SXDL33 DWAV 1030UTC DWD Synoptische Uebersicht MITTELFRIST

S Y N O P T I S C H E Ü B E R S I C H T M I T T E L F R I S T
ausgegeben am Mittwoch, den 24.06.2015 um 10.30 UTC



Zunächst Westlage, ab Montag Umstellung auf eine Blockadelage mit größeren
Unsicherheiten
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Synoptische Entwicklung bis zum Mittwoch, den 01.07.2015


Zu Beginn der Mittelfrist am Samstag herrscht vom Atlantik, bis nach
Mitteleuropa eine kräftige westliche Strömung mit relativ weit südlich
verlaufender Frontalzone. Ein kräftiges steuerndes Tief befindet sich über dem
Atlantik südwestlich von Island. Ein weiteres Geopotentialminimum erstreckt sich
über Skandinavien bis ins Baltikum. Dieses steht in Verbindung mit einem
ausgeprägten Langwellentrog über Osteuropa. Deutschland liegt im Einflussbereich
eines Kurzwellentrog. Die Zugehörige Kaltfront liegt quer über Deutschland.
Vorderseitig wird noch mal labile und etwas wärmere Luft (850-hpa-Temperatur um
10 °C) in den Südosten advehiert, in der sich in einer vorlaufenden
Tiefdruckrinne Gewitter bilden.

Am Sonntag liegt der Kurzwellentrog über Ostdeutschland und Polen, wobei
rückseitig ein Schwall grönländischer Polarluft einfließt. Diese gelangt jedoch
im Westen Deutschlands unter dem Einflussbereich eines flachen Höhenkeils, der
sich vorderseitig des Atlantiktiefs aufwölbt.


Am Montag verbleibt Deutschland in einer westlichen bis nordwestlichen
Höhenströmung, wobei ein weiterer eingelagerter Höhentrog Deutschland überquert.
Bodennah wird unter schwachem Hochdruckeinfluss wärmere und feuchtere Luft
advehiert (850-hPa-Temperatur um 10 °C).

Am Dienstag stellt sich die Wetterlage um. Vorderseitig des sich weiter
verstärkenden Atlantiktiefs wölbt sich ein kräftiger Rücken mit Achse über
Westeuropa auf. Im Zusammenspiel mit dem Langwellentrog über Osteuropa ergibt
sich eine ausgeprägte Blockadelage. Vorderseitig des Tiefs wird Saharaluft über
Spanien bis nach Frankreich advehiert, die durch starkes Absinken noch
adiabatisch erwärmt wird. In Deutschland stellt sich zwischen dem
westeuropäischen Keil und dem osteuropäischen Trog eine nordwestliche
Höhenströmung ein, in der noch kühle Meeresluft in den Nordosten gelenkt wird,
während der Süden unter wärmerer Subtropikluft verbleibt. Bodennah setzten sich
antizyklonale Verhältnisse durch.

Im weiteren Verlauf kommt die Keilachse bis zum Ende der Woche allmählich
Richtung Mitteleuropa voran, wobei sich der Keil bis nach Skandinavien und ins
Nordmeer amplifiziert. Bodennah erstreckt sich gegen Ende der Woche ein
korrespondierendes Hochdruckgebiet vom Mittelmeer bis Skandinavien. Von Westen
her wird die heiße Saharaluft nur allmählich ostwärts advehiert, wobei der Osten
Deutschlands am Mittwoch noch unter dem Einfluss der kühleren Meeresluft
verbleibt. Am Freitag wird die 20-Grad-isotherme auf 850-hPa an der westgrenze
Deutschlands simuliert, während im Osten auf diesem Niveau etwa 13 °C berechnet
werden.
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Bewertung der Konsistenz des operationellen Laufs


Die Konsistenz des ECMWF00z-Laufs zu den Vorläufen ist bis Montag sehr gut.
Allenfalls der Trog am Sonntag ist über Ostdeutschland und Polen im neuen Lauf
noch stärker ausgeprägt, wobei sich die Durchsetzung des Keils etwas verzögert,
was am Sonntag zu wolkigerem und etwas kühleren Wetter, als in den Vorläufen
führt.
Ab Dienstag zeigt sich in den neuen Läufen der Trend, dass der westeuropäische
Hochkeil, der gegen Mitte der Woche die deutliche Erwärmung bringen soll,
deutlich langsamer nach Osten vorankommt. Die Folge ist, dass im neuen Hauptlauf
der Hauptwarmluftvorstoß über Frankreich anstatt über Deutschland geht. Wurden
im gestrigen 00z-Lauf am Mittwoch noch über 20 °C auf 850-hPa über
Ostdeutschland simuliert, sind es im neuen Lauf unter 10 °C.
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Vergleich mit anderen globalen Modellen


Die Modelle zeigen große Unterschiede bezüglich der Entwicklung und Intensität
des Atlantiktiefs, was nachhaltige Auswirkungen auf die Wetterentwicklung bei
uns hat. Zwar wird die Umstellung auf eine Blockadelage von allen Modellen
gezeigt, jedoch ist die Position des Keils sehr unterschiedlich. Während ICON
anfangs noch ähnlich aussieht, wie ECMWF, lässt es bereits ab Dienstag den Keil
rascher nach Osten vorankommen und recht flach auf Deutschland übergreifen.

