24 h Zeitraum erscheint dabei als am
besten geeignet. Zu erwähnen wäre, dass das ECMWF keinerlei Andeutungen für das
Überschreiten markanter Warnschwellen macht, auch nicht im EPS. Diese sehr
zurückhaltende Prognose erscheint allerdings etwas optimistisch.
Auch südlich der Luftmassengrenze gibt es an Flüssigwasser kein Mangel.
Allerdings haben die Niederschläge nach Abzug des skaligen Regengebietes vor
allem konvektiven Charakter. Die nachmittäglichen CAPE-Werte liegen südlich der
Luftmassengrenze zwischen 200 und 500 J/kg. Entsprechend muss auch mit Gewitter
gerechnet werden. Bei ppw-Werten um 30 mm muss als Begleiterscheinung auf jeden
Fall markanter Starkregen mit ins Kalkül gezogen werden und auch stürmische
Böen, vereinzelt Sturmböen (Bft 8 - 9) sind bei den vorhandenen Oberwinden
möglich.
Die Schauer und Gewitter können sich in weiterer Folge auch zu größeren
Komplexen von schauerartig verstärkten und von Gewittern durchsetzten Gebieten
entwickeln, sodass im Falle des Falles auch über ein 6 h Starkregenkriterium
nach zudenken ist. Dauerregen erscheint in diesen Gebieten aufgrund lokal
größerer Unterschiede allerdings weniger zutreffend.
Die Gewitter halten bis in die Nacht hinein an und lassen erst im Laufe der
zweiten Nachthälfte vorübergehend etwas nach.
Auch der Wind spielt an der Südflanke der Tiefdruckrinne weiter eine Rolle.
Tagsüber treten entsprechend der verschiedenen Modelle und Ensembleverfahren in
der Südhälfte von Bayern und Baden-Württemberg starke, vereinzelt auch
stürmische Böen auf. Dies insbesondere auch in Verbindung mit Schauern und
Gewittern. In der Nacht auf Mittwoch lässt der Wind dann etwas nach. Im Bergland
von Alpen und Schwarzwald muss mit Sturmböen, auf den höchsten Gipfeln auch mit
schweren Sturmböen gerechnet werden. Dies wird vor allem von den verschiedenen
MOS-Verfahren simuliert. Nachts bleibt es im Bergland weiter bei Sturmböen.
Nördlich der Luftmassengrenze ist es meist trocken und die Sonne kann häufiger
scheinen.
Mittwoch ... verschiebt sich der Trogkomplex weiter nach Osten, wobei große
Teile von Deutschland auf seine Rückseite gelangen. Die Achse des Haupttroges
liegt dabei zum Mittagstermin etwa auf einer Linie vom Schwarzwald bis in den
Nordosten von Deutschland. Die Luftmassengrenze ist weiter nach Süden
vorangekommen und hat sich abgeschwächt. Das ist vor allem den nach Osten
abziehenden kleinen Tief zu verdanken, wie auch der Entwicklung weiter westlich
von uns. So ergibt sich über dem nördlichen Ostatlantik eine neue kräftige
Austrogung. Vorderseitige Warmluftadavktion stützt dabei den Aufbau eines
kräftigen Keils, dessen Achse etwas bei den Britischen Inseln liegt. Damit kann
sich auch bodennah hoher Luftdruck aufbauen, der sich auch langsam in den Westen
Deutschlands schiebt.
Mit der Abnahme der frontalen Gegensätze nehmen auch die Niederschläge deutlich
ab. Konvektiv verstärkte Niederschläge gibt es vor allem noch in Bayern und
Baden-Württemberg. Auch ein kurzes Gewitter ist bei etwas Labilitätsenergie noch
möglich. Bei abnehmenden ppw-Werten sollte die markante Warnschwelle aber kaum
noch erreicht werden.
