SXEU31 DWAV DWD Synoptische Uebersicht KURZFRIST (Morgen)

SXEU31 DWAV 240800
S Y N O P T I S C H E Ü B E R S I C H T K U R Z F R I S T
ausgegeben am Dienstag, den 24.09.2013 um 08 UTC


GWL und markante Wettererscheinungen:
GWL: NWa (Nordwest antizyklonal)

Außer Nebel keine warnwürdigen Wettererscheinungen.

Synoptische Entwicklung bis Donnerstag 24 UTC
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Dienstag... zeigt die großräumige Potenzialverteilung ein Omega-Muster mit einem Rücken
über Frankreich und UK, der von Höhentiefs über dem nahen Ostatlantik und dem Westen
Russlands flankiert wird. Deutschland befindet sich dabei unter einer relativ glatten
nordwestlichen Höhenströmung, die nach Südwesten hin aber doch eine leicht antizyklonale
Kontur aufweist.
Zwischen den beiden Höhentiefs, die jeweils mit gut ausgeprägten Bodentiefs
korrespondieren, befindet sich eine meridional orientierte Hochdruckbrücke, die heute früh
etwa vom Alpenraum über große Teile Deutschlands und die Nordsee bis nach Island reicht.
Auf der Nordostflanke der Brücke liegt eine Luftmassengrenze, die kontinental geprägte
Polarluft aus dem Nordosten Europas von milderer, in der Grundschicht (Inversion zwischen
900 und 850 hPa) z.T. aber feuchter Luft im westlichen Mitteleuropa trennt. Die
Hochdruckbrücke schwächt sich im Tagesverlauf etwas ab, bleibt zunächst aber noch
erhalten. Dabei kommt die Luftmassengrenze etwas nach Südwesten voran, wobei sich die
thermischen Gegensätze in 850 hPa etwas verschärfen. Am Mittwoch 00 UTC reicht die Spanne
von rund 1°C am Oderhaff und 13°C im Bodenseeraum.
Mit Verlagerung der Luftmassengrenze kommt auch die mehrschichtige Bewölkung aus dem
Norden und Osten etwas weiter nach Südwesten voran. Dabei fällt bevorzugt im Bereich der
Elbe gelegentlich etwas Regen oder Sprühregen. Am Vorderrand des Wolkenbandes lockert die
Bewölkung aber mehr und mehr auf bzw. löst sich durch Absinken ganz auf, so dass heute vor
allem im Süden und Südwesten, teils aber auch im Westen vielfach die Sonne scheint -
nachdem sich Nebel und Hochnebel unterschiedlich schnell aufgelöst haben. Auch in der
trockeneren Polarluft im Nordosten nehmen die Chancen auf sonnige Abschnitte oder sogar
längeren Sonnenschein zu, wie aktuell bereits in Teilen Vorpommerns sowie im nördlichen
Schleswig-Holstein zu erkennen ist. Dort bleibt es mit 15 oder 16°C trotzdem
vergleichsweise frisch, während im Oberrheingraben mit bis zu 23°C, lokal vielleicht sogar
24°C, die deutschlandweit höchste Tagestemperatur registriert werden dürfte.

In der Nacht zum Mittwoch wird Potenzial durch Randtröge, die von Norden über die Nordsee
um das osteuropäische Höhentief herumlaufen, abgebaut. Der Höhenrücken wird dadurch leicht
retrograd, die Amplitude etwas "abgehobelt". An der Situation vor Ort ändert das zunächst
aber wenig. Im Süden und Westen klart es vielerorts auf, wobei sich gebietsweise Nebel
bildet. Auch im Norden und Nordosten klart es auf, wobei dort die Nebelneigung geringer,
aber nicht gleich null ist (örtliche Nebelfelder möglich). Dafür geht die Temperatur auf
bis zu 2°C zurück, was besonders im Landesinnern von Schleswig-Holstein und
Mecklenburg-Vorpommern, aber auch in küstennahen "Kältelöchern" Bodenfrost zur Folge hat.
Zwischen den Aufklarungsgebieten liegt ein Streifen mit starker Bewölkung, der etwa vom
westlichen Niedersachsen und Westfalen bis nach Sachsen reicht, und aus dem hier und da
etwas Sprühregen fällt.

