SXDL31 DWAV 0800UTC DWD Synoptische Uebersicht KURZFRIST

SXEU31 DWAV 250800
S Y N O P T I S C H E Ü B E R S I C H T K U R Z F R I S T
ausgegeben am Donnerstag, den 25.06.2015 um 08 UTC


GWL und markante Wettererscheinungen:
NW z
Entwicklung einer schwachen Hochdrucklage. Vorerst keine markanten
Wettergefahren.

Synoptische Entwicklung bis Samstag 24 UTC
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Donnerstag... gelangt Deutschland an die Vorderseite eines sich über Westeuropa
aufwölbenden Höhenrückens. In der hieraus resultierenden nordwestlichen Strömung
ist ein breiter Trog eingelagert, der südostwärts gesteuert wird. Im
Tagesverlauf überquert dieser vor allem in höheren Troposphärenschichten
ausgeprägte Trog unter Vergrößerung der Amplitude das Vorhersagegebiet und
regeneriert den über Osteuropa liegenden Langwellentrog. Dies geht weitgehend
ohne nennenswerte dynamische Antriebe vonstatten. Zwar ist mit diesem Trog ein
Einschub labilerer Luft verbunden, aber der Trog überläuft die ihm vorgelagerte
schwache Tiefdruckrinne und hat bereits den Osten Deutschlands erreicht, bevor
der Tagesgang so recht wirksam werden kann. Auch ist ein Erreichen der
Auslösetemperatur, die im Norden und Osten Deutschlands zwischen 21 und 24 Grad
liegt, kaum vorstellbar. Konvektive Umlagerungen sind im Norden noch am ehesten
möglich; MOS und auch hoch auflösende probabilistische Verfahren liefern
schwache Signale. Im weitaus größeren Teil Norddeutschlands dürfte es allerdings
trocken bleiben.
Für unser Wettergeschehen wesentlich mehr von Bedeutung ist die nordwestliche
Strömung an der Vorderseite des sich über den Britischen Inseln erneut
aufwölbenden Höhenrückens. In diese werden die Reste einer Warmfront über der
Nordsee eingesteuert. Dies äußert sich bereits in einem Aufzug mittelhoher und
hoher Bewölkung.
Möglicherweise kann an dieser Warmfront eine flache Welle ablaufen, wodurch dann
im Nordwesten und im Norden erneut geringe Niederschläge aufkommen werden. Diese
sind allerdings fernab von jeglicher Warnrelevanz. Aber auch die anderen Gebiete
bleiben von der von Nordwesten hereindriftenden Bewölkung nicht verschont, so
dass gegenüber gestern weitgehend auf Erhaltungsneigung gesetzt werden kann. Da
sich eine ausgesprochen gradientschwache Lage einstellt, kommt auch eine
Durchmischung nicht so recht in Gang. Da aber nieder- und mitteltroposphärisch
ein Temperaturanstieg einsetzt, sollten hiervon auch die bodennahen Schichten
ein wenig profitieren. Somit dürften die Temperaturen auf 17 bis 23, in
Oberrheinnähe mit Hilfe der Sonne bis 25 Grad steigen.
In der Nacht zum Freitag greift der Höhenrücken auf die westliche Nordsee und
Ostfrankreich über. Dieser wird durch Warmluftadvektion gestützt, so dass,
abgesehen vielleicht vom Süden, weiterhin tiefe und mittelhohe Bewölkung mit
vereinzelten geringen Niederschlägen, dominieren dürfte. In den südlichen Teilen
Deutschlands kann sich erneut stellenweise flacher Nebel bilden.

