SXDL33 DWAV 1030UTC DWD Synoptische Uebersicht MITTELFRIST

S Y N O P T I S C H E Ü B E R S I C H T M I T T E L F R I S T
ausgegeben am Freitag, den 27.03.2015 um 10.30 UTC



Stürmisch, vor allem am Dienstag auch im Binnenland Nord- und Ostdeutschlands
auch schwere Sturmböen wahrscheinlich, im Bergland Orkanböen. Im Schwarzwald und
im Oberallgäu bis Dienstag Dauerregen bis hin zu Unwetter möglich.
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Synoptische Entwicklung bis zum Freitag, den 03.04.2015


Während des gesamten Mittelfristzeitraumes dominieren im Vorhersagebereich die
Großwetterlagen West bzw. Nordwest zyklonal.
Am Montag befindet sich Deutschland unmittelbar auf der Rückseite eines weiter
nach Osteuropa schwenkenden Höhentroges unterhalb einer kräftigen (über 150 kn
in 300 hPa über Norddeutschland) und zonal orientierten Höhenströmung. In diese
eingelagert sind flache kurzwellige Rücken und Tröge, die Mitteleuropa von West
nach Ost überqueren. Ein erster Höhenrücken erreicht am Montag den Norden
Deutschlands und befindet sich Dienstagfrüh bereits über Polen. Ihm folgt ein
ebenso flacher Kurzwellentrog.
Im Bodendruckfeld spiegeln sich die Strukturen im Höhenfeld insofern wider, dass
sich das Vorhersagegebiet am Montag auf der Rückseite eines von Südskandinavien
bis Dienstagfrüh zur mittleren Ostsee ziehenden Sturmtiefs befindet. Nach kurzer
Wetterberuhigung am Nachmittag und Abend folgt in der Nacht das Frontensystem
des nächsten Sturmtiefs, das sich Dienstagfrüh bereits über der südlichen Ostsee
befindet.
Somit dominiert am Montag vor allem im Norden und Osten typisches
"Rückseitenwetter" mit einzelnen Regen- und Graupelschauern, im Bergland auch
Schneeschauern und kurzen Gewittern. Diese klingen im Tagesverlauf von Westen
her aber wieder ab. Dabei muss im Norden und Osten auch in den Niederungen mit
stürmischen Böen oder Sturmböen aus West bis Nordwest gerechnet werden, an der
Ostsee auch mit schweren Sturmböen, in exponierten Berglagen kann es auch
orkanartige Böen geben.
Bereits in der Nacht zum Dienstag folgt das nächste Frontensystem mit
verbreiteten Regenfällen, die im Nordwesten später in Regen- und Graupelschauer
mit vereinzelten Gewittern übergehen. Der Wind legt nach kurzer Abnahme bereits
abends wieder deutlich zu. Vor allem in der zweiten Nachthälfte kann es
deutschlandweit Sturmböen geben, in freien Lagen vor allem im Norden, Osten und
in der Mitte auch schwere Sturmböen oder orkanartige Böen. Im Bergland gibt es
auf exponierten Gipfeln Orkanböen.
Dienstag tagsüber zieht das Sturmtief rasch ostwärts ab, erreicht in der Nacht
zum Mittwoch das Baltikum und füllt sich allmählich auf. Die Höhenströmung dreht
mehr auf Nordwest, ein flacher Höhenrücken, der sich in der Nacht zum Mittwoch
über der Nordsee befindet, sorgt dann erneut für eine Wetterberuhigung.
Somit gibt es am Dienstag tagsüber recht verbreitet Regen- und Graupelschauer,
im Bergland auch Schneeschauer, an den Alpen regnet es staubedingt längere Zeit,
wobei die Schneefallgrenze allmählich auf unter 1000 m sinkt. In der Nacht zum
Mittwoch klingen die Schauer ab.
Der Wind bleibt lebhaft mit Sturmböen, in der Osthälfte auch schweren Sturmböen,
auf den Bergen Orkanböen, nur allmählich nimmt er von Westen her ab.
Am Mittwoch und Donnerstag verlagert sich das Zentrum des Höhentiefs vom
Nordmeer nach Skandinavien, über dem Vorhersagegebiet dreht die Höhenströmung
auf Nordwest. Weiterhin sorgen kurzwellige Randtröge, die an der Südwestflanke
des Troges südostwärts ziehen, für unbeständiges Wetter in Mitteleuropa. Dabei
wird zunehmend maritime Polarluft advehiert und das Temperaturniveau geht
allgemein zurück.
Im Bodenfeld zieht ein Mittwochfrüh über der Norwegischen See gelegenes Tief
unter weiterer Vertiefung bis Donnerstag ins Baltikum. Die Kaltfront überquert
Deutschland Mittwoch und in der Nacht zum Donnerstag südostwärts. Dabei gibt es
sowohl am Mittwoch als auch am Donnerstag weitere Regen- und Graupelschauer,
teils auch bis in tiefere Lagen Schneeregenschauer, oberhalb von 400 bis 600 m
fällt oft Schnee. In den Staulagen der Mittelgebirge und am Alpennordrand können
5 bis 15 cm Neuschnee fallen.
Nach kurzer, aber deutlicher Abnahme in der Nacht zum Mittwoch nimmt der Wind
tagsüber wieder zu, wobei es vor allem in Schauern auch stürmische Böen oder
Sturmböen geben kann. Sturm- und schwere Sturmböen gibt es an den Küsten und im
Bergland, auf exponierten Gipfeln auch Orkanböen. Am Donnerstag nimmt der Wind
im Tagesverlauf mit Auffächerung des Gradienten allmählich ab.
Freitag verlagert sich der Höhentrogkomplex über Skandinavien allmählich weiter
ostwärts, ein Höhenrücken erreicht im Tagesverlauf die Nordsee, gefolgt von
einem erneuten Trogvorstoß nach Großbritannien.
Im Bodenfeld schwenkt ein Hochkeil über Deutschland hinweg ostwärts und sorgt
vor allem in der Südhälfte und im Südwesten für Wetterberuhigung. Im Norden und
Osten gibt es aber weitere Schauer, teils mit Graupel und Schnee. Abends erfasst
dann das Frontensystem des mit dem nach Großbritannien vorstoßenden Höhentroges
korrespondierenden Tiefs bereits wieder den Nordwesten mit schauerartigen
Regenfällen.
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Bewertung der Konsistenz des operationellen Laufs


