SXDL33 DWAV 1030UTC DWD Synoptische Uebersicht MITTELFRIST
S Y N O P T I S C H E Ü B E R S I C H T M I T T E L F R I S T
ausgegeben am Mittwoch, den 25.12.2013 um 10.30 UTC
Fortdauer der West-Südwestlage mit wechselhafter und relativ milder Witterung.
__________________________________________________________
Synoptische Entwicklung bis zum Mittwoch, den 01.01.2014
Zwar ist das Weihnachtsfest als solches immer mal wieder für Überraschungen gut, was aber
offensichtlich - soviel vorab - nicht für die mittelfristige Wetterentwicklung gilt. So
dauert auch nach den Berechnungen des neuesten ECMF-Laufs von heute, 00 UTC, die
West-Südwestwetterlage über den Jahreswechsel hinaus an, was einmal mehr eindrucksvoll
unterstreicht, welch hohes Persistenzvermögen die Atmosphäre besitzt.
Im Einzelnen stellt sich das Modell die mittelfristige Entwicklung ab dem kommenden
Wochenende wie folgt vor:
Am Samstag befinden sich Mitteleuropa respektive Deutschland auf der Vorderseite eines
Höhentroges über dem nahen Ostatlantik. Dabei verläuft die Frontalzone von Südwest nach
Nordost genau über den Vorhersageraum hinweg.
Eingebettet in den Trog ist ein hochreichendes Sturmtief, das seinen Entwicklungshöhepunkt
bereits überschritten hat und nun unter Abschwächung etwa von den Shetlands (00 UTC) zur
Norwegischen See zieht. Die zugehörige, zur Wellenbildung neigende Kaltfront passiert
Deutschland im Tagesverlauf mit Regenfällen (gebietsweise kräftig) langsam ostwärts. Nach
Süden hin hängt die Front im Zuge einer angedeuteten Randtiefentwicklung über dem
westlichen Mittelmeer etwas zurück, außerdem rückt der Höhentrog insbesondere in seinem
Südteil nur zögernd nach. Tatsache ist, dass mit Frontpassage der zuvor besonders im
Norden und Westen recht flotte, im Bergland auch stürmische Süd- bis Südwestwind nachlässt
und in den Alpen der zuvor wieder auflebende Föhn (der aktuelle Föhn wird ja am Donnerstag
vorübergehend gekappt) zusammenbricht.
Postfrontal strömt ein Schwall erwärmter Meeresluft subpolaren Ursprungs heran, in der die
850-hPa-Temperatur auf etwa unter 0°C zurückgeht. Dabei sinkt die Schneefallgrenze von
Westen her auf unter 1000 m, allerdings fällt postfrontal nicht mehr allzu viel
Niederschlag (am ehesten bekommt noch der Hochschwarzwald etwas mehr Schnee ab).
Interessant könnt es in der Nacht zum Sonntag allerdings für den Alpenrand werden, wo es
bis in die Täler zumindest nass schneien könnte und in höheren Lagen einige Zenzimeter
Neuschnee (Größenordnung vielleicht 5 bis 15 cm) zusammenkommen könnten.
Am Sonntag erreicht der Höhentrog unter beginnender Verkürzung seiner Wellenlänge
(kräftige WLA über dem nahen Ostatlantik sorgt für die Aufwölbung eines Höhenrückens, der
sich zusehends in die Trogrückseite "hineinbohrt") das westliche Mitteleuropa und somit
auch Deutschland. Die wellende Kaltfront zieht nach Osten ab und bei schwacher bis mäßiger
südwestlicher Grundströmung bestimmt erwärmte Meereskaltluft das Geschehen. Dabei kommt es
bei wechselnder bis starker Bewölkung zu schauerartigen Niederschlägen in Form von Regen
oder Graupel, im Bergland oberhalb etwa 600-700 m als Schnee.
Am Montag zieht der Höhentrog, der inzwischen nur noch ein kurzwelliges Residuum
darstellt, Richtung Polen und Baltikum ab. In seinem Südteil tropft er wahrscheinlich im
Bereich des zentralen Mittelmeeres ab, was für die hiesige Entwicklung aber nicht von
Belang ist. Bei uns setzt sich unter Regie des bereits angesprochenen kurzwelligen
Höhenrückens Zwischenhocheinfluss durch.
