SXDL33 DWAV 1030UTC DWD Synoptische Uebersicht MITTELFRIST

S Y N O P T I S C H E Ü B E R S I C H T M I T T E L F R I S T
ausgegeben am Freitag, den 25.09.2015 um 10.30 UTC



Bei herbstlicher Hochdrucklage meist ruhiges und oft sonniges Wetter,
Temperaturen der Jahreszeit entsprechend.
Nur zu den Alpen hin mehr Wolken und recht kühl.
__________________________________________________________

Synoptische Entwicklung bis zum Freitag, den 02.10.2015


Nach wie vor simuliert auch der neueste EZMW-Lauf im Mittelfrustraum eine zähe
Antizyklone über dem nördlichen Mitteleuropa, die sich schließlich über die
Nordsee westwärts zu den Britischen Inseln erstreckt und sich über die Ostsee
zum Baltikum und nach Polen ausdehnt und so eine langgestreckte zonale
Hochdruckzone bildet. Die dabei in der bodennah nordöstlichen bis östlichen
Strömung einsetzende KLA wird dabei in große Teilen Deutschlands durch die
verstärke Einstrahlung tagsüber weitgehend kompensiert. Das Sonnenscheinangebot
liegt mit Ausnahm der Küste(gewisse Neigung zu Nebel oder Hochnebel) und der
alpennahen Regionen meist deutlich über 50%.

In der Höhe steht einem ausgeprägten Höhenhoch über der Nordsee mit
kontinuierlicher und langsamer Schwerpunktverlagerung nach Westen ein
langgestreckter Höhentrog über Osteuropa entgegen, aus dem bereits am Dienstag
ein erstes kleines Höhentief zu den Alpen und nach Oberitalien abtropft. Zur
Wochenmitte erfolgt ein neuer CUT OFF über Polen südwestwärts über die Alpen,
Oberitalien und Südfrankreich zur Iberischen Halbinsel.
Der zyklonale Einfluss bzw. die Höhenkaltluft greift dabei vor allem am
Mittwoch/Donnerstag nach Süddeutschland nordwärts aus, was sich aber im
Wesentlichen nur in etwas niedrigeren Temperaturen manifestiert, eventuelle
Niederschläge betreffen allenfalls den Alpenrand.
Der Küstenbereich könnte am Freitag von der Kaltfrontbewölkung eines
Eismeertiefs gestreift werden.
Während meist Höchsttemperaturen zwischen 15 und 19 Grad erreicht werden,
bewirken die angesprochenen Kaltlufttropfen in Verbindung mit einem höheren
Wolkenanteil im Süden Deutschlands eine Abkühlung auf Maxima um 14 Grad.
Vor allem im Süden muss nachts örtlich mit Bodenfrost gerechnet werden.
__________________________________________________________

Bewertung der Konsistenz des operationellen Laufs


Die letzten 4 EZMW-Läufe manifestieren zwar die antizyklonale Dominanz über dem
größten Teil Deutschlands. O.a. Abtropfungen bzw. CUT OFFs werden dabei aber von
Lauf zu Lauf leicht inkonsistent behandelt. Der zyklonale Einfluss reicht nun
nach vorübergehend zurückhaltender Version des 12 UTC-Laufs im neusten 00 UTC-
Lauf besonders Mittwoch/Donnerstag wieder weiter nordwärts-Je nach
Abtropfszenario ist der Süden mal mehr, mal weniger im kalten zyklonalen
Einfluss der Höhentiefpassagen.
__________________________________________________________

Vergleich mit anderen globalen Modellen


Die anderen vorliegenden Modelle simulieren die persistente Hochdruckzone und
die südwestwärts gerichteten Abtropfprozesse aus dem osteuropäischen
Langwellentrog leider recht unterschiedlich.
Während schon bei ICON der Schwerpunkt der Antizyklone etwas weiter im Norden
liegt, und die CUT-OFF Tiefs vergleichsweise stärker den Südosten und Süden
Deutschlands beeinflussen, weißt GFS eine gänzliche abweichende Verteilung und
Entwicklung auf:
Nach GFS liegt die sich zonal aufbauende kräftige zonale Hochdruckzone über
Nordeuropa, an dessen Südflanke ein markantes CUT-OFF Tief am Mittwoch und
Donnerstag dann über Norddeutschland westwärts läuft, im Kernbereich mit
Temperaturen von -4°C in 850 hPa und Niederschlägen im Norden.