Bezüglich der groben synoptischen Strukturen erweist sich der aktuelle Lauf als
konsistent zu den Vorläufen. Unterschiede ergeben sich aber - wie nicht anders
zu erwarten bei einer derart ausgeprägten zyklonalen Nordwest- bis Westlage - im
Detail. So wurde das Sturmtief in der Nacht zum und am Dienstag bzgl. Position
und Intensität vom gestrigen 12 UTC- Lauf sehr ähnlich simuliert, während der 00
UTC- Lauf eine etwas schwächere Version auf der Karte hatte.
Am Mittwoch und Donnerstag wird der Vorstoß der maritimen Polarluft nach
Deutschland im aktuellen Lauf etwas langsamer, dafür aber auch ein wenig
nachhaltiger als vor allem im gestrigen 12 UTC- Lauf simuliert.
Am Freitag zeigte der gestrige 00 UTC- Lauf ein schnelleres Übergreifen des
neuen Frontensystems auf Deutschland als der aktuelle Lauf und der gestrige 12
UTC- Lauf. Beide lassen einen recht gut ausgeprägten Höhenrücken ins westliche
Mitteleuropa schwenken, dessen Achse im aktuellen Lauf sich Freitagmittag in
etwa über der westlichen Nordsee befindet, während sie im gestrigen 12 UTC- Lauf
bereits über Nordwestdeutschland lag.
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Vergleich mit anderen globalen Modellen


Die externen Modelle haben alle eine gut ausgeprägte zyklonale West-, später
eher Nordwestlage im Programm. Unterschiede ergeben sich in den Simulationen der
kleinräumigeren Strukturen, vor allem der Intensitäten und Zugbahnen der
diversen, meist kurzwelligen Randtröge und deren korrespondieren Strukturen im
Bodenfeld. Diese Diskrepanzen haben aber durchaus Einfluss vor allem auf die zu
erwartende Wind-, aber auch Niederschlagsentwicklung im Vorhersagebereich.
ECMWF simuliert das Sturmtief am Dienstag progressiver und auf südlicherer
Zugbahn als die meisten externen Modelle, hat somit die stärkste Windentwicklung
auf der Karte. Dienstagfrüh befindet sich das Tief bereits über der südlichen
Nordsee, während GFS und ICON den Kern dann erst über der Nordsee simulieren.
GFS hat zwar sogar noch eine etwas stärkere Entwicklung auf der Karte (Kerndruck
am Dienstag, 06 UTC um 970 hPa, ECMWF um 975 hPa), allerdings liegt die Zugbahn
des Tiefs auch weiter nördlich.
GEM, UKMO und ICON zeigen allesamt eine etwas schwächere Entwicklung als das
GFS, allerdings eine ähnliche Zugbahn.
Als (momentan) einziges Modell hat Navgem das Sturmtief gar nicht auf der Karte.

Der Vorstoß der maritimen Polarluft am Mittwoch und Donnerstag wird von allen
Modellen ähnlich simuliert, wobei sich im Detail aber erneut Unterschiede
ergeben. Vor allem ICON zeigt am Donnerstag eine recht intensive
Randtiefentwicklung über Großbritannien, womit in den Westen und Süden
Deutschlands wieder mildere Luftmassen vordringen können. Diese Version stellt
allerdings momentan eine Einzellösung dar.