Über dem Seegebiet west-südwestlich von Island hat sich aber bereits ein neues Sturmtief
etabliert (Kerndruck etwa bei 960-965 hPa), dessen Frontensystem unter Bildung mehrerer
Teiltiefs weit nach Osten ausgreift. Vorderseitige WLA induziert Regenfälle, die noch im
Laufe des Montags auf den Nordwesten des Landes übergreifen. Dabei frischt der südliche
bis südwestliche Wind im Norden und Westen auf.
In der Nacht sowie am Dienstag überquert die Front (es handelt sich um eine thermisch nur
schwach ausgeprägte, teilokkludierte Kaltfront) den Vorhersageraum unter Abschwächung
ostwärts. Rückseitig kann sich aber kaum Zwischenhocheinfluss durchsetzen, weil bereits
die nächste Front ante portas steht, die spätestens in der Nacht zum Mittwoch
(Silvesternacht) von Benelux und Frankreich her die westlichen Landesteile erfasst und
dort für zeitweiligen Regen sorgt. Diese Okklusion gehört zu einem weiteren Tief, das sich
bereits am Montag als Randtief südlich des o.e. Sturmtiefs bildet und am Dienstag unter
Intensivierung gen Schottland zieht.
Am Mittwoch (Neujahr) überquert auch diese Luftmassengrenze unseren Raum unter
Abschwächung ostwärts (mangels dynamischer Unterstützung kommt im Süden und Südosten
wahrscheinlich kein Niederschlag an). Von Westen her folgen aber weitere Randtröge, die
Fortdauer der zyklonalen Witterung bleibt evident. Dabei soll sich im Lauf des Donnerstags
über Frankreich ein Randtief entwickeln, das im weiteren Verlauf südlich der Alpen
Richtung Balkan zieht. Rückseitig wird dabei vorübergehend etwas kältere Meeresluft
angezapft, in der die 850-hPa-Temperatur im Laufe des Freitags bis auf -4 oder -5°C sinken
soll. Immerhin, mal abgesehen davon, dass wir uns bereits weit im erweiterten
Mittelfristzeitraum befinden, in dem auch die Vorhersagen noch so renommierter Modelle mit
der üblichen Skepsis beäugt werden sollten. Wir werden sehen...
__________________________________________________________
Bewertung der Konsistenz des operationellen Laufs
Der aktuelle ECMF-Lauf fügt sich nahtlos in die Vorhersagephilosophie seiner zahlreichen
Vorgänger ein, kurzum, etwas anderes als die Fortdauer der West-Südwestwetterlage wird
auch in dieser Version nicht angeboten. Dass gerade bei Westwetterlagen von Lauf zu Lauf
Timingunterschiede auftreten, aber auch einzelne Tiefs - vor allem Randtiefs - immer mal
etwas anders behandelt werden, liegt in der Natur der Sache. An der guten Modellkonsistenz
ändert das ebenso wenig wie am globalen Trend der Wetterentwicklung.
__________________________________________________________
Vergleich mit anderen globalen Modellen
Diese Aussagen lassen sich ohne Einschränkungen auch auf den Vergleich der verschiedenen
Globalmodelle übertragen. Sie alle zeigen wiederholt Frontpassagen im Wechsel mit kurzen
Zwischenhochs, milde (wenn auch nicht mehr ganz so mild wie aktuell) Vorderseiten im
Wechsel mit moderaten und nicht wirklich kalten Rückseiten - so der Tenor aller
einschlägig bekannten Globalmodelle, wenn auch nicht zu 100% kongruent.