Aufgrund dieser Modellunterschiede sind die Vorhersagen bezüglich eventueller
Niederschläge und besonders hinsichtlich des Temperaturregimes als recht
unsicher einzustufen.
Allerdings fällt die "EXTREMLÖSUNG" des GFS aus dem Rahmen, da auch NAVGEM wie
auch GEM sich eher an ICON und EZMW anlehnen, dabei die antizyklonale Dominanz
betonen, mit gewissem zyklonalen Touch im Süden und Südosten und einem
Nordwest-Südost gerichteten Temperaturgefälle!
__________________________________________________________

Bewertung der Ensemblevorhersagen


Die EPS-EZMW Rauchfahnen laufen bereits Dienstag/Mittwoch bezüglich der
Temperatur- und Geopotentialkurven von einem anfangs relativ engen Spektrum in
eine sich weit aufspreizende Bandbreite mit unterschiedlichen Ästen.
Der deterministische HRES-Lauf des EZMW liegt dabei Dienstag bis Donnerstag am
unteren Rand des Spektrums, während gleichzeitig deutlich wärmere Äste in
Erscheinung treten.
Die südlichen Stationen Deutschlands liegen Dienstag/Mittwoch in einer Talsohle
der Temperaturkurven, die dort anschließend wieder einen leichten Aufwärtstrend
zeigen. Die Mittelfrist-Periode zeichnet sich durch eine ausgesprochene
"Niederschlagsarmut" aus, geringe Niederschlagssignale sind Dienstag bis
Donnerstag in Alpennähe erkennbar, Freitag an der küste.

Die NEW-CLUSTERs 120-168 h werden in 4 Gruppen eingeteilt, wobei sich am ehesten
ein mittleres Szenario darstellt, bei der der Süden und Südosten Deutschlands
von dem Kaltlufttropfen gestreift wird, während die übrigen Gebiete unter
antizklonalem Einfluss liegen, aufgrund der Absinkerwärmung liegen die höchsten
850-Temperatren dabei im Norden und Nordwesten.

Die Großwetterlagenklassifikation nach "PAUL JAMES" bewertet Montag bis Mittwoch
"NEa" als dominierende Lage, dann abgelöst durch "HB".


Die ENS-Ensembles des GFS weisen aufgrund der vermutlich ausgeprägten Affinität
zum deterministischen Lauf deutlich abweichende Spektren auf:
Dort laufen die Temperaturkurven zu Beginn des Mittefristzeitraums zunächst
allgemein auf einem niedrigen Niveau mit ca. 2-4 K unter dem klimatologischen
Mittelwert, um dann zum Wochenende hin langsam auf den klimatologischen
Mittelwert anzusteigen.
Zudem treten hier von Mittwoch bis Freitag meist deutliche Niederschlagssignale
auf.

Festzuhalten bleibt, dass die ENS-GFS und des EPS-EZMW deutlich unterschiedliche
Szenarien produzieren, was zum einen di die Unsicherheit der mittelfristigen
Wetterentwicklung ausmacht.
Auf der anderen Seite ist festzustellen, dass GFS aus dem Rahmen der von den
anderen vorliegenden operationellen Modellen vorgegebenen Entwicklungsmuster
herausfällt, und somit die vom GFS erzeugten "ensembles" nicht überbewertet
werden sollten.
_________________________________________________________

Wahrscheinlichkeiten für signifikante Wettererscheinungen


COSMO-LEPS liefert für die südwestdeutschen Mittelgebirge Dienstag und Mittwoch
recht hohe Wahrscheinlichkeiten für das Auftreten stürmischer Böen. Ein
ähnliches Bild ergibt sich auch nach der EPS-EZMW-Statistik.
Diese Risiken wurden in der Wochenvorhersage der Wettergefahren erwähnt.
Auch EFI zeigt für die angesprochenen Gebiete mit einem FAKTOR 0.7 diesbezüglich
verwertbare Signale.
________________________________________________________

Basis für Mittelfristvorhersage
MOS-MIX, EPS-EZMW
________________________________________________________


VBZ Offenbach / Dipl. Met. Michel Goethel