Unter Einfluss des Troges labilisiert es im Tagesverlauf auch im Nordosten von
Deutschland, sodass dort am Nachmittag einzelne Gewitter möglich sind. Sonst
gestaltet sich das Wetter insgesamt in der Nordhälfte freundlich mit häufigem
Sonnenschein, während in der Südhälfte die Wolken überwiegen. Die Temperaturen
legen dabei im Vergleich zum Vortag etwas zu und pegeln sich zwischen 19 und 23
Grad ein.
Auch der Wind ist im Zuge des gesamten Abschwächungsprozesses nicht mehr so
präsent. Starke bis stürmische Böen gibt es vor allem noch in den Alpen. Diese
lassen in der Nacht auf Donnerstag weiter nach. Dann ist es auch weitgehend
trocken mit teils aufgelockerter Bewölkung und Nebelgefahr vor allem in den
Gebieten mit Regen an den Vortagen.
Donnerstag ... verlagert sich der Höhenkeil in Richtung Deutschland, Die Achse
erreicht am Nachmittag den Westen Deutschlands. Damit kann sich auch am Boden
ein Zwischenhoch nach Deutschland schieben. Als Folge dominiert Absinken und
Niederschläge bilden die Ausnahme. Allerdings lohnt ein Blick weiter nach
Westen. Dort liegen der bereits am Vortag angesprochene neue Trog mit eigenem
Höhentiefzentrum und ein dazugehöriges Sturmtief mit einem prognostizierten
Kerndruck von unter 980 hPa und einem veritablen Luftdruckgradienten.
Durch die vorderseitig im Westen langsam auf Südwest drehende Höhenströmung
gelangt etwas wärmere Luft nach Deutschland und die Höchstwerte steigen auf 21
bis 24 Grad, am Oberrhein sogar bis 26 Grad.
Durch Warmluftadvektion ausgehend von der Entwicklung über Westeuropa erreichen
erste zaghafte Niederschläge am Abend den Westen und breiten sich in der Nacht
auf Freitag langsam über Deutschland aus. Größere Mengen werden bis dato aber
nicht simuliert.
Damit sollte sich der donnerstägliche Erholungstag doch weitgehend warnfrei
gestalten.
Modellvergleich und -einschätzung
----------------------------------------------------------------
Diskrepanzen gibt es in der Modellwelt vor allem noch in der genauen Lage der
Luftmassengrenze und an ihrer Wetterwirksamkeit in Bezug auf die zu erwarteten
Niederschlagsmengen. Das ECMWF bringt im Vergleich die geringsten Mengen, die
sich auch eher auf den Süden konzentrieren sollten. GFS legt die
Luftmassengrenze hingegen ziemlich weit nach Norden, bringt aber wie auch fast
alle anderen Modelle Niederschlagsmengen, die bis in den markanten Warnbereich
reinreichen. Die deutsche Modellkette simuliert insgesamt die größten Mengen und
konzentriert diese auf die Staulagen. Von der Positionierung bildet diese eine
Zwischenlösung zwischen GFS und ECMWF.
Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach
Dipl. Met. Marcus Beyer
S Y N O P T I S C H E Ü B E R S I C H T K U R Z F R I S T
ausgegeben am Montag, den 25.08.2014 um 18 UTC
Markante Wettererscheinungen:
Von der Mitte bis in den Süden teils länger anhaltende und ergiebige
Niederschläge. Im Süden auflebender Wind mit starken bis stürmischen Böen. Auf
den Bergen schwere Sturmböen, vereinzelt orkanartig.
Synoptische Entwicklung bis Donnerstag 12 UTC
-------------------------------------------------------------
Aktuell ... liegen große Teile von Europe unter dem Einfluss eines umfangreichen
Trogsystems über Nordeuropa. In die zonale Westströmung eingelagert sind diverse
Kurzwellentröge und kurzwellige Anteile. Das Hauptaugenmerk für Deutschland ist
dabei auf ein eigenständiges Höhentief gerichtet, dass sich bei Irland befindet.
Dieses wird auf seiner Südseite flankiert von einem Jetmaximum, auf dessen linke
Ausgangsseite Hebungsprozesse induziert werden.