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Bewertung der Ensemblevorhersagen


Im Zeitraum 72 bis 96 Stunden verteilen sich die Member des ENS recht
gleichmäßig (27, 24) auf 2 Cluster, die sich im Detail für Mitteleuropa kaum
unterscheiden und beide die Entwicklung im deterministischen Lauf gut
widerspiegeln.
Die relative Einigkeit der Einzelläufe setzt sich auch im Zeitraum 120 bis 168
Stunden fort, alle Läufe verteilen sich nur auf einen Cluster.
In der erweiterten Mittelfrist (192 bis 240 h) treten dann 3 Cluster (24, 16 und
11 Member) auf. Alle Cluster zeigen einen recht markanten Höhenrücken knapp
westlich oder über den Britischen Inseln und einen Trog über Skandinavien und
Osteuropa. Somit bleibt die zyklonale Nordwestlage wohl auch über die
Osterfeiertage aufrecht. Während nach Cluster 2 und 3 der Rücken am Ostersonntag
und -Montag markant bleibt und sich allmählich dem europäischen Festland
annähert, somit dort für eine zögernde Wetterbesserung sorgen könnte, deutet
sich nach Cluster 1 ein neuer Trogvorstoß Richtung Britische Inseln an und der
Rücken wird deutlich flacher gezeigt. Haupt- und Kontrolllauf befinden sich in
Cluster 2.
Die Rauchfahne Offenbach zeigt auch in der erweiterten Mittelfrist nur einen
relativ geringen Spread der 850 hPa, die Mehrzahl der Member bewegt sich ab
Dienstag im negativen Temperaturbereich zunächst bis etwa -5 Grad, am Donnerstag
auch bis -8 Grad.
Auch in den Niederschlagssignalen spiegelt sich der zyklonal geprägte
Wettercharakter wieder. Vor allem von Montag auf Dienstag zeigen die meisten
Member markante Signale, dann wieder Richtung Donnerstag/Freitag. Erst in der
erweiterten Mittelfrist, Richtung Osterfeiertage, nehmen die Signale ab.

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Wahrscheinlichkeiten für signifikante Wettererscheinungen


Während des gesamten Mittelfristzeitraumes steht das Warnelement Wind/Sturm im
Vordergrund. Bereits am Montag werden vor allem im Norden und Osten sowohl vom
COSMO-LEPS als auch vom ECMWF-EPS hohe Wahrscheinlichkeiten für Böen Bft. 8 bis
9 gezeigt, im Bergland ist mit schweren Sturmböen, vereinzelt auch mit
orkanartigen Böen zu rechnen.
Der Höhepunkt der Sturmentwicklung erfolgt dann in der Nacht zum und am
Dienstag. Dabei zeigt das ECMWF die stärkste Entwicklung mit verbreiteten
Sturmböen, EPS hat im Zeitraum 00 bis 12 UTC im Süden und in der Mitte sogar
recht hohe Wahrscheinlichkeiten für orkanartige Böen auf der Karte. COSMO-LEPS
zeigt die stärksten Signale etwa sechs Stunden später und auch nicht so
ausgeprägt wie beim ECMWF.
Am Mittwoch werden - nach kurzer Wetterberuhigung in der Nacht, erneut erhöhte
Wahrscheinlichkeiten für Sturmböen in weiten Teilen des Landes gezeigt, schwere
Sturm- oder orkanartige Böen sind in den Niederungen aber nicht mehr zu
erwarten. Am Donnerstag gehen die Wahrscheinlichkeiten für markante Böen weiter
zurück und beschränken sich weitgehend auf die Osthälfte.
Mit Dauerregen ist vor allem in den West-/Nordweststaulagen der Mittelgebirge zu
rechnen. COSMO-LEPS und ECMWF-EPS zeigen vor allem im Schwarzwald, im
Oberallgäu, im Bayerischen Wald und im Harz hohe Wahrscheinlichkeiten für
markanten Dauerregen (über 40 mm) im 48-Stundenzeitraum Sonntag, 06 UTC bis
Dienstag, 06 UTC. In COSMO_LEPS tauchen vor allem im Schwarzwald und im Allgäu
auch Signale für Unwetter (über 60 mm) auf, ECMWF-EPS zeigt diesbzgl. aber keine
Signale. Zu Wochenmitte nimmt die Intensität der Niederschläge wieder ab,
Signale für markante Mengen gibt es dann nur noch an den Alpen, dort fällt
allerdings bis in mittlere Höhenlagen Schnee.
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Basis für Mittelfristvorhersage
MOS-MIX, EZMW-EPS
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VBZ Offenbach / Dipl. Met. Jens Winninghoff

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