__________________________________________________________
Bewertung der Ensemblevorhersagen
Sowohl für den Zeitraum T+120...168h als auch für T+192...240h bietet ECMF-EPS jeweils drei
Cluster an. Für den ersten Zeitraum ist Cluster 1 mit 29 Fällen (plus Kontrolllauf),
Cluster 2 mit 12 Fällen (plus Hauptlauf) belegt. Beide zeigen für unseren Raum eine
weitgehend zyklonal geprägte Südwestlage, wobei in Cluster 2 der Höhentrog stärker
ausgeprägt ist. Cluster 3 (10 Fälle) unterscheidet sich insofern von den anderen beiden,
als dass sowohl das steuernde Bodentief als auch der Höhentrog etwas weiter westlich
positioniert sind, was bei uns antizyklonalere Strömungsverhältnisse und somit auch einen
weniger zyklonal geprägten Jahreswechsel zur Folge hätte.
In der erweiterten Mittelfrist sind die drei Cluster mit 20, 16 und 15 Fällen besetzt.
Cluster 1 sieht dabei eine SW-Lage vorderseitig eines Höhentroges über dem nahen
Ostatlantik. Cluster 2 (plus Haupt- und Kontrolllauf) favorisiert eher eine Westlage mit
kurzwelligen Anteilen, während Cluster 3 den Vorhersageraum unter einem quasistationären,
relativ schwach ausgeprägten, dafür aber weit nach Süden reichenden Höhentrog sieht. Alle
drei Cluster stehen für relativ wechselhafte und nicht gerade kalte Szenarien.
Das wir auch deutlich, wenn man sich die Rauchfahne von Offenbach anschaut. Diese
präsentiert sich bis zum Beginn der neuen Woche sowohl bei T850 als auch bei Pot500 sehr
homogen mit geringem Spread. Danach fächern die Kurven etwas auf, wobei aber richtig kalte
Lösungen nicht auftauchen. Sehr gut ist zu erkennen, dass nach dem "thermischen Minimum"
am Donnerstag ein nochmaliger Anstieg erfolgt (Freitag/Samstag), bevor sich nach einem
zweiten Minimum am Sonntag ein moderateres, allerdings mitnichten niedriges
Temperaturniveau einstellt. Diese Aussage trifft übrigens im Kern auch auf die Kurven von
GFS-EPS zu, die im Laufe der ersten Januardekade aber doch einige Lösungen mit
850-hPa-Temperaturen zwischen -5 und -10°C (Referenz Frankfurt/Main) im Angebot haben.
_________________________________________________________
Wahrscheinlichkeiten für signifikante Wettererscheinungen
Besonders für den kommenden Freitag, anfangs auch noch für Samstag, signalisieren sowohl
die deterministischen Modelle als auch die verschiedenen probabilistischen
Anschlussverfahren noch mal eine Starkwindlage (Süd bis Südwest), besonders für den Norden
und Westen des Landes. Sturmböen 8 bis 9 Bft treten wahrscheinlich aber nur im
Küstenbereich sowie im Bergland auf. An der Nordsee sowie in exponierten Kammlagen sind
auch schwere Sturmböen 10 Bft, auf dem Brocken Orkanböen bis 12 Bft möglich. Im Laufe des
Samstag lässt der Wind wahrscheinlich schon wieder nach, allerdings baut sich in den Alpen
vorübergehend noch mal eine Föhnsituation auf mit Sturmböen, die evtl. bis in einige Täler
durchbrechen. Auf den Gipfeln sind orkanartige Böen denkbar.
Im weiteren Verlauf spielt der Wind wahrscheinlich nicht mehr die ganz große Rolle, auch
wenn er an der See sowie im Bergland mitunter mal stürmisch auffrischt.
Beim Niederschlag liefert EFI zwar ein paar schwache Hinweise, dass bei der etwas
zögerlich ablaufenden Frontpassage am kommenden Samstag im Westen und Südwesten hier und
da leicht überdurchschnittliche Mengen erreicht werden, andere Verfahren wie COSMO-LEPS
und ECMF-EPS sind da aber verhaltener. Das gilt auch für die meisten deterministischen
Prognosen, lediglich GME rechnet für den Schwarzwald 12-stündige Mengen bis knapp über 30
mm.
An den Folgetagen kommt es zwar immer wieder zu Niederschlägen, deren Intensität sich nach
heutigem Stand aber in Grenzen hält und keine Warnungen erfordert.
________________________________________________________
Basis für Mittelfristvorhersage
MOS-Mix mit ECMF-EPS und den operationellen Modellen.
