SXDL31 DWAV 1800UTC DWD Synoptische Uebersicht KURZFRIST
SXEU31 DWAV 241800
S Y N O P T I S C H E Ü B E R S I C H T K U R Z F R I S T
ausgegeben am Mittwoch, den 24.06.2015 um 18 UTC
Markante Wettererscheinungen:
Schwacher Hochdruckeinfluss ohne großartige markante Wettererscheinungen. Am
Donnerstag im Norden einzelne Gewitter möglich.
Synoptische Entwicklung bis Samstag 12 UTC
-------------------------------------------------------------
Aktuell ... befindet sich Deutschland an der Südwestflanke eines
Höhentiefkomplexes mit Drehzentren vor der Halterbank und über dem Bottnischen
Meerbusen unterhalb einer westnordwestlichen Höhenströmung. Darin eingebettet
verlagert sich ein relativ breit angelegter und somit zunächst auch wenig
wetterwirksamer Kurzwellentrog, der in 300 hPa besser im Geopotentialfeld
auszumachen ist als in 500 hPa, über die Nordsee bis Donnerstagfrüh nach
Nordwestdeutschland. Dahinter wölbt sich ein markanter Höhenrücken im Bereich
der Britischen Inseln Richtung Norden auf und die Höhenströmung dreht mehr auf
Nordwest.
Im Bodenfeld verlagert sich der mit dem Höhentrog korrespondierende
Tiefdruckkomplex insgesamt weiter nordostwärts und füllt sich auch ein wenig
auf, während sich über dem Süden und der Mitte des Landes der Hochdruckeinfluss
noch ein wenig verstärkt. In der Früh befindet sich der Schwerpunkt des Hochs
bereits über Tschechien. Insgesamt fächert auch an der Ostsee der Gradient
weiter auf, so dass starke Windböen ab den späten Abendstunden auch dort keine
Rolle mehr spielen.
Eine mit dem Kurzwellentrog korrespondierende Warmfront greift später auf den
Nordwesten Deutschlands über, macht sich zunächst aber nur in Form mittelhoher
Wolkenfelder bemerkbar, die über der Westhälfte Deutschlands recht weit nach
Süden ausgreifen.
Vor allem im Norden und Osten des Landes halten sich auch die Nacht über hinweg
gebietsweise dichte tiefe Wolkenfelder (meist Sc, später auch St), die mit der
schwachen nordwestlichen Strömung von der Nordsee her landeinwärts driften.
Die größten Wolkenlücken gibt es somit in den mittleren Landesteilen und vor
allem auch im Südosten und Süden, wo es vielerorts gering bewölkt bleibt. Ganz
vereinzelt kann sich auch mal Nebel bilden.
Donnerstag ... kommt der Kurzwellentrog über Nord- und Ostdeutschland ostwärts
voran und weitet sich dabei nach Süden aus. Abends befindet sich dessen Achse
(in 300 hPa) bereits in etwa über der Ostgrenze Deutschlands.
Nach wie vor halten sich die Hebungsvorgänge auf dessen Vorderseite sehr in
Grenzen, allerdings reichen sie dennoch aus, die Wetteraktivität im Umfeld der
korrespondierenden Warmfront über Norddeutschland etwas zu erhöhen. Die
simulierten Niederschlagsmengen (maximal wenige mm) liegen aber weit unterhalb
jeglicher Warnrelevanz.
Allerdings kommt es rückseitig der Warmfront vor allem über Nord- und später
auch Teilen Ostdeutschlands zu einer Labilisierung der Luftmasse. Einerseits
sinkt die Temperatur im Trogbereich auf nahe -20 Grad, andererseits wird
niedertroposphärisch von Südwesten her etwas wärmere Luft herangeführt. Die
Temperatur in 850 hPa steigt bis zum Abend auf Werte zwischen 6 Grad auf Rügen
und 13 Grad über dem Bodensee.