Mittwoch... setzt sich der bereits in der Nacht begonnene Prozess des Potenzialabbaus
fort. Um 12 UTC reicht der inzwischen wesentlich flacher konturierte Höhenrücken etwa von
den Balearen über die Biscaya bis zur Keltischen See (südlich von Irland). Bei uns dreht
dadurch die Höhenströmung zurück auf west-nordwestliche Richtungen.
Auch im Bodenniveau fällt der Druck noch etwas, so dass die Hochdruckbrücke in eine
schwach-gradientige Rinne übergeht, die die beiden Tiefs über dem nahen Ostatlantik und
Russland miteinander verbindet. Darin eingelagert ist nach wie vor die diagonal über
Deutschland verlaufende, nahezu stationäre Luftmassengrenze, die den Vorhersageraum - grob
gesprochen - in eine Nordost- und eine Südwesthälfte teilt.
Möglichweise bedingt durch einen in der Höhe ablaufenden Kurzwellentrog wird an der Front
ein kleines Teiltief induziert, das von den Modellen allerdings unterschiedlich
dargestellt und auch positioniert wird. Einigkeit herrscht aber darin, dass ein
Hebungsimpuls ins Spiel kommt, der auf der kalten Seite der Luftmassengrenze für
Regenfälle sorgt. Uneinigkeit herrscht allerdings hinsichtlich der räumlichen Verteilung
der Regenfälle: Während die externen Modelle wie NAE-UKMO, GFS und ECMF den Norden und
Nordosten favorisieren, belegt COSMO-EU einen Streifen, der zunächst etwa vom westlichen
Niedersachsen via Sachsen-Anhalt bis nach Ostsachsen reicht, sich in der Nacht zum
Donnerstag dann aber etwas nach Süden verlagert. GME reagiert tagsüber zunächst kaum auf
den Hebungsimpuls, erst in der Nacht wird ein Regenstreifen simuliert, der etwa zwischen
der COSMO-EU-Lösung und den externen Modellen angesiedelt ist. Wie auch immer, akkumuliert
man die Niederschlagssummen bis Donnerstagfrüh, so wird in keiner Lösung das Warnkriterium
für Stark- oder Dauerregen erreicht, gleichwohl können punktuell mal 10 oder 15 mm
zusammen kommen.
Trotz der insgesamt zunehmenden zyklonalen Rahmenbedingungen setzt sich im Süden und
Südwesten, bedingt auch im Westen nach z.T. etwas schleppender Nebelauflösung wieder die
Sonne durch. Dabei steigt die Temperatur verbreitet auf 20°C oder darüber, am Oberrhein
bei hohen Startwerten und früher Einstrahlung örtlich vielleicht sogar auf 24 oder 25°C
(wird sogar von den eher dämpfenden MOS-Verfahren angeboten). Nach Norden und Osten zu
liegen die Höchstwerte zwischen 13 (vorpommersche Küste) und 19°C.
In der Nacht zum Donnerstag muss vor allem im Süden und Südwesten gebietsweise wieder mit
Nebel gerechnet werden.

Donnerstag... verlagert sich das hochreichende Tief über dem nahen Ostatlantik dichter an
den europäischen Kontinent heran, auch wenn es zum Mittagstermin mit seinem Kern immer
noch westlich der Biscaya positioniert ist. Vorderseitige WLA sorgt für eine
Intensivierung respektive Aufwölbung des über Frankreich und UK liegenden Höhenrückens,
wodurch bei uns die Höhenströmung wieder etwas nach rechts dreht.
Im Bodenniveau bleibt die Druckverteilung amorph ohne nennenswerten Gradienten, allerdings
deutet sich von Norden her leichter Druckanstieg an, der das Wiederaufleben der
Hochdruckbrücke einleitet. Nach wie vor ist aber die Luftmassengrenze vorhanden, die -
quer über der Mitte Deutschlands liegend - etwas nach Süden vorankommt, mangels
Unterstützung aus der Höhe aber an Wetterwirksamkeit einbüßen soll. Besonders zum
östlichen Mittelgebirgsraum hin kann es noch etwas regnen oder nieseln. Ansonsten stößt
von Norden her eine "Portion" relativ trockener Polarluft ein Stück nach Süden vor, wobei
die Wolkendecke von der Nord- und Ostsee auflockert. So scheint am Nachmittag in weiten
Teilen Norddeutschlands die Sonne, wobei es aber nicht wärmer als 13 bis 17°C wird.
Nach Süden hin ist es wolkig bis stark bewölkt und nach Lesart der deutschen Modelle
weitgehend trocken. Allerdings ist nicht ganz ausgeschlossen, dass in den äußersten Süden
und Südwesten etwas feuchtere und leicht labil geschichtete Warmluft eingesteuert wird
(man beachte die "heimatlose" Warmfront in der Vorhersagekarte T+60h, die sich von
Frankreich und der Schweiz her nähert), in der es durchaus zu einem Schauer, weniger zu
einem Gewitter reichen könnte. Die Temperatur erreicht Höchstwerte zwischen 17 und 23°C.
Ob es auf den Alpengipfeln zu Sturmböen reicht, wie die Böeninterpretation der deutschen
Modelle zeigt, ist noch fraglich.

Modellvergleich und -einschätzung
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Zwar simulieren die Modelle die großräumige Entwicklung recht ähnlich, gleichwohl
offenbaren sich durchaus Diskrepanzen, z.B. hinsichtlich der Positionierung der o.e.
Luftmassengrenze. Die unterschiedliche räumliche Verteilung der Regen fälle am Mittwoch
wurde im Text bereits erwähnt. Dabei erscheint die Lösung der externen Modelle (Regen
weiter nördlich) nicht zuletzt wegen synoptischen Rahmenbedingungen glaubwürdiger, weil
der hebungsrelevante Trog, der von der Nordsee heranschwenkt, so weit im Norden durchgeht,
dass dort auch der Hauptantrieb zu erwarten ist. In diesem Zusammenhang sei erwähnt, dass
die Vorläufe der deutschen Modellkette den Regen ebenfalls weiter nördlich gerechnet
hatten.


Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach
Dipl. Met. Jens Hoffmann

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