________________________________________________________
VBZ Offenbach / Dipl. Met. Jens Hoffmann
ausgegeben am Mittwoch, den 25.12.2013 um 10.30 UTC
Fortdauer der West-Südwestlage mit wechselhafter und relativ milder Witterung.
__________________________________________________________
Synoptische Entwicklung bis zum Mittwoch, den 01.01.2014
Zwar ist das Weihnachtsfest als solches immer mal wieder für Überraschungen gut, was aber
offensichtlich - soviel vorab - nicht für die mittelfristige Wetterentwicklung gilt. So
dauert auch nach den Berechnungen des neuesten ECMF-Laufs von heute, 00 UTC, die
West-Südwestwetterlage über den Jahreswechsel hinaus an, was einmal mehr eindrucksvoll
unterstreicht, welch hohes Persistenzvermögen die Atmosphäre besitzt.
Im Einzelnen stellt sich das Modell die mittelfristige Entwicklung ab dem kommenden
Wochenende wie folgt vor:
Am Samstag befinden sich Mitteleuropa respektive Deutschland auf der Vorderseite eines
Höhentroges über dem nahen Ostatlantik. Dabei verläuft die Frontalzone von Südwest nach
Nordost genau über den Vorhersageraum hinweg.
Eingebettet in den Trog ist ein hochreichendes Sturmtief, das seinen Entwicklungshöhepunkt
bereits überschritten hat und nun unter Abschwächung etwa von den Shetlands (00 UTC) zur
Norwegischen See zieht. Die zugehörige, zur Wellenbildung neigende Kaltfront passiert
Deutschland im Tagesverlauf mit Regenfällen (gebietsweise kräftig) langsam ostwärts. Nach
Süden hin hängt die Front im Zuge einer angedeuteten Randtiefentwicklung über dem
westlichen Mittelmeer etwas zurück, außerdem rückt der Höhentrog insbesondere in seinem
Südteil nur zögernd nach. Tatsache ist, dass mit Frontpassage der zuvor besonders im
Norden und Westen recht flotte, im Bergland auch stürmische Süd- bis Südwestwind nachlässt
und in den Alpen der zuvor wieder auflebende Föhn (der aktuelle Föhn wird ja am Donnerstag
vorübergehend gekappt) zusammenbricht.
Postfrontal strömt ein Schwall erwärmter Meeresluft subpolaren Ursprungs heran, in der die
850-hPa-Temperatur auf etwa unter 0°C zurückgeht. Dabei sinkt die Schneefallgrenze von
Westen her auf unter 1000 m, allerdings fällt postfrontal nicht mehr allzu viel
Niederschlag (am ehesten bekommt noch der Hochschwarzwald etwas mehr Schnee ab).
Interessant könnt es in der Nacht zum Sonntag allerdings für den Alpenrand werden, wo es
bis in die Täler zumindest nass schneien könnte und in höheren Lagen einige Zenzimeter
Neuschnee (Größenordnung vielleicht 5 bis 15 cm) zusammenkommen könnten.
Am Sonntag erreicht der Höhentrog unter beginnender Verkürzung seiner Wellenlänge
(kräftige WLA über dem nahen Ostatlantik sorgt für die Aufwölbung eines Höhenrückens, der
sich zusehends in die Trogrückseite "hineinbohrt") das westliche Mitteleuropa und somit
auch Deutschland. Die wellende Kaltfront zieht nach Osten ab und bei schwacher bis mäßiger
südwestlicher Grundströmung bestimmt erwärmte Meereskaltluft das Geschehen. Dabei kommt es
bei wechselnder bis starker Bewölkung zu schauerartigen Niederschlägen in Form von Regen
oder Graupel, im Bergland oberhalb etwa 600-700 m als Schnee.
Am Montag zieht der Höhentrog, der inzwischen nur noch ein kurzwelliges Residuum
darstellt, Richtung Polen und Baltikum ab. In seinem Südteil tropft er wahrscheinlich im
Bereich des zentralen Mittelmeeres ab, was für die hiesige Entwicklung aber nicht von
Belang ist. Bei uns setzt sich unter Regie des bereits angesprochenen kurzwelligen
Höhenrückens Zwischenhocheinfluss durch.
