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Thema des Tages

2016 - Ein Schaltjahr

Betrachtet man die Wetterentwicklung der kommenden Tage, so stellt
sich vorübergehend eine etwas ruhigere Wetterlage mit häufigen
sonnigen Abschnitten ein.
Am Montag, den 29. Februar, könnte es jedoch wettertechnisch wieder
spannend werden. Ein Tief, das über das westliche Mittelmeer in
Richtung Norditalien zieht, sorgt voraussichtlich in einigen Gebiete
Deutschlands für weiteren Nachschub an Schnee.
Da sich diese Entwicklung aus heutiger Sicht noch relativ unsicher
darstellt, soll im heutigen Thema des Tages auf dieses spezielle
Datum eingegangen werden, denn der 29. Februar ist ein sogenannter
"Schalttag" und tritt nur alle paar Jahre in Erscheinung.

Wir benötigen diesen Schalttag, um das Kalenderjahr (gregorianische
Kalender) an das Jahreszeiten basierende Sonnenjahr (auch tropisches
Jahr genannt) anzugleichen bzw. mit dem tropischen Jahr zu
synchronisieren.
Das Sonnenjahr beschreibt die Zeitdauer zwischen zwei gleichen
Zeitpunkten im Ablauf der Jahreszeiten. Zur Bestimmung der Länge des
Sonnenjahres kann z. B. der Zeitraum zwischen zwei Durchgängen der
Sonne durch den "Frühlingspunkt" (Tag-und-Nacht-Gleiche im Frühjahr)
verwendet werden.
Nach dieser Definition benötigt die Erde für eine komplette
Sonnenumrundung ungefähr 356,2422 Tage. Dies sind 356 Tage, 5
Stunden, 48 Minuten und 45 Sekunden für einen Umlauf. Da nun das
Kalenderjahr aber genau 365 Tage umfasst, fehlen uns pro Kalenderjahr
0,2422 Tage, also etwa einen Vierteltag.
Würde man diese Differenz über einen längeren Zeitraum nicht
ausgleichen, würde sich der Fehler summieren und unser üblicher
Monats- und Jahreszeitenablauf divergieren. Somit könnte nach vielen
Jahren z. B. Weihnachten mitten im Sommer stattfinden.

Wird diese jährliche Abweichung über einen Zeitraum von vier Jahren
betrachtet, so wächst der Fehler auf 0,9688 Tage an. Um diese
Differenz auszugleichen, wird im Vierjahresrhythmus ein Schalttag,
den 29. Februar, angehängt. Dadurch wird der Fehler allerdings noch
nicht ganz behoben, denn auf einen langen Zeitraum gesehen, wäre das
Kalenderjahr im Vergleich zum Sonnenjahr etwas zu lang.

Um nun auch diese deutlich kleinere Abweichung zu korrigieren und
weiter zu minimieren, behilft man sich dreier Regeln um die
Schaltjahre festzulegen:

Die erste Regel besagt, dass zunächst die Jahre Schaltjahre sind, die
durch vier ganzzahlig teilbar sind. Mit der zweiten Regel werden
jedoch wieder einige Jahre ausgeschlossen. Dies sind diejenigen
Jahre, die ein Jahrhundert abschließen (sog. Säkularjahre) und ohne
Rest durch 100 teilbar sind. Somit sind beispielsweise das Jahr 2100,
2200, 2300 usw. keine Schaltjahre.
Da diese zwei Regeln auf lange Sicht immer noch keine
zufriedenstellende Genauigkeit versprechen (einen Tag Abweichung nach
ca. 457 Jahren), gibt es eine dritte Regel:
Bestimmte Jahre, die nach der zweiten Regel ausgeschlossen wurden,
werden wieder herausgenommen. Dabei werden alle Säkularjahre, die
durch 400 ohne Rest teilbar sind, doch wieder zu Schaltjahre. Dies
sind z. B. die Jahre 1600, 2000, 2400 usw.

Durch diese Regeln nähern sich Kalenderjahr und tropisches
Kalenderjahr so weit an, dass das gregorianische Kalenderjahr
jährlich nur noch etwa 27 Sekunden zu kurz ist. Nach dieser Regelung
muss voraussichtlich um das Jahr 4813 ein weiterer Schalttag
eingeführt werden, da sich bis dahin der Fehler wiederum auf einen
Tag aufsummiert hat.

Wieso wird aber nun dieser Schalttag im Februar angehängt?
Der heutige gregorianische Kalender beruht auf dem julianischen
Kalender, der wiederum auf dem alten römischen Kalender beruht. Im
römischen Kalender war bis zum Jahre 153 v. Chr. der Februarius der
letzte Monat, was ihn dazu prädestinierte, bei Bedarf einen Schalttag
anzuhängen. Auch nach der darauffolgenden Änderung des Jahresanfangs
auf den 1. Januar wurde diese Regelung bis heute beibehalten.

M.Sc.-Met. Andreas Würtz
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 25.02.2016

Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

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