Freitag... verlagert sich der Höhenrücken nach Mitteleuropa, kann aber über dem
Vorhersagegebiet nicht so recht Fuß fassen und rutscht nach Südosten ab, d.h. er
wird in den über Südosteuropa liegenden Trog eingesteuert. Gegenüber weiter
zurückliegenden Modellläufen wird dieser Prozess allerdings etwas langsamer
simuliert. Danach stellt sich eine west-südwestliche Strömung ein, die im Norden
und in der Mitte leicht mäandriert. Durch diese Mäandrierungen können einzelne
Schauer ausgelöst werden. Für Gewitter dürfte die Labilität nicht hinreichend
sein. Dort, wo die Luftmasse am labilsten geschichtet ist, d.h. über dem
Südwesten, ist das Feuchteangebot am geringsten und das Absinken am stärksten,
was hoch reichende Konvektion unterbinden dürfte.
Derweil hat über dem Atlantik bereits wieder eine Zonalisierung eingesetzt. Aus
der Zonalströmung läuft ein breiter Trog heraus, der bis zum Abend die
Britischen Inseln erreicht. Diesem Trog ist ein schwaches Frontensystem
vorgelagert, das zum Abend hin die Benelux-Staaten und Ostfrankreich erreicht.
Vorderseitig gelangt in den Südwesten und Westen etwas labilere Luft
subtropischen Ursprungs, deren Herkunftsgebiet sehr wahrscheinlich der südliche
Nordatlantik vor der Iberischen Halbinsel ist. Eine Auslösetemperatur, die
zwischen 26 Grad im Westen und 32 Grad im Südwesten liegt, sollte selbst im
Westen wohl nur mit Mühe erreicht werden. Hochreichende Konvektion ist somit im
Bereich der westlichen Mittelgebirge und dort vor allem westlich des Rheins am
wahrscheinlichsten. Allerdings sind nur lokal eng begrenzt kräftigere
Entwicklungen vorstellbar. Im weitaus größten Teil auch dieser Region sollte es
niederschlagsfrei bleiben. Von einer unwetterträchtigen Situation sind wir somit
noch weit entfernt. Gegenüber weiter zurückliegenden Modellläufen wurden
entsprechende Niederschlagssignale reduziert.
Die Tageshöchsttemperaturen erreichen in den tieferen Lagen Südwest- und
Süddeutschlands 24 bis 28 Grad und in den anderen Gebieten 18 bis 24 Grad.
In der Nacht zum Samstag greift ein in die südwestliche Strömung eingelagerter
kräftigerer Kurzwellentrog auf Ostfrankreich über und erreicht in den
Frühstunden den äußersten Westen Deutschlands. Dieser vor allem in höheren
Troposphärenschichten ausgeprägte Trog könnte Bewegung in die Lage bringen,
indem er den hierfür erforderlichen Hebungsantrieb liefert. Das Resultat wären
kräftigere Niederschläge; möglicherweise sogar Starkniederschläge, die
vielleicht auch mit Gewittern einhergehen können. Ausgenommen hiervon bleibt
sicherlich der Süden, wo noch schwacher Hochdruckeinfluss wetterwirksam ist.
Welche Gebiete von diesen Starkniederschlägen betroffen werden und ob diese
überhaupt auftreten, ist noch unsicher.

Samstag... erfasst auch dieser Trog das Vorhersagegebiet und kommt bis zum Abend
etwa bis zur Mitte Deutschlands voran. Diesem Trog ist ein Frontensystem
vorgelagert, das in eine flache Tiefdruckrinne eingebettet ist. Da sich dieser
Trog gegenüber weiter zurückliegenden Modellläufen verzögert, gelangt das
Frontensystem an dessen Vorderseite und somit in eine für intensivere
Wettererscheinungen günstigere Position. Im Bereich dieses Warmsektors konnte in
die südlichen und mittleren Teile Deutschlands Luft subtropischen Ursprungs, die
vom Nordatlantik aus dem Seegebiet südwestlich der Iberischen Halbinsel stammt,
gelangen, die zudem labil geschichtet ist. Der Gehalt an niederschlagbarem
Wasser steigt auf mehr als 30 mm, CAPE auf 500 bis 1000 J/kg. Hinsichtlich der
Zutaten ist alles vorhanden, was für hoch reichende und möglicherweise auch
unwetterträchtige Konvektion erforderlich ist. Dies wären Labilität, Feuchte und
die trogvorderseitige Hebung. Die Auslösetemperatur, die zwischen 18 und 24 Grad
liegt, sollte mühelos erreichbar sein. Was fehlt, ist sehr wahrscheinlich die
Einstrahlung, so dass es sich bei der Konvektion eher um eingelagerte Ereignisse
handeln dürfte.
In welchen Regionen die heftigsten Entwicklungen zu erwarten sind, ist noch
unsicher. Wahrscheinlich sind diese im Osten und Süden zu erwarten. Diese
Gebiete verbleiben noch die längste Zeit an der Trogvorderseite, so dass dort
die Zutaten durch die Wirksamkeit des Tagesganges ergänzt werden. Im Nordwesten
und Westen setzt dagegen alsbald Stabilisierung ein. Diese Gebiete werden von
der Kaltfront erfasst, postfrontal fließt trockenere Luft ein, später lockern
die Wolken auch wieder auf.
Die Tageshöchsttemperaturen gehen gegenüber Freitag aufgrund der verringerten
Einstrahlung ein wenig zurück. An Ober- und Hochrhein sollten aber Maxima um 25
Grad noch einmal möglich sein.
In der Nacht zum Sonntag setzt sich von Westen her Hochdruckeinfluss durch, was
durch einen breiten Höhenrücken weiter westlich gestützt wird. Hierdurch kann es
in weiten Teilen Deutschlands aufklaren. Folglich verlagert sich das
Niederschlagsgeschehen in den äußersten Osten und in den Süden und dort vor
allem zu den Alpen. Bedingt durch Stau sind am Alpenrand auch noch
Starkniederschläge möglich die anfangs mit Gewittern einhergehen können. Dabei
besteht noch eine geringe Unwettergefahr.

Modellvergleich und -einschätzung
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Die vorliegenden Modelle zeigen durchweg ein ähnliches Verhalten. Anhand der
synoptischen Basisfelder lassen sich keine prognoserelevanten Unterschiede
ableiten. Auch bzgl. der Entwicklung am Samstag erfolgte gegenüber den anderen
Modellen eine Angleichung.
Probabilistische Verfahren liefern bzgl. der Entwicklung am Samstag und in der
Nacht zum Sonntag keinen Erkenntnisgewinn.

Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach
Dipl. Met. Thomas Schumann