DWD -> Thema des Tages: Von Mitternachtsdämmerung und Weißen Nächten

des Tages

Von Mitternachtsdämmerung und Weißen Nächten

Wer von Ihnen Frühaufsteher ist, wird bemerkt haben, dass es morgens
mit jedem Tag zeitiger hell ist und Hausrotschwanz, Singdrossel und
Amsel dementsprechend auch früher mit ihrem Gesang beginnen. Das ist
ein untrügliches Zeichen dafür, dass wir uns allmählich der
Sommersonnenwende am 21. Juni nähern. Wer sich in der vergangenen
Nacht etwas nördlich einer Linie von Dresden bis nach Köln
aufgehalten hat, hat vielleicht mitbekommen, dass es nicht mehr
völlig dunkel wurde. Das liegt daran, dass die Sonne in diesen
Gefilden aktuell nicht mehr als 18° unter den Horizont sinkt.

Die sogenannte astronomische Dämmerung, von der man in diesem Fall
spricht, nimmt also abends kein Ende und geht direkt in die
Morgendämmerung über. Im Laufe des Frühsommers wandert der Bereich,
in dem es "nie richtig Nacht" wird, immer weiter nach Süden. Dabei
liegt die Grenze am 21. Juni - also zu Sommeranfang - in etwa auf
einer Linie von Passau bis nach Straßburg. Nördlich davon kann man
eine Mitternachtsdämmerung beobachten, südlich davon erlebt man
wirkliche dunkle Nächte.
Von der astronomischen Dämmerung abzugrenzen sind nautische Dämmerung
(die Sonne steht zwischen 6 und 12° unter dem Horizont, wobei große
Sterne und erste Sternbilder erkennbar werden) und bürgerliche
Dämmerung (die Sonne steht bis 6° unter dem Horizont, helle Planeten
erscheinen allmählich). Im äußersten Norden Deutschlands geht um die
Sommersonnenwende herum die nautische Abenddämmerung in die nautische
Morgendämmerung über. Dort zieht das Sonnenlicht als Silberstreif am
Horizont entlang.
Mit jedem Kilometer, den man nach Norden kommt, werden die Nächte im
Sommer heller. Ab etwa 57° nördlicher Breite geht die Sonne nur für
ganz kurze Zeit unter. Der Himmel ist dann oft in ein wunderschön
anzuschauendes Dämmerlicht getaucht.
Berühmt sind die sogenannten Weißen Nächte von Sankt Petersburg, der
nördlichsten Millionenstadt der Erde. Sie bezaubern jedes Jahr
Scharen von Touristen und Einheimischen. Aus diesem Anlass gibt es
auch zahlreiche Feste und Veranstaltungen. Auf der Startseite des
DWD finden Sie rechts unter der Rubrik "Thema des Tages" mit einem
Klick auf [mehr] ein von Herbert Ortner (Wikimedia Commons) um
Mitternacht aufgenommenes Bild der Nikolaus-Marine-Kathedrale in
Sankt Petersburg.

Noch weiter nördlich, nämlich zwischen Nordpol und Polarkreis geht
die Sonne an mindestens einem Tag im Jahr nicht unter. Man spricht
dann von einem Polartag. Aufgrund der Brechung des Sonnenlichtes in
der Atmosphäre lässt sich dieses Phänomen auch knapp südlich des
Polarkreises noch beobachten.

Diese Phänomene lassen sich (zumindest theoretisch) auch auf der
Südhalbkugel beobachten. Theoretisch deshalb, weil es dort, abgesehen
von Antarktika und der Südspitze Südamerikas, keine entsprechende
Landmasse gibt. So gehören beispielsweise die Bewohner von Puerto
Williams - dem südlichsten Ort der Erde - zu den wenigen Menschen,
die sich an Weißen Nächten um die Sonnenwende im Dezember erfreuen.
Dann beginnt nämlich der Sommer auf der Südhalbkugel.



M.Sc. Met. Stefan Bach
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 25.05.2014

Copyright (c) Deutscher Wetterdienst


Diesen Artikel und das Archiv der "Themen des Tages"
finden Sie unter www.dwd.de/tagesthema

Weitere interessante Themen zu Wetter und Klima finden
Sie auch im DWD-Wetterlexikon unter: www.dwd.de/lexikon

Beliebte Posts aus diesem Blog

FPUS54 KOHX FORECAST SUMNER - INCLUDING THE CITY OF GALLATIN

IDW10100 Western Australia Forecast (Australian Government Bureau of Meteorology)

Special Weather Statement for Gallatin, TN