SXDL31 DWAV 1800UTC DWD Synoptische Uebersicht KURZFRIST

SXEU31 DWAV 241800
S Y N O P T I S C H E Ü B E R S I C H T K U R Z F R I S T
ausgegeben am Samstag, den 24.10.2015 um 18 UTC


Markante Wettererscheinungen:
In der Nacht von NW her eine schwache Kaltfront, danach wieder zunehmender
Hochdruckeinfluss.

Synoptische Entwicklung bis Dienstag 12 UTC
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Aktuell ... befindet sich Deutschland rückseitig eines langsam ostwärts
abwandernden Höhenrückens und vorderseitig eines mittlerweile über der Nordsee
und Frankreich angelangten Höhentroges. Dieser korrespondiert mit einem
Bodentrog, der zu einem Tiefdrucksystem über dem Europäischen Nordmeer gehört.
Eingelagert in den Trog ist eine Kaltfront, die in der Nacht von Westen her auf
den Vorhersageraum übergreift und bis zum frühen Morgen etwa eine Linie
Darß-Selfkant erreicht. Dabei fällt im Westen und Norden etwas Regen, der - wenn
überhaupt - aber nur 1-3 Millimeter innert 12 Stunden beträgt. Hauptursache für
die vergleichsweise schwachen Hebungsprozesse ist KLA, die den nach Osten
vorrückenden Trog überläuft und somit eine "fruchtbare" Interaktion zwischen
Trog und Front verhindert.
Nach Süden und Südosten hin, wo es vielerorts noch längere Zeit gering bewölkt
oder klar ist, bildet sich gebietsweise Nebel. An der Küste, genauer zunächst an
der Nord-, später auch an der Ostsee frischt der Wind böig auf, wobei er von
südlichen Richtungen auf W bis NW dreht. Hier und da muss mit steifen Böen 7 Bft
gerechnet werden. Auch in den Hochlagen der Mittelgebirge treten Böen 7 bis 8
Bft auf.

Sonntag ... zieht die Kaltfront in ihrem Nordteil rasch aus Deutschland heraus,
wohingegen sie in der Mitte zurückhängt und quasistationär wird, weil sich nach
Westen in die Warmfront einer flachen Tiefruckrinne vor Portugal übergeht. Der
Höhentrog schwenkt unter Verringerung seiner Amplitude zügig nach Osten, so dass
das Potenzial von SW her bereits wieder ansteigt. Im Zuge einer kräftigen
Austrogung über dem Ostatlantik einschließlich Sturmzyklogenese westlich von
Irland kommt vorderseitig kräftige WLA in Gang, die zum Aufbau eines breiten
Höhenrückens über Westeuropa und der Nordsee führt.
Bevor dieser bei uns richtig zum Zuge kommt, heißt es besonders für die
mittleren und südlichen Landesteile, sich mit der frontalen Bewölkung bzw. mit
den Wolken- und Nebelresten der Nacht auseinanderzusetzen. Dabei fällt hier und
da etwas Regen oder Nieselregen, Tendenz am Nachmittag nachlassend. Aufhellungen
oder Auflockerungen sind eher selten und können am ehesten noch am westlichen
Alpenrand (Allgäu) oder in Südbaden erwartet werden.
Besser sieht es in Norddeutschland aus, wo die Wolkendecke in der frisch
einfließenden subpolaren Meeresluft (T850 um 0°C) auflockert und sich eine
Mischung aus Sonne und Quellwolken einstellt. Der anfänglich an der Küste und in
einigen Hochlagen noch frische und böige westliche Wind wird im Zuge steigenden
Luftdrucks von Westen her immer schwächer.
MOS-Mix setzt das Temperaturniveau im Norden auf 12 bis 15°C an, was aufgrund
der relativ hohen Startwerte und der zeitweiligen Einstrahlung nachvollziehbar
ist. Ob allerdings im SW gebietsweise die 15°C-Marke überschritten wird (bis
18°C), ist doch etwas zweifelhaft (zumindest in dieser Breite).

In der Nacht zum Montag wölbt sich der Höhenrücken weiter auf, wobei er ein
Stück ostwärts vorankommt. Gleiches gilt für das korrespondierende Bodenhoch,
das seinen Schwerpunkt ebenfalls nach Osten verlagert. Deutschland kommt somit
zunehmend auf die Westflanke, die sich zunächst aber noch sehr schwachgradientig
präsentiert. Dort, wo die Wolkendecke aufreißt (was nicht überall der Fall sein
wird), bildet sich Nebel, dessen räumliche Ausdehnung aus heutiger Sicht
allerdings noch nicht wirklich zu stemmen ist. Im Norden besteht lokal die
Gefahr von Bodenfrost, bei längerem Aufklaren und nicht vorherigem
Auskondensieren ist vereinzelt sogar leichter Luftfrost denkbar.

