SXDL31 DWAV 0800UTC DWD Synoptische Uebersicht KURZFRIST

SXEU31 DWAV 260800
S Y N O P T I S C H E Ü B E R S I C H T K U R Z F R I S T
ausgegeben am Montag, den 26.05.2014 um 08 UTC


GWL und markante Wettererscheinungen:
GWL: TM (Tief Mitteleuropa)

Heute und teils auch noch am Dienstag im Süden und Westen sowie in Teilen der Mitte teils
kräftige Gewitter, dabei UNWETTER vor allem durch Starkregen. Aber auch Hagel und
Sturmböen möglich.

Synoptische Entwicklung bis Mittwoch 24 UTC
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Montag... Zu Beginn der neuen Woche zeigt die großräumige Potenzialverteilung einen Trog
über Westeuropa, der von UK/Irland bis hinunter zur Iberischen Halbinsel reicht. Als
Konterpart dazu fungiert ein mit zonaler Achse ausgestatteter Höhenrücken mit Schwerpunkt
über Weißrussland, der via Ost- bis zur Nordsee gerichtet ist. Dazwischen befindet sich
Deutschland zunächst noch unter einer südlichen, später dann zunehmend südöstlichen
Höhenströmung. Ursache für das Rückdrehen ist die Tatsache, dass der Trog in seinem
südlichen Teil ostwärts gen westliches Mittelmeer respektive Italien schwenkt. Während die
Höhenströmung über dem Osten und Norden weitgehend antizyklonal konturiert ist, ziehen
über den Süden und Westen immer wieder kurzwellige Troganteile nordwestwärts, die zwar
nicht zwingend mit dem bloßen Auge, wohl aber anhand der von der Numerik angebotenen
Omega-Felder erkennbar sind. Damit ist ein nicht unerhebliches Quantum an Dynamik
vorhanden, was nicht ohne Folgen für die heutige Wetterentwicklung bleibt.

Zunächst mal aber richtet sich der Blick in die untere Troposphäre bzw. das bodennahe
Niveau. Dabei zeigt die Druckverteilung ein umfangreiches Hoch über dem Nordmeer, von dem
aus sich ein langgestreckter Keil über die Nord- und Ostsee bis ins nahe Osteuropa
erstreckt. Auf der Südflanke des Keils strömt mit nordöstlichem Wind relativ trockene und
stabil geschichtete Luft in weite Teile Nord- und Ostdeutschlands, was dort einen
wetterinaktiven und vielfach strahlungsreichen Montag zur Folge hat. Mit Ausnahme der
Küstenstreifen, wo der Wind unmittelbar von der See her weht, steigt die Temperatur auf 22
bis 26°C mit den höchsten Werten im ost- bzw. mitteldeutschen Binnenland. Zwar frischt der
NO-Wind tagesgangbedingt mitunter böig auf, bis zum Abend sollten die Spitzen aber meist
unter Stärke 7 Bft bleiben. Einzig in einigen Hochlagen könnte es etwas mehr werden, was
warntechnisch dann aber unter die Einzelfallentscheidung fällt.