COSMO_EU simuliert vor allem für die Norddeutsche Tiefebene eine ML-Cape von 100
bis knapp 300 J/kg, andere Modelle (WRF 4 km) teilweise auch für die östlichen
Landesteile bis zum Erzgebirge bzw. nach Ostbayern. Die ppw-Werte steigen auf
über 20 bis nahe 25 mm. Etwas Einstrahlung vorausgesetzt (die
Auslösetemperaturen liegen bei knapp über 20 Grad) ist somit durchaus mit
konvektiven Niederschlägen zu rechnen. Meist dürften die vereinzelten Gewitter -
so es überhaupt für Gewitter reicht und nicht nur bei Schauern bleibt - mit
"gelb" (starke Windböen) genügend abgewarnt sein, ganz vereinzelt sind auch mal
ein Starkregenereignis (über 15 mm pro Stunde) bzw. kleinkörniger Hagel denkbar.
Die Modelle springen allerdings nur bedingt darauf an. COSMO_EU simuliert
einzelne Schauer und ganz vereinzelt auch Gewitter n der Norddeutschen
Tiefebene, ebenso wie die WRF-Modelle, WRF 4 km (00 UTC-Lauf) auch im Vogtland.
Im Süden und in den mittleren Landesteilen dominiert dagegen weiterhin schwacher
Hochdruckeinfluss. Allerdings setzt auch dort leichter Druckfall ein, somit
etabliert sich über dem Vorhersagegebiet ein schwachgradientiges Druckfeld.
Vor allem im Südwesten und im Süden scheint überwiegend die Sonne. Weiter
Richtung Norden und Osten bleibt es eher bewölkt, wobei auch dort die
Wolkendecke im Tagesverlauf Lücken bekommt. Am wenigsten Sonne bekommt man wohl
im Nordosten zu Gesicht, im unmittelbaren Bereich der nur sehr langsam ostwärts
ziehenden Warmfront.
Die Erwärmung macht weitere Fortschritte. Die Höchstwerte liegen unter den
dichten Wolken im Nordosten sowie an den Küsten nur bei 17 bis 20 Grad, sonst
werden 20 bis 25 Grad erreicht, im Südwesten kann es mit 26 oder 27 Grad in der
Spitze auch schon etwas wärmer werden.
In der Nacht zum Freitag zieht der Trog weiter ostwärts und tropft in ein
Höhentief etwa über Rumänien ab. Dahinter verlagert sich von den Britischen
Inseln her der Höhenrücken allmählich zur Nordsee. Dieser wird bereits wieder
von WLA auf der Vorderseite eines umfangreichen Höhentroges knapp
westnordwestlich der Britischen Inseln überlaufen.
Im Bodenfeld bleibt es bei der schwachen Druckverteilung, wobei es vor allem im
Nordwesten weiterhin zu leichtem Druckfall kommt. Die Warmfront über
Nordostdeutschland bleibt quasistationär und zeichnet sich weiterhin durch wenig
Wetteraktivität aus.
Aufgrund der WLA stabilisiert die Luftmasse zunehmend und auch tagesgangbedingt
kommt die konvektive Aktivität bereits am Abend rasch zum Erliegen. Im
Warmfrontbereich kann es noch gebietsweise etwas regnen oder nieseln, die Mengen
sind aber nicht nennenswert.
Somit steht eine warntechnisch ruhige Nacht ins Haus. Vor allem über
Norddeutschland können sich wieder dichtere tiefe Wolkenfelder ausbreiten, die
WLA sorgt dazu im Westen und Norde für den Durchzug dichterer mittelhoher
Wolkenfelder, aus denen das ein oder andere Modell (allen voran ICON, COSMO_EU
dagegen nicht) im Westen/Nordwesten auch geringe Niederschläge simuliert. Länger
gering bewölkt oder klar bleibt es wohl am ehesten vom Südschwarzwald bis zur
Lausitz und südöstlich davon. Stellenweise kann sich auch Nebel bilden.
