SXDL31 DWAV 1800UTC DWD Synoptische Uebersicht KURZFRIST

SXEU31 DWAV 251800
S Y N O P T I S C H E Ü B E R S I C H T K U R Z F R I S T
ausgegeben am Mittwoch, den 25.11.2015 um 18 UTC


Markante Wettererscheinungen:
Im Süden noch andauernde Schneefälle, sonst zunehmender Hochdruckeinfluss

Synoptische Entwicklung bis Samstag 12 UTC
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Aktuell ... liegt Deutschland unter einem Trog, der sich von Südskandinavien bis
nach Korsika erstreckt und dabei in seinem südlichen Teil aktuell schon
deutliche Abtropftendenzen zeigt. Bis zum Morgen hat sich über Oberitalien und
Korsika dann ein deutlich erkennbares separates Höhentief gebildet. Der Trog ist
im 500 hPa-Niveau mit Kaltluft unter -30 Grad gefüllt, was eine entsprechend
labile Schichtung und auch einzelne kurze Gewitter zur Folge hat, deren
Wahrscheinlichkeit aber mit der abendlichen und nächtlichen Abkühlung abnimmt.
Da der Trog nur noch eine sehr geringe Wellenlänge hat, nähert sich von Westen
schon ein neuer Rücken. Auf dessen Vorderseite weist die Strömung zwar noch
keine merklich antizyklonale Krümmung auf, aber durch den Abtropfprozess und den
sich nähernden Rücken steigt das Geopotential, was im Bodendruckfeld auch für
ein Ansteigen des Druckes sorgt. Bis zum Morgen bildet sich auf diese Weise eine
Hochdruckbrücke aus, die von Frankreich her über die Mitte Deutschlands bis weit
nach Russland verläuft. Trotz des steigenden Luftdrucks kommt es noch zu
Niederschlägen, die oberhalb von etwa 600 Meter als Schnee fallen. Als
Schwerpunkt der Niederschläge sehen die Modelle die Süd- bis Südwestschiene mit
dem Schwarzwald und dem Alpenrand vom Allgäu ins Werdenfelser Land. GFS sieht
nur recht geringe Mengen im Schwarzwald, aber auch in den westlichen
Mittelgebirgen, wo die deutschen Modelle wie auch EZMW durchaus einen zweiten,
allerdings schwächer ausgeprägten Niederschlagsschwerpunkt sehen. Die dort
fallenden geringen Mengen werden
allerdings nicht mit einer Schneefallwarnung, sondern nur mit einer
Glättewarnung belegt werden. Im Gegensatz zu den im Süden fallenden 5, lokal
auch 10 cm, wo entsprechende Warnungen schon aktiv sind. Ausgangs der Nacht wird
im Norden, wo der Gradient zunehmend auffächert und keine Niederschläge fallen,
Nebel wieder ein Thema.

Donnerstag ... nimmt der Abtropfprozess immer deutlichere Formen an, zum Abend
ist ein großräumiges abgeschlossenes Höhentief über dem Tyrrhenischen Meer zu
erkennen. Es korrespondiert mit einem ebenfalls in diesem Seegebiet liegenden
Tief, das mit einem Kerndruck von unter 990 hPa recht kräftig ausgeprägt ist und
im Bereich Süditalien/südliche Adria kräftige Regenfälle bringt. Zwischen diesem
hoch reichenden Tief und einem Tiefkomplex über Skandinavien und dem Nordmeer
stärkt sich über Deutschland die Hochdruckbrücke, was einerseits sicherlich
kompensatorischem Absinken, andererseits aber auch dem sich nähernden Trog
geschuldet ist, dessen Achse zum Abend von England nach Südschweden gerichtet
ist. Dabei herrscht in weiten Teilen Deutschlands Absinken vor, was weitere
Niederschläge weitgehend unterdrückt. Weitgehend heißt dabei, dass es an den
Alpen durchaus noch etwas länger schneien kann, da dort die bodennahe Strömung
auf nördliche bis nordöstliche Richtungen dreht und somit eine deutliche
Staukomponente zu erkennen ist. Anfangs sind auch in der gesamten Südhälfte noch
einzelne kurzer Schauer möglich. Im Norden weht der Wind dagegen an der
Nordostflanke des Azorenhochs bzw. im Bereich der Hochdruckbrücke meist aus West
bis Nordwest. Die Modelle simulieren dabei zwar Aufheiterungen, es wird sich
aber noch zeigen, ob hereindriftender tiefer Stratus (die Schicht in 800 hPa
simulieren die Modelle durchaus feucht) nicht doch für einen trüben,
hochnebligen Wettercharakter sorgt. Bezüglich der zu erwartenden Niederschläge
legt GFS im Werdenfelser und Berchtesgadener Land mit lokal über 5 mm in 12
Stunden einen forschen Auftritt hin. In den Deutschen Modellen lassen sich mit
Mühe und Not ein paar Alpenrandregionen mit über 3 mm ausmachen, EZMW ist
ähnlich zurückhaltend, allesamt sehen sie aber die Schneefallgrenze bei 600 bis
800 Meter. In der Gesamtschau macht das lokal nochmals um 5 cm Neuschnee in
Staulagen, die im Allgäu, im Werdenfelser Land und im Berchtesgadener Land
zusammen kommen können.