Am Boden befindet sich korrespondierend dazu ein kräftiges Sturmtief mit einem
Kerndruck von etwa 985 hPa. Aufgrund der achsensenkrechten Lage hat das Tief
seinen Höhepunkt aber bereits überschritten. Das Tief ist ausgestattet mit
mehreren Fronten. So gibt es eine zunächst eigenständig geführte vorlaufende
Warmfront. Sie ist gekennzeichnet von kräftiger Warmluftadvektion. Die daraus
resultierenden Aufgleitprozesse haben den Westen und Südwesten bereits mit
ersten Niederschlägen erfasst. Dahinter folgt ein bisher eigenständig geführtes
Frontensystem. Dessen Warmfront lässt sich aber nicht mehr in der Analyse
finden. Stattdessen wird die zunächst vorlaufende Warmfront vom System
eingefangen und fungiert fortan als neue Warmfront.
In der ersten Nachthälfte greift schließlich das Hauptniederschlagsgebiet auf
Deutschland über und sorgt in weiten Teilen von Deutschland für länger
anhaltende und ergiebige Niederschläge. Davon ausgenommen ist der Norden des
Landes. Die derzeit dort noch aktiven Schauer fallen am Abend recht schnell
zusammen. Etwa nördlich einer Linie Osnabrück - Hannover - Berlin bleibt es
entsprechend bis Dienstagmorgen trocken.
Der Hauptschwerpunkt der Niederschläge konzentriert sich in der Nacht auf
Dienstag vor allem auf den Westen und teils auch den Südwesten von Deutschland.
Dort akkumulieren sich Aufgleitniederschläge bis Dienstagmorgen auf 10 bis 20
l/qm. Andeutungen, dass lokal auch mehr als 25 l/qm in 12h fallen und damit auch
die markante Warnschwelle überschritten wird, gibt es vor allem von der
deutschen Modellkette und von COSMO-LEPS. Während die gesamte Modellkette von
GME bis COSMO-DE vor allem den Schwarzwald heraus arbeitet, kommen bei
COSMO-LEPS insbesondere die West-Staulagen der Mittelgebirge (Eifel, Sauer- und
Siegerland, Westerwald Taunus) zum Vorschein. ECMWF-EPS und PEPS liefern
hingegen so gut wie keine Wahrscheinlichkeiten für eine Überschreitung der
markanten Warnschwelle. Schaut man auf die externen Lokalmodelle WRF
(modellzentrale) und NAE so schaut es ebenfalls eher danach aus, als würde die
markante Warnschwelle nicht ganz erreicht.
Neben dem Niederschlag spielt auch der Wind im Laufe der Nacht eine Rolle. An
der Südflanke des Tiefs nimmt der Luftdruckgradient bis Dienstmorgen deutlich
zu. Modelle und Ensembleverfahren simulieren entsprechend erste starke Windböen
im Flachland in der Südhälfte von Bayern und Baden-Württemberg. Direkt an den
Alpen kommt auch noch eine Art Leitplankeneffekt hinzu. Im Bergland sind dann
Sturmböen möglich, in Lagen oberhalb von 2000 m steigert sich der Wind bis hin
zu orkanartigen Böen.
Dienstag ... verbleibt Deutschland in einer weiter straffen westlichen Strömung.
Dabei reicht die Haupttrogachse stark positiv geneigt von Südengland bis zu den
Baltischen Staaten. Entsprechend bildet sich auch am Boden eine zonal
orientierte Tiefdruckrinne aus, die sich von Irland über Nordfrankreich und
Deutschland bis nach Ostpolen erstreckt. Die Tiefdruckrinne trennt kühle und
trockene Luftmassen im Norden (T850: ~5 bis 7 Grad, Td: 6 bis 8 Grad) von
deutlich wärmeren und auch feuchterer Luft südlich davon (T 850: 10 bis 12 Grad,
Td: 14 bis 16 Grad).
Die Luftmassengrenze wird aktiviert und verstärkte durch von West nach Ost
ziehende kleinere Tiefs, die wiederum ihren Ursprung in Kurzwellentrögen bzw.
kurzwelligen Anteilen in der Höhe haben. Schön lässt sich der Prozess der
Frontogenese auch durch den Frontogeneseparameter erkennen.
