SXDL31 DWAV 1800UTC DWD Synoptische Uebersicht KURZFRIST

SXEU31 DWAV 261800
S Y N O P T I S C H E Ü B E R S I C H T K U R Z F R I S T
ausgegeben am Donnerstag, den 26.12.2013 um 18 UTC


Markante Wettererscheinungen:
Im süddeutschen Bergland Schneefall, vor allem im Allgäu. Freitag kräftig auffrischender
Wind mit teils schweren Sturmböen an der Nordsee und im Bergland.

Synoptische Entwicklung bis Sonntag 12 UTC
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Aktuell ... befindet sich Deutschland noch auf der Vorderseite eines Höhentroges, dessen
Achse sich aktuell über Benelux befindet und in der kommenden Nacht ostwärts über das
Vorhersagegebiet hinweg zieht. Dabei ist es über Oberitalien zu einem Cut-Off- Prozess
gekommen, der inzwischen abgeschlossen ist. Das zugehörige Bodentief über dem Golf von
Genua wies zeitweise eine geschlossene 985 hPa- Kernisobare auf, hat inzwischen aber
seinen Höhepunkt überschritten, füllt sich im Laufe der Nacht zögernd auf und verlagert
sich langsam südostwärts.
Ausgehend von diesem Tief verläuft ein Frontensystem quer über die Osthälfte Deutschlands
und verlagert sich im Laufe der Nacht weiter ostwärts. Der Föhn im Bayerischen Alpenraum
ist inzwischen zusammengebrochen und bodennah hat sich die etwas kühlere Meeresluft
subpolaren Ursprungs inzwischen nahezu überall durchgesetzt.
Die an den Frontenzug gekoppelten Niederschläge weisen Anafront-Charakter auf, d.h. sie
fallen ausschließlich auf der kalten Seite bzw. westlich des Frontensystems. Im Großen und
Ganzen bleiben die Mengen unterhalb der Warnschwellen für Dauerregen. Lediglich im
Südwesten kam es, WLA- induziert auf der Nordflanke der Genuazyklone, zu stärkeren
Hebungsprozessen und entsprechend zu intensiveren Regenfällen, so dass in Staulagen des
Schwarzwaldes und am Hochrhein vereinzelt die Warnschwellen für Dauerregen angekratzt
wurden. Inzwischen "entspannt" sich die Situation aber allmählich wieder, da sowohl die
Niederschläge nachlassen als auch die Schneefallgrenze noch etwas weiter sinkt.
Mit Advektion kühlerer Meeresluft dürfte sie sich bei Temperaturen im 850 hPa- Niveau um
-3 Grad auf etwa 400 bis 700 m einpendeln, d.h., im Laufe der Nacht schneit es bis in die
meisten Alpentäler und auch bis ins angrenzende Alpenvorland.
COSMO_EU simuliert am Alpenrand zwölfstündige Mengen zwischen 5 und 15 mm, im westlichen
Allgäu auch darüber. Somit dürften dort dann bis Freitagfrüh etwa 5 bis 10 cm Neuschnee
fallen, in Staulagen auch bis 20 cm (Oberallgäu) Neuschnee fallen.
Auch im Schwarzwald schneit es oberhalb von etwa 600 bis 800 m aktuell noch recht kräftig.
Mit Ostverlagerung des Frontensystems klingen die Niederschläge dort aber im Laufe der
zweiten Nachthälfte rasch ab, so dass noch kaum mehr als 5 cm, in Staulagen vielleicht um
die 10 cm Neuschnee zusammenkommen.
Im restlichen (östlichen) Bergland kann es zwar ebenfalls oberhalb von 600 m etwas
schneien, allerdings bleiben die Mengen meist unter 5 cm.
Rückseitig des Frontensystems schwenkt, vorderseitig eines Höhenrückens über der Nordsee,
auch ein Bodenhochkeil über Deutschland hinweg ostwärts. Somit können vor allem in der
Westhälfte die Wolken auch mal auflockern. Allerdings bildet sich dann in der feuchten
Luftmasse wieder gebietsweise Nebel. Dort, wo es länger aufgelockert bewölkt bleibt und im
Bergland sinkt die Temperatur gebietsweise in den leichten Frostbereich, so dass örtlich
Glätte durch überfrorene Nässe auftritt.