Über dem Seegebiet west-südwestlich von Island hat sich aber bereits ein neues Sturmtief
etabliert (Kerndruck etwa bei 960-965 hPa), dessen Frontensystem unter Bildung mehrerer
Teiltiefs weit nach Osten ausgreift. Vorderseitige WLA induziert Regenfälle, die noch im
Laufe des Montags auf den Nordwesten des Landes übergreifen. Dabei frischt der südliche
bis südwestliche Wind im Norden und Westen auf.
In der Nacht sowie am Dienstag überquert die Front (es handelt sich um eine thermisch nur
schwach ausgeprägte, teilokkludierte Kaltfront) den Vorhersageraum unter Abschwächung
ostwärts. Rückseitig kann sich aber kaum Zwischenhocheinfluss durchsetzen, weil bereits
die nächste Front ante portas steht, die spätestens in der Nacht zum Mittwoch
(Silvesternacht) von Benelux und Frankreich her die westlichen Landesteile erfasst und
dort für zeitweiligen Regen sorgt. Diese Okklusion gehört zu einem weiteren Tief, das sich
bereits am Montag als Randtief südlich des o.e. Sturmtiefs bildet und am Dienstag unter
Intensivierung gen Schottland zieht.
Am Mittwoch (Neujahr) überquert auch diese Luftmassengrenze unseren Raum unter
Abschwächung ostwärts (mangels dynamischer Unterstützung kommt im Süden und Südosten
wahrscheinlich kein Niederschlag an). Von Westen her folgen aber weitere Randtröge, die
Fortdauer der zyklonalen Witterung bleibt evident. Dabei soll sich im Lauf des Donnerstags
über Frankreich ein Randtief entwickeln, das im weiteren Verlauf südlich der Alpen
Richtung Balkan zieht. Rückseitig wird dabei vorübergehend etwas kältere Meeresluft
angezapft, in der die 850-hPa-Temperatur im Laufe des Freitags bis auf -4 oder -5°C sinken
soll. Immerhin, mal abgesehen davon, dass wir uns bereits weit im erweiterten
Mittelfristzeitraum befinden, in dem auch die Vorhersagen noch so renommierter Modelle mit
der üblichen Skepsis beäugt werden sollten. Wir werden sehen...
__________________________________________________________
Bewertung der Konsistenz des operationellen Laufs
Der aktuelle ECMF-Lauf fügt sich nahtlos in die Vorhersagephilosophie seiner zahlreichen
Vorgänger ein, kurzum, etwas anderes als die Fortdauer der West-Südwestwetterlage wird
auch in dieser Version nicht angeboten. Dass gerade bei Westwetterlagen von Lauf zu Lauf
Timingunterschiede auftreten, aber auch einzelne Tiefs - vor allem Randtiefs - immer mal
etwas anders behandelt werden, liegt in der Natur der Sache. An der guten Modellkonsistenz
ändert das ebenso wenig wie am globalen Trend der Wetterentwicklung.
__________________________________________________________
Vergleich mit anderen globalen Modellen
Diese Aussagen lassen sich ohne Einschränkungen auch auf den Vergleich der verschiedenen
Globalmodelle übertragen. Sie alle zeigen wiederholt Frontpassagen im Wechsel mit kurzen
Zwischenhochs, milde (wenn auch nicht mehr ganz so mild wie aktuell) Vorderseiten im
Wechsel mit moderaten und nicht wirklich kalten Rückseiten - so der Tenor aller
einschlägig bekannten Globalmodelle, wenn auch nicht zu 100% kongruent.
__________________________________________________________
Bewertung der Ensemblevorhersagen
Sowohl für den Zeitraum T+120...168h als auch für T+192...240h bietet ECMF-EPS jeweils drei
Cluster an. Für den ersten Zeitraum ist Cluster 1 mit 29 Fällen (plus Kontrolllauf),
Cluster 2 mit 12 Fällen (plus Hauptlauf) belegt. Beide zeigen für unseren Raum eine
weitgehend zyklonal geprägte Südwestlage, wobei in Cluster 2 der Höhentrog stärker
ausgeprägt ist. Cluster 3 (10 Fälle) unterscheidet sich insofern von den anderen beiden,
als dass sowohl das steuernde Bodentief als auch der Höhentrog etwas weiter westlich
positioniert sind, was bei uns antizyklonalere Strömungsverhältnisse und somit auch einen
weniger zyklonal geprägten Jahreswechsel zur Folge hätte.