Der synoptisch deutlich interessantere Part spielt sich heute im Süden und Westen im
Bereich einer großräumigen Tiefdruckzone oder auch -rinne ab, die sich - SO-NW exponiert -
vom Balkan über die Alpen, NO-Frankreich und das südliche Benelux bis UK/Irland und sogar
noch darüber hinaus erstreckt. Die Tiefdruckzone ist gefüllt mit feuchter und potenziell
instabil geschichteter Warmluft, in der die PPW-Werte zum Teil auf 25 bis 30 mm, punktuell
auch darüber ansteigen. Dazu steigen die CAPE-Werte gebietsweise auf 500 bis 1000 J/kg an
und besonders in den westlichen Landesteilen deutet sich ein nicht unerhebliches Quantum
an hochreichender Scherung an, die sich auch in hohen SRH-Werten von z.T. über 500 m²/s²
widerspiegelt. Selbst wenn man unterstellt, dass diese auf COSMO-EU basierenden Daten rein
von den Werten vielfach zu hoch gegriffen sind, lässt sich doch konstatieren, dass der
"Treibstoff" für substanzielle konvektive Umlagerungen bis hin zu organisierten Strukturen
vorhanden ist. Da - bedingt durch die geschilderte Potenzialkonstellation, aber auch durch
konfluente Strukturen in der Bodenrinne - auch die erforderlichen "Zündfunken" sprich
Hebungsimpulse geliefert werden, ist im wahrsten Sinne des Wortes angerichtet.
Kurzum, in einem vorn SO nach NW verlaufenden Korridor kommt es im Tagesverlauf vermehrt
zu reger Gewittertätigkeit, die bis in den Unwetterbereich reicht. Aufgrund der hohen
PPW-Werte und der insgesamt eher limitierten Strömungsgeschwindigkeit dürfte Starkregen
das primär zu beachtende Begleitelement darstellen. Allerdings sollten aufgrund der
Scherungsbedingungen sowie der vorhandenen CAPE-Werte auch Hagel und Sturmböen ins Kalkül
gezogen werden. Auf Basis von COSMO-DE (-EPS) kristallisiert sich ein relativ schmaler
Streifen heraus, der etwa von Niederbayern über Mittel- und Mainfranken, Teile Hessens bis
nach NRW reicht, in dem die konvektive Aktivität ein Maximum erreichen soll. Aber auch
südlich dieser Linie entwickeln sich Gewitter, die stellenweise ebenfalls bis in den
Unwetterbereich gehen können.

In der Nacht zum Dienstag bleibt die Gewitteraktivität erhalten, wobei sie sich besonders
nach Lesart der deutschen Modellkette noch etwas verstärken soll. Bereits für den
Nachmittag simuliert COSMO-EU im südöstlichen Bayern ein flaches Tief, das im Laufe der
Nacht langsam zur Mitte zieht. Damit verschärfen sich die konfluenten Strukturen in der
untersten Troposphäre, was einen zusätzlichen Hebungsimpuls zur Folge hat. Den Vogel
schießt dabei COSMO-EU ab, das in einem schmalen, von Oberbayern über die
Main-Tauber-Region und Südhessen bis nach Rheinhessen reichenden Streifen 12-h-RR-Mengen
bis zu 110 mm!! anbietet. Diese hohen Mengen werden von anderen Modellen nicht ins Spiel
gebracht und auch die statistischen Anschlussverfahren stützen dieses extreme Szenario
nicht gerade mit Nachdruck. Tatsache ist allerdings, dass es vor allem im Süden und Westen
zu weiteren, von SO nach NW ziehenden Gewittern kommt, die teilweise verclustern und -
bedingt durch den Kulminationseffekt wiederholt über einen Ort ziehender Gewitter - hohe
Regenmengen von durchaus über 50 innert 12 oder auch 24 Stunden bringen können.
Bedingt durch einen niedertroposphärischen Warmlufteinschub nimmt nun auch in den
östlichen Landesteilen die Wahrscheinlichkeit zu, dass von Polen her einige Schauer und
Gewitter hereindriften, während es im Norden zunächst noch trocken bleiben sollte. Dafür
legt dort der NO-Wind insbesondere an der Küste etwas zu, so dass einzelne Böen 7 Bft
möglich sind.

Dienstag... tropft der o.e Trog über Norditalien ab. Der gesamte Höhentrogkomplex reicht
relativ zonal orientiert vom nahen Ostatlantik über Frankreich bis zum nördlichen Balkan.
Zwischen diesem Trog und einem sich über Südskandinavien verstärkenden Höhenhoch liegt
Deutschland unter einer ost-südöstlichen Höhenströmung, in der nach wie vor kurzwellige
Troganteile nordwestwärts schwenken.