Freitag ... schwenkt der Höhenrücken ost-, später südostwärts rasch über das
Vorhersagegebiet hinweg und wird in das Zirkulationssystem des Höhentiefs über
Südosteuropa eingebunden. Rückseitig stellt sich über dem Vorhersagebereich eine
westsüdwestliche Höhenströmung ein, die leicht mäandriert, in die also einzelne
kurzwellige Anteile eingelagert sich, die vor allem den Norden und die Mitte
überqueren und dort auch immer mal wieder etwas Hebung generieren.
Im Bodenfeld fällt der Luftdruck weiterhin allmählich, der Schwerpunkt des Hochs
befindet sich über dem Alpenraum. Die Warmfront über dem Nordosten kommt
allmählich nordwärts voran und befindet sich nachmittags über der südlichen
Ostsee. Die potentiell instabilste Luftmasse befindet sich knapp rückseitig der
Warmfront etwa nordöstlich der Elbe. COSMO_EU, aber auch ECMWF und ICON
simulieren am Abend auch im Westen eine flache Tiefdruckrinne und ein schwach
konvergentes Windfeld, wobei sich auch dort die Instabilität leicht erhöht. Die
simulierte Cape beträgt aber weniger als 300 J/kg. Schwache Niederschlagssignale
zeigen die Modelle für weite Teile Nord- und Ostdeutschlands. Ob die (noch
unsichere) Hebung zusammen mit etwas Einstrahlung auch zur Auslöse von Gewittern
reichten, ist noch mehr als fraglich, aber nicht ausgeschlossen, wobei bei
ppw-Werten über 30 mm dann auch Starkregen und kleinkörniger Hagel Thema wären.
Aus aktueller Sicht ist die Wahrscheinlichkeit dafür im Nordosten am größten,
wobei dort allerdings auch die dichtesten Wolkenfelder simuliert werden, womit
wiederum die Einstrahlung fehlen würde.
Allgemein dürfte sich die Sonne im Norden und Nordosten nur selten zeigen.
Anders schaut es erneut in der Südwest- und Südhälfte aus. Dort steht einem
recht sonnigen Tag nichts im Wege. Die Temperaturen steigen insgesamt noch ein
wenig an, sie liegen zwischen 17 und 22 Grad im Norden und Osten und 22 bis 28
Grad im Südwesten und Süden, im südlichen Oberrheingraben und am Hochrhein
könnte es eventuell auch für 30 Grad reichen.
In der Nacht zum Samstag weitet sich der inzwischen umfangreiche nordatlantische
Höhentrog weiter ostwärts aus, ein erster kurzwelliger Randtrog greift in der
Früh auf den Westen des Vorhersagebereichs über. Auf dessen leicht diffluent
konturierter Vorderseite wird auch Hebung simuliert, wobei diesbezüglich Von
Modell(lauf) zu Modell(lauf) noch Unsicherheiten bestehen.
Im Bodenfeld erreicht das teilokkludierte Frontensystem eines mit dem Höhentrog
korrespondierenden Tiefs über dem mittleren Nordatlantik auf den Westen und
Norden Deutschlands über, wobei das Frontensystem zu Wellenbildung neigt und die
Hebung in etwa über der mittleren Nordsee zur Ausbildung eines Randtiefs führt.
Vor allem über den mittleren und westlichen Landesteilen werden dabei
gebietsweise kräftigere schauerartige Regenfälle simuliert, wobei es auch für
einige eingelagerte Gewitter reichen könnte. Aufgrund der bereits in den
Basisfeldern vorhandenen Unsicherheiten lässt sich ein Schwerpunkt derzeit noch
nicht ausmachen. Die ppw-Werte steigen in der herangeführten Luftmasse auf über
30 mm, so dass bei länger anhaltender Schauertätigkeit durchaus das Warnelement
Starkregen sechsstündig (20 bis 35 mm) ins Spiel kommt, selbst Unwetter über 35
mm sind nicht ganz von der Hand zu weisen. Die aktuellen Modellläufe simulieren
allerdings keine warnwürdigen Mengen (bis knapp über 15 mm in 6 bzw. 12
Stunden).