Die Hauptniederschläge werden sich entsprechend entlang der Luftmassengrenze
orientieren und entsprechend von NRW bis nach Sachsen reichen. Nach einer
schwächeren Phase im Laufe der ersten Tageshälfte, sollen sich die Niederschläge
am Nachmittag von Westen her wieder intensivieren. Ursächlich dafür ist eines
der angesprochenen Tiefs, das sich in den Westen schiebt und in der Nacht auf
Mittwoch in den Osten wandert. Die genaue Lage der Dauerniederschläge ist dabei
noch etwas unsicher. Am wahrscheinlichsten ist derzeit ein Streifen vom
Niederrhein bis zum Vogtland. Dort ist sowohl im 12 stündigen Zeitraum (bis
Dienstagabend), als auch im 24 h Zeitraum bis Mittwochmorgen die Überschreitung
der markanten Dauerregenschwelle durchaus möglich. Eine Lokalisierung ist
allerdings etwas schwierig und sollte sich als Mittelwert aus den verschiedenen
Modellen und Ensembleverfahren ergeben. Der 24 h Zeitraum erscheint dabei als am
besten geeignet. Zu erwähnen wäre, dass das ECMWF keinerlei Andeutungen für das
Überschreiten markanter Warnschwellen macht, auch nicht im EPS. Diese sehr
zurückhaltende Prognose erscheint allerdings etwas optimistisch.
Auch südlich der Luftmassengrenze gibt es an Flüssigwasser kein Mangel.
Allerdings haben die Niederschläge nach Abzug des skaligen Regengebietes vor
allem konvektiven Charakter. Die nachmittäglichen CAPE-Werte liegen südlich der
Luftmassengrenze zwischen 200 und 500 J/kg. Entsprechend muss auch mit Gewitter
gerechnet werden. Bei ppw-Werten um 30 mm muss als Begleiterscheinung auf jeden
Fall markanter Starkregen mit ins Kalkül gezogen werden und auch stürmische
Böen, vereinzelt Sturmböen (Bft 8 - 9) sind bei den vorhandenen Oberwinden
möglich.
Die Schauer und Gewitter können sich in weiterer Folge auch zu größeren
Komplexen von schauerartig verstärkten und von Gewittern durchsetzten Gebieten
entwickeln, sodass im Falle des Falles auch über ein 6 h Starkregenkriterium
nach zudenken ist. Dauerregen erscheint in diesen Gebieten aufgrund lokal
größerer Unterschiede allerdings weniger zutreffend.
Die Gewitter halten bis in die Nacht hinein an und lassen erst im Laufe der
zweiten Nachthälfte vorübergehend etwas nach.
Auch der Wind spielt an der Südflanke der Tiefdruckrinne weiter eine Rolle.
Tagsüber treten entsprechend der verschiedenen Modelle und Ensembleverfahren in
der Südhälfte von Bayern und Baden-Württemberg starke, vereinzelt auch
stürmische Böen auf. Dies insbesondere auch in Verbindung mit Schauern und
Gewittern. In der Nacht auf Mittwoch lässt der Wind dann etwas nach. Im Bergland
von Alpen und Schwarzwald muss mit Sturmböen, auf den höchsten Gipfeln auch mit
schweren Sturmböen gerechnet werden. Dies wird vor allem von den verschiedenen
MOS-Verfahren simuliert. Nachts bleibt es im Bergland weiter bei Sturmböen.
Nördlich der Luftmassengrenze ist es meist trocken und die Sonne kann häufiger
scheinen.