Freitag ... zieht das abgetropfte Höhentief über Italien rasch weiter südostwärts und
befindet sich abends bereits über dem Ionischen Meer. Der nachfolgende Höhenrücken
schwenkt bereits am Vormittag rasch über Deutschland hinweg ostsüdostwärts. Somit gelangt
das Vorhersagegebiet rasch auf die Vorderseite eines umfangreichen Höhentroges über dem
nahen Ostatlantik. Im Bodendruckfeld konnte sich vorderseitig dieses Höhentroges westlich
von Irland erneut ein kräftiges Orkantief entwickeln, das in der zweiten Nachthälfte mit
einem Kerndruck von knapp unter 940 hPa (COSMO_EU) den Höhepunkt seiner Entwicklung
erreicht hat. Es verlagert sich im Tagesverlauf etwa ins Seegebiet knapp nördlich der
Hebriden. Das zugehörige, teilokkludierte Frontensystem greift im Laufe des Nachmittags
auf das europäische Festland über. Kräftige WLA führt zu Hebung und entsprechend zu
Regenfällen im Frontbereich und vorderseitig der Front. Im Tagesverlauf erfassen die
Regenfälle auch den Westen und Norden Deutschlands, wobei aber keine warnwürdigen Mengen
simuliert werden.
Interessanter gestaltet sich die Windentwicklung. Mit Annäherung des Frontensystems
verschärft sich der Druckgradient deutlich und der Wind frischt im Laufe des Vormittags
und Mittags auf. Dabei kann es am Nachmittag und Abend an der Nordseeküste und in den
Kamm- bzw. Gipfellagen vor allem des westlichen Berglandes Sturmböen aus südlichen
Richtungen geben (Bft. 9), in exponierten Lagen eventuell auch schwere Sturmböen (Bft.
10). Im Binnenland West- und Nordwestdeutschlands sind etwa ab nachmittags ebenfalls
starke Windböen, vereinzelt auch stürmische Böen (Bft. 7 bis 8) aus Süd bis Südost
möglich, im Lee der Eifel ("Eifelföhn") im Raum Aachen vielleicht auch mal eine Sturmböe.
Angesichts der recht stabilen Schichtung scheint die Böenparametrisierung des GME
(flächendeckend Bft. 8, vereinzelt BFT 9 im Binnenland) zumindest in tiefen Lagen einmal
mehr etwas übertrieben.
Vorderseitig des Tiefausläufers strömt erneut milde Biskayaluft nach Deutschland
(Temperaturen im 850 hPa- Niveau zwischen 2 und 7 Grad). Somit steigen die Temperaturen
auf 5 bis 10 Grad, im Lee einiger Mittelgebirge auch bis 13 Grad. Dabei scheint vor allem
im Alpen- und Erzgebirgsvorland auch länger die Sonne.
In der Nacht zum Samstag verbleibt der Vorhersagebereich unterhalb der im Nordwesten
kräftig ausgeprägten, nach Südosten zu eher antizyklonal geprägten Höhenströmung. Das
Orkantief verlagert sich unter weiterer allmählicher Auffüllung langsam nordnordostwärts.
Mangels Schubkomponente kommt das Frontensystem kaum mehr ostwärts voran und über
Frankreich bildet sich eine Welle. Die meist leichten Regenfälle im Bereich der Front
dauern weiterhin an, aufgrund markanter, WLA- induzierter Hebung verstärken sie sich im
Bereich der Welle über Ostfrankreich, in den Frühstunden greifen die etwas intensiveren
Regenfälle dann auch auf den Westen Deutschlands über.
Mit Auffächerung des Druckgradienten nimmt auch der Wind allmählich ab. Dennoch gibt es
zunächst an der Nordsee-, später auch an der Ostseeküste sowie generell in den Kamm- und
Gipfellagen der Mittelgebirge stürmische Böen, vereinzelt Sturmböen, auf exponierten
Gipfeln (Brocken, Fichtelberg) eventuell auch schwere Sturm- oder orkanartige Böen aus
Südwest. Starke Windböen im Tiefland sind dagegen kaum mehr zu erwarten. Mit Annäherung
der Welle frischt im äußersten Westen in den Frühstunden der Wind wieder auf.
Im Süden und Osten bleibt es vielerorts trocken und aufgelockert, teils auch gering
bewölkt. Gebietsweise bildet sich Nebel und bei leichtem Frost kann es auch örtlich Glätte
geben.