Wie weit die Niederschläge nach Süden ausgreifen, ist noch unsicher. Im Südosten
dominiert allerdings noch schwacher Hochdruckeinfluss, dort sollte es
überwiegend trocken bleiben.
Samstag ... kommt der Trog aufgrund der Blockadewirkung des südosteuropäischen
Höhentiefs nur noch allmählich nach Osten voran und weitet sich über
Mitteleuropa nach Süden aus. Hebung wird vor allem auf dessen Vorderseite über
Ost- und Süddeutschland simuliert.
Im Bodenfeld kommt das Frontensystem bis nach Ostdeutschland voran, dahinter
wölbt sich über Benelux ein flacher Hochkeil Richtung Nordsee auf.
Präfrontal kann vor allem in den Südosten, also nach Bayern, noch einmal eine
potentiell instabile Luftmasse gelangen, dabei simuliert COSMO_EU eine ML-Cape
zwischen 500 und 1000 J/kg entlang und südlich der Donau bei ppw-Werten von über
25 mm.
Zusammen mit der Hebung dürfte es dort im Tagesverlauf relativ rasch Schauer und
Gewitter geben, die dann von Starkregen, kleinkörnigem Hagel und starken bis
stürmischen Böen begleitet werden. Unwetter bzgl. Starkregens ist dabei nicht
ausgeschlossen, sollte aber die Ausnahme bleiben.
Auch im unmittelbaren Frontbereich zunächst in den mittleren, später östlichen
Landesteilen steigen die ppw-Werte auf über 30 mm. Dort kommt es weiterhin zu
schauerartigen, teils auch gewittrigen Niederschlägen, wobei aufgrund der recht
langsamen Verlagerungsgeschwindigkeit Starkregen - oft auch sechsstündig - Thema
bleibt. Die für Unwetter sehr niedrig angesetzten 35 mm in sechs Stunden liegen
bei wiederholter Schauertätigkeit auf jeden Fall im Bereich des Möglichen.
Rückseitig der Front strömt im Tagesverlauf von der Nordsee her bereits eine
stabilere Luftmasse in die Westhälfte.
Aufgrund der Unsicherheit bzgl. Lage und Zuggeschwindigkeit des Frontensystems
sind auch noch größere Differenzen von Modell zu Modell vor allem bzgl. der
räumlichen Verteilung der Niederschläge auszumachen. Die deutsche Modellkette
lässt die Front etwas schneller nach Osten vorankommen als z.B. das GFS. Dabei
simuliert COSMO_EU vor allem in den mittleren Landesteilen etwas höhere Mengen
als ICON oder ECMWF.
Insgesamt macht sich die Sonne rar, präfrontal scheint sie am ehesten noch in
Süd- und Ostbayern, postfrontal dann am Nachmittag und Abend im Südwesten und
Westen. Die Höchstwerte gehen entsprechend wieder zurück und liegen meist
zwischen 19 und 25 Grad, an den Küsten bei auflandigem Wind bzw. bei
wiederholter Schauertätigkeit auch darunter, im Südwesten mit Sonne vielleicht
knapp darüber.
Modellvergleich und -einschätzung
----------------------------------------------------------------
Bis einschließlich Freitag simulieren die externen Modelle eine der deutschen
Modellkette sehr ähnliche Wetterentwicklung. In der Nacht zum Samstag kommt es
dann in den Basisfeldern zu ersten Differenzen, die sich dann vor allem auch in
den Niederschlagsprognosen für den Samstag niederschlagen. Diese wurden im Text
bereits angesprochen.
Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach
Dipl. Met. Jens Winninghoff
S Y N O P T I S C H E Ü B E R S I C H T K U R Z F R I S T
ausgegeben am Mittwoch, den 24.06.2015 um 18 UTC
Markante Wettererscheinungen:
Schwacher Hochdruckeinfluss ohne großartige markante Wettererscheinungen. Am
Donnerstag im Norden einzelne Gewitter möglich.
Synoptische Entwicklung bis Samstag 12 UTC
-------------------------------------------------------------
Aktuell ... befindet sich Deutschland an der Südwestflanke eines
Höhentiefkomplexes mit Drehzentren vor der Halterbank und über dem Bottnischen
Meerbusen unterhalb einer westnordwestlichen Höhenströmung. Darin eingebettet
verlagert sich ein relativ breit angelegter und somit zunächst auch wenig
wetterwirksamer Kurzwellentrog, der in 300 hPa besser im Geopotentialfeld
auszumachen ist als in 500 hPa, über die Nordsee bis Donnerstagfrüh nach
Nordwestdeutschland. Dahinter wölbt sich ein markanter Höhenrücken im Bereich
der Britischen Inseln Richtung Norden auf und die Höhenströmung dreht mehr auf
Nordwest.
Im Bodenfeld verlagert sich der mit dem Höhentrog korrespondierende
Tiefdruckkomplex insgesamt weiter nordostwärts und füllt sich auch ein wenig
auf, während sich über dem Süden und der Mitte des Landes der Hochdruckeinfluss
noch ein wenig verstärkt. In der Früh befindet sich der Schwerpunkt des Hochs
bereits über Tschechien. Insgesamt fächert auch an der Ostsee der Gradient
weiter auf, so dass starke Windböen ab den späten Abendstunden auch dort keine
Rolle mehr spielen.
Eine mit dem Kurzwellentrog korrespondierende Warmfront greift später auf den
Nordwesten Deutschlands über, macht sich zunächst aber nur in Form mittelhoher
Wolkenfelder bemerkbar, die über der Westhälfte Deutschlands recht weit nach
Süden ausgreifen.
Vor allem im Norden und Osten des Landes halten sich auch die Nacht über hinweg
gebietsweise dichte tiefe Wolkenfelder (meist Sc, später auch St), die mit der
schwachen nordwestlichen Strömung von der Nordsee her landeinwärts driften.
Die größten Wolkenlücken gibt es somit in den mittleren Landesteilen und vor
allem auch im Südosten und Süden, wo es vielerorts gering bewölkt bleibt. Ganz
vereinzelt kann sich auch mal Nebel bilden.
Donnerstag ... kommt der Kurzwellentrog über Nord- und Ostdeutschland ostwärts
voran und weitet sich dabei nach Süden aus. Abends befindet sich dessen Achse
(in 300 hPa) bereits in etwa über der Ostgrenze Deutschlands.
Nach wie vor halten sich die Hebungsvorgänge auf dessen Vorderseite sehr in
Grenzen, allerdings reichen sie dennoch aus, die Wetteraktivität im Umfeld der
korrespondierenden Warmfront über Norddeutschland etwas zu erhöhen. Die
simulierten Niederschlagsmengen (maximal wenige mm) liegen aber weit unterhalb
jeglicher Warnrelevanz.
Allerdings kommt es rückseitig der Warmfront vor allem über Nord- und später
auch Teilen Ostdeutschlands zu einer Labilisierung der Luftmasse. Einerseits
sinkt die Temperatur im Trogbereich auf nahe -20 Grad, andererseits wird
niedertroposphärisch von Südwesten her etwas wärmere Luft herangeführt. Die
Temperatur in 850 hPa steigt bis zum Abend auf Werte zwischen 6 Grad auf Rügen
und 13 Grad über dem Bodensee.