Die nach wie vor zonal exponierte Bodenrinne wandert etwas nach Norden, wodurch sich auch
die Zone konvektiver Umlagerungen nordwärts verlagert. Hinsichtlich räumlicher Verteilung
und Intensität der schauerartigen Regenfälle und Gewitter divergieren die Modelle zwar, es
liegen aber weiterhin Signale für unwetterartige Entwicklungen vor. Das ist
nachvollziehbar, da ja ein Luftmassenwechsel innerhalb der Rinne nicht stattfindet. Die
feuchteste Luft (höchsten PPW-Werte, höchste niedertroposphärische spez. Feuchte) liegt am
Nachmittag in einem Streifen, der von BB und Sachsen bis nach NRW und das westliche
Niedersachsen reicht.
Weiter südlich deutet sich eine gewisse Stabilisierung und auch Abtrocknung der Luftmasse
an, allerdings ganz ist die "konvektive Kuh" noch nicht vom Eis. So kommt es gebietsweise
zu schauerartigen Regenfällen und auch Gewittern (vornehmlich über dem Bergland), die in
der Basis als markant abgewarnt werden dürften (Starkregen, kleinkörniger Hagel, Böen bis
8/9 Bft). Ob auch noch mal Unwetter dabei sind, wie von C-EU für das BGL angedeutet, ist
eher fraglich.

Der äußerste Norden liegt bekommt nach wie vor die aus dem Hoch ausfließende trockenere
und stabilere Luft ab, so dass es im unmittelbaren Küstenbereich sowie großen Teilen SHs
weitgehend trocken bleibt. Allerdings frischt der NO-Wind merklich auf mit Böen 7 Bft,
besonders an der Ostsee auch 8 Bft, exponierte Lagen sogar 9 Bft.

In der Nacht zum Mittwoch kommt es in einem zonal über den Norden und Osten verlaufenden
Streifen, der quasi die immer noch vorhandene Tiefdruckrinne markiert, zu weiteren
schauerartigen Regenfällen und Gewittern. Die deutsche Modellkette wartet mit 12h-Mengen
bis zu 50 mm auf, externe Modelle greifen nicht ganz so hoch. Auch hinsichtlich der
räumlichen Verteilung gibt es noch Diskrepanzen. Tatsache ist, dass es im Norden windig,
teils stürmisch bleibt, und im Süden die konvektive Aktivität nachlässt.

Mittwoch... kräftigt sich das Höhenhoch über Norwegen noch etwas und dehnt sich dabei nach
Süden aus. Dabei nimmt der antizyklonale Einfluss im Norden und Nordosten zu. Im
Bodendruckfeld verliert die Rinne weiterhin an Struktur, im Übergangsbereich zwischen der
aus dem Hoch ausfließenden trockenen Luft im Norden und der alternden feuchten Luft im
Süden bleibt aber ein relativ schmaler wetterwirksamer Streifen erhalten. Da die
beteiligte Luftmasse deutlich an Labilität einbüßt, macht sich der Streifen weniger durch
konvektive Prozesse als durch Dauerregen bemerkbar. Wieviel Regen dabei fällt und wo genau
- who knows? Jedes Modell simuliert dieses Szenario etwas anders, wobei tendenziell aber
überall eine gewisse Südverlagerung des Streifens erkennbar ist. In 24 Stunden sind bis
Donnerstagfrüh durchaus noch mal 10 bis 30, punktuell um 40 mm möglich.

Im Norden und Nordosten bleibt es windig mit Böen 7 Bft, an der Ostsee 8 bis 9 Bft aus
Nordosten.

Modellvergleich und -einschätzung
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Die Basisfelder werden von den Modellen ähnlich simuliert. Unterschiede ergeben sich - wie
im Text bereits erwähnt - vornehmlich in Bezug auf die Intensität und die räumliche
Verteilung der Niederschläge bzw. der Gewitter. Die Brisanz der Lage, vor allem im ersten
Teil des Vorhersagezeitraums, wird neben der im Bulletin bereits angesprochenen
Rahmenbedingungen auch dadurch noch gestützt, dass ESTOFEX für den Süden und Westen
Deutschlands ein Level 2 mit Schwerpunkt Starkregen ausgesprochen hat. Wenn auch die
Charakteristik der Niederschläge durch konvektiv geprägten Starkregen geprägt ist, können
sich über einen längeren Zeitraum in der Summe Mengen auftreten, die eigentlich unter das
Dauerregenkriterium fallen. Von daher wurde eine VORABINFORMATIOM UNWETTER vor
HEFTIGEM/ERGIEBIGEM REGEN herausgegeben.

Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach
Dipl. Met. Jens Hoffmann

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