Samstag ... erreicht der Höhentrog Westeuropa. Deutschland verbleibt unterhalb einer
kräftig ausgeprägten südwestlichen Höhenströmung, die auch über der Südosthälfte mehr
zyklonalen Charakter annimmt. Im Bodendruckfeld verlagert sich die frontale Welle ohne
große Intensitätsänderung über West- und Norddeutschland hinweg nordostwärts. Sie wird
mehr und mehr von KLA überlaufen, so dass sich die Hebungsprozesse und auch die Regenfälle
allmählich abschwächen. Der aktuelle COSMO_EU- Lauf simuliert im Zeitraum 00 bis 12 UTC
lediglich im Bereich Pfälzer Wald und Hunsrück warnwürdige Mengen um oder knapp über 25 mm
in zwölf Stunden mit entsprechend großer Modellunschärfe (im Vorlauf wurden ähnliche
Mengen noch im Bereich Sauerland/Rothaargebirge simuliert). Bereits nachmittags sollten
sich die Regenfälle schon soweit abschwächen, dass keine warnwürdigen Mengen mehr erreicht
werden.
Mit Durchzug der Welle frischt auch der Wind wieder auf. Vor allem knapp südlich der Welle
verschärft sich der Druckgradient vorübergehend deutlich, so dass es etwa in einem
Streifen von Baden-Württemberg/Rheinland-Pfalz über Osthessen bis nach Thüringen und
Sachsen-Anhalt (nach aktueller COSMO_EU- Simulation) auch in tiefen Lagen starke Windböen,
vereinzelt auch stürmische Böen aus Südwest geben kann. Im Bergland Süd- und
Ostdeutschlands muss generell mit Sturmböen (Bft. 9), auf exponierten Gipfeln auch mit
schweren Sturmböen (Bft. 10) gerechnet werden. Nördlich und westlich der Welle spielt der
Wind keine große Rolle mehr, lediglich an der Nordsee kann es anfangs noch starke bis
stürmische Böen geben. Die Windentwicklung sollte allerdings aufgrund der oben
beschriebenen Unsicherheiten, was die Wellenentwicklung angeht, momentan noch mit der
entsprechenden Umsicht betrachtet werden.
Im Nordwesten, aber auch im äußersten Südosten bleibt es weitgehend trocken und teils auch
aufgelockert bewölkt, an den Alpen kann es auch föhnig werden.
Die Höchstwerte liegen, trotz der in den Nordwesten postfrontal einströmenden, etwas
kühleren, aber gut durchmischten Meeresluft (Temperaturen in 850 hPa zwischen -3 Grad an
der Nordsee und bis +8 Grad am Alpenrand) recht einheitlich zwischen 6 und 11 Grad. Bei
Föhndurchbruch können am Alpenrand aber durchaus 15 Grad erreicht werden.
In der Nacht zum Sonntag verlagert sich die Trogachse ins westliche Mitteleuropa und
Deutschland gerät mehr und mehr in ihren Einflussbereich, vor allem in der unteren und
mittleren Troposphäre kühlt es noch ein wenig ab. Im Bodendruckfeld überquert die
Kaltfront auch die Alpen rasch ostwärts, der Föhn bricht zusammen. Dahinter steigt der
Druck nur vorübergehend an, ehe in der Westhälfte vorderseitig eines etwa unterhalb der
Höhentrogachse gelegenen Bodentroges wieder Druckfall einsetzt. Vor allem im Süden und
Osten fallen anfangs noch teils schauerartige Niederschläge, die oberhalb von etwa 500 bis
600 m zunehmend als Schnee fallen. Dabei können vor allem im Bayerischen Wald, aber auch
an den Alpen stellenweise 5 bis 10 cm, in Staulagen des Bayerwaldes auch mehr, Neuschnee
fallen. Ansonsten bleiben die Mengen eher gering. In der zweiten Nachthälfte und in den
Frühstunden setzen auch im Westen mit Annäherung des Bodentroges wieder schauerartige
Niederschläge ein.
Mit Passage der Kaltfront frischt der Wind vor allem in der Südhälfte noch einmal kräftig
auf, denn zwischen föhnbedingtem Leetief im Alpenvorland und nachfolgendem Bodenhochkeil
kann sich ein passabler Druckgradient aufbauen. Ob es aber verbreitet für Böen der Stärke
8 bis 9 Bft. reicht, wie von der deutschen Modellkette, vor allem GME, simuliert, reicht,
ist aber noch fraglich. Schwere Sturmböen, vielleicht auch mehr, gibt es aber mit recht
hoher Wahrscheinlichkeit auf den Alpen- und Bayerwaldgipfeln. Später lässt der Wind von
Westen her aber rasch nach.
Aufgrund der meist dichten Wolken gibt es in den Niederungen nur selten Frost, im Bergland
ist das dagegen öfters der Fall. Entsprechend muss dann auch örtlich mit Glätte gerechnet
werden.