In der erweiterten Mittelfrist sind die drei Cluster mit 20, 16 und 15 Fällen besetzt.
Cluster 1 sieht dabei eine SW-Lage vorderseitig eines Höhentroges über dem nahen
Ostatlantik. Cluster 2 (plus Haupt- und Kontrolllauf) favorisiert eher eine Westlage mit
kurzwelligen Anteilen, während Cluster 3 den Vorhersageraum unter einem quasistationären,
relativ schwach ausgeprägten, dafür aber weit nach Süden reichenden Höhentrog sieht. Alle
drei Cluster stehen für relativ wechselhafte und nicht gerade kalte Szenarien.
Das wir auch deutlich, wenn man sich die Rauchfahne von Offenbach anschaut. Diese
präsentiert sich bis zum Beginn der neuen Woche sowohl bei T850 als auch bei Pot500 sehr
homogen mit geringem Spread. Danach fächern die Kurven etwas auf, wobei aber richtig kalte
Lösungen nicht auftauchen. Sehr gut ist zu erkennen, dass nach dem "thermischen Minimum"
am Donnerstag ein nochmaliger Anstieg erfolgt (Freitag/Samstag), bevor sich nach einem
zweiten Minimum am Sonntag ein moderateres, allerdings mitnichten niedriges
Temperaturniveau einstellt. Diese Aussage trifft übrigens im Kern auch auf die Kurven von
GFS-EPS zu, die im Laufe der ersten Januardekade aber doch einige Lösungen mit
850-hPa-Temperaturen zwischen -5 und -10°C (Referenz Frankfurt/Main) im Angebot haben.
_________________________________________________________
Wahrscheinlichkeiten für signifikante Wettererscheinungen
Besonders für den kommenden Freitag, anfangs auch noch für Samstag, signalisieren sowohl
die deterministischen Modelle als auch die verschiedenen probabilistischen
Anschlussverfahren noch mal eine Starkwindlage (Süd bis Südwest), besonders für den Norden
und Westen des Landes. Sturmböen 8 bis 9 Bft treten wahrscheinlich aber nur im
Küstenbereich sowie im Bergland auf. An der Nordsee sowie in exponierten Kammlagen sind
auch schwere Sturmböen 10 Bft, auf dem Brocken Orkanböen bis 12 Bft möglich. Im Laufe des
Samstag lässt der Wind wahrscheinlich schon wieder nach, allerdings baut sich in den Alpen
vorübergehend noch mal eine Föhnsituation auf mit Sturmböen, die evtl. bis in einige Täler
durchbrechen. Auf den Gipfeln sind orkanartige Böen denkbar.
Im weiteren Verlauf spielt der Wind wahrscheinlich nicht mehr die ganz große Rolle, auch
wenn er an der See sowie im Bergland mitunter mal stürmisch auffrischt.
Beim Niederschlag liefert EFI zwar ein paar schwache Hinweise, dass bei der etwas
zögerlich ablaufenden Frontpassage am kommenden Samstag im Westen und Südwesten hier und
da leicht überdurchschnittliche Mengen erreicht werden, andere Verfahren wie COSMO-LEPS
und ECMF-EPS sind da aber verhaltener. Das gilt auch für die meisten deterministischen
Prognosen, lediglich GME rechnet für den Schwarzwald 12-stündige Mengen bis knapp über 30
mm.
An den Folgetagen kommt es zwar immer wieder zu Niederschlägen, deren Intensität sich nach
heutigem Stand aber in Grenzen hält und keine Warnungen erfordert.
________________________________________________________
Basis für Mittelfristvorhersage
MOS-Mix mit ECMF-EPS und den operationellen Modellen.
________________________________________________________
VBZ Offenbach / Dipl. Met. Jens Hoffmann