Montag ... gelangt Deutschland vollständig unter den sich noch etwas weiter
amplifizierenden und nach NW zurückhängenden Höhenrücken. Seine Achse reicht am
Abend (ICON, 18 UTC) von der Adria über den Vorhersageraum bis hoch zum Südrand
des Europäischen Nordmeers. Zwischen dem zum östlichen Mitteleuropa wandernden
Hoch und dem sich westlich von Irland eindrehenden Tief (um 12 UTC Kerndruck von
unter 975 hPa) stellt sich eine südliche, in Bodennähe ageostrophisch
südöstliche Grundströmung ein, mit der niedertroposphärisch recht warme Luft
advehiert wird. So steigt die 850-hPa-Temperatur im Süden und Westen bis zum
Abend auf 10 bis 13°C.
Irgendwo zwischen 950 und 850 hPa stellt sich eine Absinkinversion ein, unter
der die Grundschicht vergleichsweise feucht ist. So steht einmal mehr die Frage
auf der Karte, wo sich Nebel und Hochnebel auflösen und wo nicht. Nun, zu 100%
ist diese Frage freilich nicht zu beantworten, gleichwohl lassen sich ein paar
Aspekte nennen, die sich günstig oder eben nicht so günstig auf die Auflösung
auswirken. In der Vorhand sind vor allem die Hochlagen Süddeutschlands (vielfach
über der Inversion) sowie die Leegebiete der Mittelgebirge (besonders NRW, aber
auch andere Regionen) und auch weiter Teile Norddeutschlands, wo sich zum Teil
überhaupt kein Nebel/Hochnebel bildet. Knapsen müssen hingegen die Luvseiten der
Mittelgebirge sowie einige Niederungen wie z.B. das Donautal. Wie gesagt, mehr
Details machen keinen großen Sinn, weil uns die Natur in dieser Angelegenheit
doch immer wieder "verarscht".
Je nach Startwert und Sonnenangebot steigt die Temperatur auf 11 bis 17°C, wobei
die höchsten Werte im W und SW sowie am Alpenrand erreicht werden. Im Falle
ganztägigen Nebels und Hochnebels sind lediglich 10°C oder sogar nur einstellige
Werte zu erwarten. Trotz des mit dem Tagesgang leicht auflebenden Windes stehen
Windwarnungen nicht auf der Karte.

In der Nacht zum Dienstag bildet sich verbreitet teils dichter Nebel. Bei
längerem Aufklaren gibt es örtlich leichten Bodenfrost, besonders in der
Osthälfte sowie im Bergland.

Dienstag ... schieben sich Höhnrücken und Bodenhoch noch etwas nach Osten,
bleiben für uns aber wetterbestimmend. Mit der südlichen bis südöstlichen
Strömung setzt sich die niedertroposphärische Erwärmung fort, so dass quasi ganz
Deutschland zum Mittagstermin unter einer "10°C-Blase" in 850 hPa liegt.
Fakt ist, dass die Sonne vor allem nördlich der Mittelgebirge kräftig zum Zuge
kommen wird. Vor allem NRW ist bei dieser Druckkonstellation stark begünstigt.
Dort wird es mit bis zu 17°C auch am mildesten. Dem steht allerdings der
Alpenrand nicht viel nach, wo es bei leichter Föhntendenz ebenfalls recht mild
wird 15/16°C. Ansonsten gilt in Süddeutschland die Regel, dass es in den
Hochlagen sonnig ist, während in den Niederungen häufig zäher Nebel und
Hochnebel mit entsprechend niedrigen Temperaturen (oft einstellig) den Ton
angeben. Im und am Erzgebirge kann der Südostwind zum Teil so stark auffrischen,
dass vereinzelte 7er-Böen nicht ausgeschlossen sind.


Modellvergleich und -einschätzung
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In der Basis wird unisono modelliert, in der Nebel- und Hochnebelfrage erfordert
es eine Mischung aus Modellprognose, Nowcasting und etwas Erfahrung.


Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach
Dipl. Met. Jens Hoffmann

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