GFS rechnet die Amplitude des Keils stärker und die Keilachse weiter westlich,
wobei ein kräftiges Bodenhoch Richtung Skandinavien vorstößt. Der Osteuropatrog,
wird bereits am Montag von einem über Deutschland laufenden Kurzwellentrog
regeneriert und verlagert sich zunächst retrograd, dann kommt es zum Cut-Off,
wobei ein Cut-Off-Tief mit Zentrum über Polen liegen bleibt und Deutschland
beeinflusst. Es kommt zu einer High-Over-Low-Lage wobei Deutschland in der Höhe
meist unter zyklonalem Einfluss verbleibt und es zahlreichen Gewitter gibt. Die
heiße Saharaluft greift dabei nie ganz auf Deutschland über. Die
850-hPa-Temperaturen bewegen sich zwischen 8 und 15 °C)

Die GEM Lösung ähnelt zunächst ECMWF, lässt aber dann am Ende der Woche mit dem
Keilvorstoß die 24°C-isotherme über Deutschland weit nach Norden vorankommen.
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Bewertung der Ensemblevorhersagen


Die Rauchfahnen des ECMWF weißen bis Montag kaum Streuung auf. Ab dann zeigt
sich eine extreme Streuung in der 850-hPa-Temperatur. Diese weist am Dienstag
ein Spread von 4 bis 20 °C auf. Wobei ein Erwärmungstrend bis zum Ende der Woche
in nahezu allen Membern zu sehen ist. Wobei die ganz warmen Member im Norden
seltener sind. Auch im Süden hat sich die Zahl der ganz warmen Member
(850-hPa-Temperatur > 15 °C) im Vergleich zu den gestrigen ENS verringert. Haupt
und Kontrolllauf liegen zunächst in der Mitte, gegen Ende der Woche im oberen
Bereich der Ensembles. Niederschläge sind in den EPS ab Dienstag kaum noch zu
finden. Der Geopotentialanstieg am Dienstag wird von allen Membern mehr oder
weniger stark ab Sonntag berechnet.

Die GFS-ENS sehen bis Mittwoch einheitlicher aus, zeigen auch die Erwärmung mit
einigen Spitzen bis 20 °C in 850-hPa auf, das Mittel bleibt aber abgesehen vom
Süden unter 15 °C, wobei sich gegen Ende der Woche sogar wieder ein leichter
Abwärtstrend einstellt. Der GFS-Hauptlauf befindet sich mit seiner kühleren
Lösung im unteren Bereich der ENS.

Die ECMWF-Clusteranalyse zeigt von Montag bis Mittwoch 2 Cluster. Custer 1 mit
28 Membern entspricht der Lösung vom Hauptlauf. Cluster 2 rechnet mit 23 Membern
den Keilvorstoß flacher und weiter östlich über Mitteleuropa (ICON-Lösung). Ab
Donnerstag gibt es dann 4 Cluster mit nahezu gleicher Anzahl an Membern. 2
Cluster simulieren den Übergang in eine Südwestlage bzw. antizyklonale Westlage.
2 Cluster belassen es bei der Blockadelage.

Fazit: Bis Montag ist die Vorhersage relativ sicher. Das wechselhafte Wetter
setzt sich auf einem etwas höheren Temperaturniveau fort. Der Verlauf der
Erwärmung nächste Woche ist jedoch noch sehr unsicher und hängt stark von der
Entwicklung des Atlantiktiefs ab. Wie schnell sich die Erwärmung durchsetzt und
wie intensiv sie wird, lässt sich derzeit kaum vorhersagen. Eine sommerliche
Periode gilt als wahrscheinlich, jedoch ist die ganz große Hitzewelle mit
mehreren heißen Tagen im Vergleich zu den gestrigen Läufen unwahrscheinlicher
geworden.
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Wahrscheinlichkeiten für signifikante Wettererscheinungen


Zunächst kann es in der mäßig warmen Luftmasse am Samstag und Montag wiederholt
zu Gewittern kommen. Mit Vorstoß des Keils sollten dann keine signifikanten
Wetterereignisse mehr auftreten. Sollten wir allerdings in der 2. Hälfte der
kommenden Woche irgendwann auf die Trogvorderseite gelangen, nimmt die Neigung
zu Gewittern zu, die dann auch heftig werden können. Stärkere Signale für eine
Schwergewitterlage sind jedoch derzeit noch nicht gegeben.
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Basis für Mittelfristvorhersage
ECMWF, ECMWF-ENS-mittel, MOS-MIX
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VBZ Offenbach / Dipl. Met. Christian Herold

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