In der Nacht zu Freitag ist keine durchgreifende Änderung der synoptischen
Situation zu erwarten. Der Rücken schiebt sich etwas nach Südosten vor, was ein
Übergreifen seiner Achse auf den äußersten Norden ebenso bedeutet wie eine
weitere Stärkung der Hochdruckbrücke. Damit schiebt sich auch ein schmales,
schwach ausgeprägtes Feuchteband in den Nordwesten, das aller Voraussicht nach
aber keinen Regen bringt (Einigkeit unter den Modellen). Im Süden schwächen sich
die Niederschläge an den Alpen weiter ab. Während GFS und COSMO-EU nochmals bis
zu 3 mm in 12 Stunden errechnen, sehen die anderen Modelle dieser Situation
etwas weniger Niederschlag. Das ergibt dann im gemischten Modell-MIX die
Erwartung, dass die schneegewöhnten südlichen Oberbayern und Oberschwaben von
den Schneemengen kaum mehr Notiz nehmen werden. Mit der zunehmenden
Wetterberuhigung wird Nebel wieder ein Thema, verbreitet muss in der zweiten
Nachthälfte mit entsprechenden Sichtbehinderungen gerechnet werden. Der Wind
spielt kaum eine Rolle, er bleibt schwach aus unterschiedlichen Richtungen und
frischt nur an der Nordsee mal mit 6er bis 7er Böen aus Südwest bis West auf.
Dabei liegen die Tiefstwerte im Norden meist über, im Süden meist unter null
Grad.

Freitag ... wird die Hochdruckbrücke weiter nach Süden bzw. Südosten abgedrängt.
Dies liegt an dem Höhenrücken, der ebenfalls weiter nach Südosten schwenkt,
dabei aber deutlich an Kontur verliert. Zum Abend ist er nur noch als
antizyklonale Krümmung im Geopotentialfeld über der Ostsee, dem Baltikum und
Westrussland zu erkennen. Von Westen nähert sich dagegen schon ein neuer Trog,
der in der Nacht zu Samstag auf den Westen übergreift. Das vorlaufende, in einem
markanten Bodentrog eingebettete Frontensystem erreicht bis zum Morgen schon die
Mitte unseres Landes. Sie steht mit einem Tief in Verbindung, das seinen Kern
über dem Nordmeer hat. Im Zuge des Übergreifens von Front und Trog verschärft
sich der Gradient schon im Laufe des Tages, so dass dann mit ersten starken oder
stürmischen Böen an der Nordsee zu rechnen ist, in der Nacht treten dort dann
auch Sturmböen, im Binnenland starke Böen auf. Während der Tag zwar im
Nordwesten mit zunehmenden Wolken, aber weitestgehend trocken über die Bühne
geht, greift in der Nacht Regen bis in die Mitte aus, der später in den
Hochlagen besagter Mitte in Schnee übergeht. Diese "Mitte" sehen die Deutschen
Modelle und GFS auch in Bayern und Thüringen, nach EZMW greifen die
Niederschläge zögerlicher nach Osten aus. Nach Südosten und Süden, wo sich ein
schwacher Rücken über den Westalpen bemerkbar macht, ist es trocken mit
Wolkenlücken und meist leichtem bis mäßigem Frost (während der Nordwesten oft
frostfrei bleibt). Dabei kann es zu Nebel kommen, in den nordwestlichen
Mittelgebirgen durch aufliegende Wolken, weiter im Süden durch Aufklaren und
entsprechende Auskühlung. Dort ist dann auch mit Glätte zu rechnen.

Samstag ... greift nach sehr kurzem und schwachem antizyklonalem Einfluss vom
Ostatlantik kommend ein breiter Trog auf Mitteleuropa über. Das dem Trog
vorgelagerte Frontensystem überquert bis zum Morgen nahezu das gesamte
Vorhersagegebiet. Während in tieferen Lagen die Niederschläge alsbald in die
flüssige Phase übergehen bzw. (was vor allem im Nordwesten und Westen der Fall
ist) von Beginn an als Regen fallen, liegt in den Mittelgebirgen die
Schneefallgrenze bei etwa 600 Metern. Mit Passage der Front erfolgt ein
Luftmassenwechsel und somit eine Milderung. Leichter Dauerfrost bleibt auf die
Kammlagen der östlichen Mittelgebirge beschränkt. Postfrontal frischt zudem der
Wind auf, so dass an der Nordseeküste und auf höheren Berggipfeln Sturmböen
auftreten können.


Modellvergleich und -einschätzung
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Die Modelle sehen keine grundsätzlich unterschiedlichen Entwicklungen in den
kommenden Tagen. Entsprechend beschränken sich die Modellunterschiede auf
Details, wobei insbesondere die Niederschlagsverteilung zu nennen wäre. Hier
wurden im Text die relevanten Unterschiede schon erläutert.


Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach
Dipl. Met. Martin Jonas

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