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Thema des Tages

Im Mai wird alles besser ? oder nicht?!

Nein, die Wärmeliebhaber haben zurzeit nicht viel zu lachen. Seit
Ostern herrscht in Deutschland meist kühles, feuchtes, ja phasenweise
spätwinterliches Wetter mit Schnee teils bis in tiefe Lagen vor. Dass
das Frühlingswetter mit Sonnenschein und höheren Temperaturen am
heutigen Montag in einigen Regionen ein kurzes Gastspiel gibt, mag da
nur ein schwacher Trost sein. Denn, das konnten Sie im gestrigen
Thema des Tages lesen, der April verfällt rasch wieder in den alten
Trott, das wechselhafte und kühle Wetter kehrt zurück. Glück haben
diejenigen, die vor einer Reise in wärmere Gefilde stehen und den
Wetteraussichten mit einer gewissen Gelassenheit begegnen können. Für
alle Anderen bleibt nur eins: Nehmen, wie es kommt, und darauf
hoffen, dass im Mai alles ?besser? wird.

Die ?Wärmefraktion? setzt nämlich schon fast traditionell große
Hoffnungen in den Mai. Immerhin trägt er mit einer unerschütterlichen
Selbstverständlichkeit die Auszeichnung ?Wonnemonat?. Zu Recht?

Nun, betrachtet man das Monatsmittel der Temperatur im Mai für
Deutschland, kommt man zu der ganz nüchternen Erkenntnis, dass der
?Wonnemonat? mit deutlich höheren Werten aufwartet als der April,
nämlich 12,0 Grad Celsius im Vergleich zu 7,3 Grad Celsius auf Basis
des Referenzzeitraumes 1961-90. Der Mai profitiert dabei natürlich
von der fortschreitenden Jahreszeit und dem höheren Sonnenstand.

Bildet man das Temperaturmittel über den gesamten Monat, ?bügelt? man
allerdings geflissentlich die starken Temperaturgegensätze im Mai
weg. Denn während vor allem in der ersten Monatshälfte ?Väterchen
Frost? noch gehöriges Mitspracherecht hat, übernimmt meist erst zum
Ende des Monats hin der Sommer zunehmend das Regime. Zwischen mäßigem
Frost (z. B. -7,5 Grad in Eslohe am 09.05.1941) und heißen Tagen mit
Höchsttemperaturen über 30 Grad (z. B. 36,1 Grad in Jena am
28.05.1892) ist im Mai alles möglich. Fast alle DWD-Stationen
meldeten im Mai seit Aufzeichnungsbeginn schon mal Nachtfrost,
immerhin etwa ein Drittel eine geschlossene Schneedecke. Gleichzeitig
konnten im Schnitt an 9 von 10 DWD-Stationen schon Temperaturen über
30 Grad beobachtet werden und sogar Tropennächte mit
Tiefsttemperaturen über 20 Grad sind an einzelnen Orten aufgetreten.
Insbesondere während der warmen Phasen steigt das Starkregenpotenzial
aufgrund des höheren Wasserdampfgehaltes der Luft deutlich an. Gerade
diese Starkregenereignisse sind es, die den Mai im Flächenmittel zu
einem der regenreichsten Monate machen.

Sie sehen, die meteorologische Bandbreite, mit der der Monat Mai
aufwartet, ist enorm. Dass ein Mai durchweg ?wonnig? verläuft, ist
also ein eher unrealistisches Szenario, statistisch gesehen. Apropos
Statistik: Die ?Neigung? des Mais, nochmal mit spätwinterlichem
Wetter zu überraschen, manifestiert sich schlussendlich sogar in
einem Witterungsregelfall: Während der ?Eisheiligen? vom 11. bis zum
15. Mai kommt es nämlich ganz besonders gerne zu ganz und gar nicht
wonnigen Kaltlufteinbrüchen.

Wie der diesjährige Mai wettertechnisch genau abläuft, steht
selbstverständlich noch in den Sternen. Ohne zu sehr
?Kaffeesatzleserei? zu betreiben, werden wir nach aktuellem Trend zum
Ende dieser Woche die Talsohle durchschritten haben. Pünktlich zum
Monatswechsel deutet sich schließlich ein langsamer
?Temperaturaufschwung? an. Also wird vielleicht doch alles besser im
Mai?

Dipl.-Met. Adrian Leyser
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 24.04.2017

Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

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