Mittwoch ... verschiebt sich der Trogkomplex weiter nach Osten, wobei große
Teile von Deutschland auf seine Rückseite gelangen. Die Achse des Haupttroges
liegt dabei zum Mittagstermin etwa auf einer Linie vom Schwarzwald bis in den
Nordosten von Deutschland. Die Luftmassengrenze ist weiter nach Süden
vorangekommen und hat sich abgeschwächt. Das ist vor allem den nach Osten
abziehenden kleinen Tief zu verdanken, wie auch der Entwicklung weiter westlich
von uns. So ergibt sich über dem nördlichen Ostatlantik eine neue kräftige
Austrogung. Vorderseitige Warmluftadavktion stützt dabei den Aufbau eines
kräftigen Keils, dessen Achse etwas bei den Britischen Inseln liegt. Damit kann
sich auch bodennah hoher Luftdruck aufbauen, der sich auch langsam in den Westen
Deutschlands schiebt.
Mit der Abnahme der frontalen Gegensätze nehmen auch die Niederschläge deutlich
ab. Konvektiv verstärkte Niederschläge gibt es vor allem noch in Bayern und
Baden-Württemberg. Auch ein kurzes Gewitter ist bei etwas Labilitätsenergie noch
möglich. Bei abnehmenden ppw-Werten sollte die markante Warnschwelle aber kaum
noch erreicht werden.
Unter Einfluss des Troges labilisiert es im Tagesverlauf auch im Nordosten von
Deutschland, sodass dort am Nachmittag einzelne Gewitter möglich sind. Sonst
gestaltet sich das Wetter insgesamt in der Nordhälfte freundlich mit häufigem
Sonnenschein, während in der Südhälfte die Wolken überwiegen. Die Temperaturen
legen dabei im Vergleich zum Vortag etwas zu und pegeln sich zwischen 19 und 23
Grad ein.
Auch der Wind ist im Zuge des gesamten Abschwächungsprozesses nicht mehr so
präsent. Starke bis stürmische Böen gibt es vor allem noch in den Alpen. Diese
lassen in der Nacht auf Donnerstag weiter nach. Dann ist es auch weitgehend
trocken mit teils aufgelockerter Bewölkung und Nebelgefahr vor allem in den
Gebieten mit Regen an den Vortagen.
Donnerstag ... verlagert sich der Höhenkeil in Richtung Deutschland, Die Achse
erreicht am Nachmittag den Westen Deutschlands. Damit kann sich auch am Boden
ein Zwischenhoch nach Deutschland schieben. Als Folge dominiert Absinken und
Niederschläge bilden die Ausnahme. Allerdings lohnt ein Blick weiter nach
Westen. Dort liegen der bereits am Vortag angesprochene neue Trog mit eigenem
Höhentiefzentrum und ein dazugehöriges Sturmtief mit einem prognostizierten
Kerndruck von unter 980 hPa und einem veritablen Luftdruckgradienten.
Durch die vorderseitig im Westen langsam auf Südwest drehende Höhenströmung
gelangt etwas wärmere Luft nach Deutschland und die Höchstwerte steigen auf 21
bis 24 Grad, am Oberrhein sogar bis 26 Grad.
Durch Warmluftadvektion ausgehend von der Entwicklung über Westeuropa erreichen
erste zaghafte Niederschläge am Abend den Westen und breiten sich in der Nacht
auf Freitag langsam über Deutschland aus. Größere Mengen werden bis dato aber
nicht simuliert.
Damit sollte sich der donnerstägliche Erholungstag doch weitgehend warnfrei
gestalten.
Modellvergleich und -einschätzung
----------------------------------------------------------------
Diskrepanzen gibt es in der Modellwelt vor allem noch in der genauen Lage der
Luftmassengrenze und an ihrer Wetterwirksamkeit in Bezug auf die zu erwarteten
Niederschlagsmengen. Das ECMWF bringt im Vergleich die geringsten Mengen, die
sich auch eher auf den Süden konzentrieren sollten. GFS legt die
Luftmassengrenze hingegen ziemlich weit nach Norden, bringt aber wie auch fast
alle anderen Modelle Niederschlagsmengen, die bis in den markanten Warnbereich
reinreichen. Die deutsche Modellkette simuliert insgesamt die größten Mengen und
konzentriert diese auf die Staulagen. Von der Positionierung bildet diese eine
Zwischenlösung zwischen GFS und ECMWF.
Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach
Dipl. Met. Marcus Beyer