DWD -> Regionenwetter - Baden-Württemberg -

VHDL16 DWSG 231000
Regionenwetter-aktuell für Baden-Württemberg

ausgegeben von der Regionalen Wetterberatung Stuttgart
am Sonntag, 23.04.2017, 11:30 Uhr

Im Südwesten zunehmend heiter, im Nordosten mehr Wolken. Tagsüber
warnfrei, kommende Nacht verbreitet Frost.

Vorhersage für Baden-Württemberg:
Heute Mittag ist der Himmel wechselnd bewölkt. Im Tagesverlauf zeigt
sich im Südwesten immer häufiger die Sonne, im Nordosten sind dagegen
Quellwolken häufig und es besteht dann ein geringes Schauerrisiko,
meist bleibt es aber auch dort trocken. Die Temperaturen steigen auf
6 Grad im höheren Bergland und örtlich bis zu 14 Grad im südlichen
Rheintal. Der Wind weht schwach aus nördlichen Richtungen und frischt
im Tagesverlauf stellenweise böig auf.

In der Nacht zum Montag werden die Wolken rasch weniger, meist ist es
sternenklar. Die Tiefstwerte liegen zwischen +1 Grad am Bodensee und
-4 Grad im Bergland, frostfrei bleibt es dabei voraussichtlich nur
streckenweise entlang des südlichen Oberrheins sowie an Hochrhein und
Bodensee. Im ganzen Land wird Bodenfrost erwartet.

Am Montag zeigt sich trotz einigen im Tagesverlauf durchziehenden
Schleierwolken häufig die Sonne. Es bleibt trocken. Die Höchstwerte
liegen zwischen 13 Grad im Bergland und 18 Grad an Ober- und
Hochrhein. Der Wind weht überwiegend schwach aus unterschiedlichen
Richtungen und frischt im Tagesverlauf böig auf.

In der Nacht zum Dienstag nehmen die Wolken von Süden zu und es kommt
gebietsweise Regen auf. Die Tiefstwerte liegen zwischen 9 und 2 Grad.
In den Gipfellagen des Südschwarzwaldes kommen starke bis stürmische
Böen, am Feldberg Sturmböen aus Südwest auf.

Am Dienstag wird bei starker Bewölkung im Tagesverlauf zunehmend
schauerartig verstärkter Regen erwartet, welcher in den höchsten
Berglagen zeitweise mit Schnee vermischt sein kann. Die Temperaturen
erreichen Höchstwerte um 12 Grad im höheren Bergland und bis 17 Grad
am Bodensee. Der mäßige Wind kommt aus Südwest bis West und lebt
gebietsweise stark böig auf. Im Bergland werden teils stürmische
Böen, in den Gipfellagen des Südschwarzwaldes Sturmböen erwartet. Am
Abend schwächt sich der Wind ab.

In der Nacht zum Mittwoch fällt aus dichten Wolken verbreitet teils
schauerartiger Regen. In höheren Lagen von Alb und Schwarzwald
mischen sich zunehmend Schneeflocken unter den Regen. Die Temperatur
geht auf +5 bis -1 Grad zurück. Vor allem im Bergland muss mit
Bodenfrost gerechnet werden. In den Gipfellagen des Südschwarzwaldes
treten starke bis stürmische Böen aus West auf.

Am Mittwoch ist es meist stark bewölkt bis bedeckt, im Nordwesten und
Norden kann sich ab und an die Sonne zeigen. Hier werden örtliche
Schauer erwartet. Ansonsten fällt zeitweise, im Südosten auch länger
anhaltender Regen, im höheren Bergland Schnee. Die Höchstwerte liegen
zwischen 4 Grad im Bergland und bis zu 12 Grad im Kraichgau. Der Wind
weht schwach bis mäßig mit frischen Böen aus westlichen Richtungen.

In der Nacht zum Donnerstag regnet es bei dichter Bewölkung im
Südosten zeitweise, in höheren Lagen fällt Schnee. Sonst klingen
letzte Schauer rasch ab und die Wolken lockern auf. Die Tiefstwerte
liegen in den Niederungen zwischen +3 und 0 Grad, im Bergland
zwischen 0 und -2 Grad. Hier besteht Glättegefahr durch überfrierende
Nässe oder etwas Schnee. Es kommt häufig zu Frost in Bodennähe.