Sonntag ... schwenkt der inzwischen mit hochreichender maritimer Polarluft angefüllte
Höhentrog (unter -30 Grad in 500 hPa, um -4 Grad in 850 hPa) nach Mitteleuropa. Der
Bodentrog überquert Deutschland im Tagesverlauf rasch ostwärts. Vor allem in seinem
Einflussbereich gibt es einzelne Regen-, Schneeregen- und Graupelschauer, auch ein kurzes
Gewitter kann nicht ausgeschlossen werden. Die Schneefallgrenze schwankt zwischen 400 und
600 m, in kräftigeren Schauern kann es auch in tieferen Lagen schneien. Vor allem in den
Staulagen der westlichen Bergländer werden zwölfstündige Niederschlagsmengen von über 5
mm, stellenweise auch über 10 mm (COSMO_EU) simuliert, so dass es im höheren Bergland
durchaus über 5 cm, stellenweise auch über 10 cm Neuschnee geben kann.
Der Wind weht vor allem an der Südflanke des Bodentroges, in Süddeutschland, lebhaft,
meist aus westlichen Richtungen. Dort kann es starke Windböen geben, in freien Lagen auch
stürmische Böen, auf den Gipfeln Sturmböen.
In der gut durchmischten Meeresluft polaren Ursprungs steigen die Temperaturen auf 4 bis 8
Grad, im Bergland auf 0 bis 4 Grad, oberhalb von etwa 700 bis 800 m gibt es leichten
Dauerfrost.



Modellvergleich und -einschätzung
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Im Großen und Ganzen zeigen die externen Modelle eine der deutschen Modellkette ähnliche
Entwicklung. Unsicherheiten ergeben sich aber noch im Detail. Vor allem, was die
Entwicklung und genaue Zugbahn der frontalen Welle am Samstag angeht, ergeben sich
zwischen den Modellen und auch zwischen einzelnen Modellläufen noch größere Diskrepanzen,
so dass sich die voraussichtliche Niederschlagsverteilung und -intensität noch nicht genau
abschätzen lässt.
Die Windprognosen wurden zumindest seitens der deutschen Modellkette im aktuellen Lauf
gegenüber den Vorläufen noch etwas hochgeschraubt. So werden jetzt für das nordwestliche
Binnenland auch seitens COSMO_EU recht verbreitet stürmische Böen simuliert. Auch die
probabilistischen Modelle (COSMO_LEPS, PEPS, EZMW-EPS) zeigen vor allem vom Niederrhein
über das Emsland bis nach Ostfriesland, aber vor allem auch im Lee der Eifel recht hohe
Wahrscheinlichkeiten für Böen der Stärke 8 Bft.


Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach
Dipl. Met. Jens Winninghoff

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