Deutschlandübersicht:
Offenbach, Sonntag, den 23.04.2017, 11:30 Uhr -
"Verantwortlich für die überwiegend spätwinterliche Witterungsperiode
Mitte und Ende April ist die derzeitige Luftdruckverteilung am Boden
und in der Höhe. Am heutigen Sonntag herrscht in Bodennähe um das
Hoch "Querida" herum von Grönland bis nach Westeuropa hoher Luftdruck
vor. Weiter östlich konnte sich dagegen tiefer Luftdruck einnisten.
Vor allem der Tiefdruckkomplex um das Tief "Quentin", das sich
derzeit über Nordwestrussland und Finnland tummelt, lässt vom
Nordmeer bis zum Schwarzen Meer kaum Raum für Hochdruckgebiete.
Zwischen diesen beiden Luftdruckgegensätzen konnte sich eine
nordwestliche bis nördliche Grundströmung einstellen, die polare
Luftmassen anzapft und über die Nordsee nach Mitteleuropa
transportiert. Die noch recht kalte Nordsee kann dabei die Luftmassen
kaum erwärmen, sodass Deutschland im April weiter unterkühlt
daherkommt.

Auch die Luftdruckverteilung in der Höhe (500 hPa, ~5500 m), die
meistens als Wiege des Wettergeschehens angesehen werden kann,
spiegelt derzeit die Bodenverhältnisse wider. Das Hoch "Querida" ist
sehr hochreichend und ist auch im besagten Höhenniveau über dem
Ostatlantik bestimmend. Auch über Skandinavien und Nordrussland
herrscht entsprechend der Bodenverhältnisse tiefer Luftdruck vor.
Daher ist auch in der Höhe eine nordwestliche Windströmung aktiv.
Dieser sogenannte Polarjet (in etwa 300 hPa, vgl.
http://bit.ly/2n8zq7x) zieht sich von Island über Deutschland hinweg
bis nach Griechenland und erreicht Windgeschwindigkeiten von über 100
kt (> 185 km/h). In dem 850 hPa Niveau, also auf etwa 1500 Metern,
weht der Wind immer noch mit Geschwindigkeiten über 30 kt (> 58km/h)
sodass bei Schauern und Wintergewittern auch in Bodennähe mit starken
bis stürmischen Böen zu rechnen ist. Durch den Wind-Chill-Effekt
(vgl. http://bit.ly/2oVaioL) fühlen sich dementsprechend die
Temperaturen noch kühler an.

Dass sich am Montag dennoch ein Hauch von Frühling in Deutschland
durchsetzen kann, haben wir Tief "Reiner" zu verdanken. Dieses liegt
am heutigen Sonntag noch vor Schottland und wird sich mit der
angesprochenen nordwestlichen Strömung im weiteren Verlauf unter
Verstärkung Richtung Dänemark und Ostsee verlagern. Auf dessen
Vorderseite dreht der Wind vorübergehend auf Südwest, sodass der
Zustrom an polarer Luft gekappt und durch mildere Luft aus
südlicheren Breiten ersetzt wird. Einhergehend können die
Temperaturen im Süden am Montag bei Zwischenhocheinfluss und somit
viel Sonnenschein bis nahe an die 20-Grad-Marke steigen. Doch schon
am Montagnachmittag und in der Nacht zum Dienstag ist es von Norden
her mit dem zarten Frühlingshauch schon wieder vorbei. Denn
rückseitig von "Reiner", also auf dessen Westflanke, kann erneut
polare Luft einströmen und allmählich die mildere Luft verdrängen.

Auf dem Weg über die Nordsee kann die Luft zudem genügend Wasser
aufnehmen, welches nachfolgend schließlich wieder zum Boden zurück
fällt. Da die Luft in höheren Schichten (5 km) bei Temperaturen unter
-25 Grad sowohl in den vergangen Tagen als auch in der kommenden
Woche sehr kalt ist, stellen sich kräftige vertikale Luftumwälzungen
ein. Die noch vergleichsweise warme und somit leichte bodennahe Luft
steigt auf, während die sehr kalte und schwere Höhenluft absinkt. Je
nach vertikalem Temperaturverlauf, Stärke der Aufwinde und bodennahen
Verhältnisse sind teils kräftige Regen-, Schnee- oder Graupelschauer
die Folge. Im Stau der Berge kann es auch länger schauerartig
verstärkt regnen oder schneien.

Bis zum Ende des Monats müssen wir uns wohl noch gedulden und mit
eher spätwinterlichen Witterungsverhältnissen begnügen. Ob der Mai
dann seinem Namen als Wonnemonat alle Ehre macht, wird sich zeigen.
Diverse Modellprognosen geben zumindest Hoffnung auf die Rückkehr des
Hochfrühlings. Nächste Woche wissen wir mehr. "

Das erklärt Dipl.-Met. Lars Kirchhübel von der
Wettervorhersagezentrale des Deutschen Wetterdienstes (DWD) in
Offenbach zum Wetter der kommenden Tage.


Hinweis:
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