COSMO_EU simuliert vor allem für die Norddeutsche Tiefebene eine ML-Cape von 100
bis knapp 300 J/kg, andere Modelle (WRF 4 km) teilweise auch für die östlichen
Landesteile bis zum Erzgebirge bzw. nach Ostbayern. Die ppw-Werte steigen auf
über 20 bis nahe 25 mm. Etwas Einstrahlung vorausgesetzt (die
Auslösetemperaturen liegen bei knapp über 20 Grad) ist somit durchaus mit
konvektiven Niederschlägen zu rechnen. Meist dürften die vereinzelten Gewitter -
so es überhaupt für Gewitter reicht und nicht nur bei Schauern bleibt - mit
"gelb" (starke Windböen) genügend abgewarnt sein, ganz vereinzelt sind auch mal
ein Starkregenereignis (über 15 mm pro Stunde) bzw. kleinkörniger Hagel denkbar.
Die Modelle springen allerdings nur bedingt darauf an. COSMO_EU simuliert
einzelne Schauer und ganz vereinzelt auch Gewitter n der Norddeutschen
Tiefebene, ebenso wie die WRF-Modelle, WRF 4 km (00 UTC-Lauf) auch im Vogtland.
Im Süden und in den mittleren Landesteilen dominiert dagegen weiterhin schwacher
Hochdruckeinfluss. Allerdings setzt auch dort leichter Druckfall ein, somit
etabliert sich über dem Vorhersagegebiet ein schwachgradientiges Druckfeld.
Vor allem im Südwesten und im Süden scheint überwiegend die Sonne. Weiter
Richtung Norden und Osten bleibt es eher bewölkt, wobei auch dort die
Wolkendecke im Tagesverlauf Lücken bekommt. Am wenigsten Sonne bekommt man wohl
im Nordosten zu Gesicht, im unmittelbaren Bereich der nur sehr langsam ostwärts
ziehenden Warmfront.
Die Erwärmung macht weitere Fortschritte. Die Höchstwerte liegen unter den
dichten Wolken im Nordosten sowie an den Küsten nur bei 17 bis 20 Grad, sonst
werden 20 bis 25 Grad erreicht, im Südwesten kann es mit 26 oder 27 Grad in der
Spitze auch schon etwas wärmer werden.
In der Nacht zum Freitag zieht der Trog weiter ostwärts und tropft in ein
Höhentief etwa über Rumänien ab. Dahinter verlagert sich von den Britischen
Inseln her der Höhenrücken allmählich zur Nordsee. Dieser wird bereits wieder
von WLA auf der Vorderseite eines umfangreichen Höhentroges knapp
westnordwestlich der Britischen Inseln überlaufen.
Im Bodenfeld bleibt es bei der schwachen Druckverteilung, wobei es vor allem im
Nordwesten weiterhin zu leichtem Druckfall kommt. Die Warmfront über
Nordostdeutschland bleibt quasistationär und zeichnet sich weiterhin durch wenig
Wetteraktivität aus.
Aufgrund der WLA stabilisiert die Luftmasse zunehmend und auch tagesgangbedingt
kommt die konvektive Aktivität bereits am Abend rasch zum Erliegen. Im
Warmfrontbereich kann es noch gebietsweise etwas regnen oder nieseln, die Mengen
sind aber nicht nennenswert.
Somit steht eine warntechnisch ruhige Nacht ins Haus. Vor allem über
Norddeutschland können sich wieder dichtere tiefe Wolkenfelder ausbreiten, die
WLA sorgt dazu im Westen und Norde für den Durchzug dichterer mittelhoher
Wolkenfelder, aus denen das ein oder andere Modell (allen voran ICON, COSMO_EU
dagegen nicht) im Westen/Nordwesten auch geringe Niederschläge simuliert. Länger
gering bewölkt oder klar bleibt es wohl am ehesten vom Südschwarzwald bis zur
Lausitz und südöstlich davon. Stellenweise kann sich auch Nebel bilden.
Freitag ... schwenkt der Höhenrücken ost-, später südostwärts rasch über das
Vorhersagegebiet hinweg und wird in das Zirkulationssystem des Höhentiefs über
Südosteuropa eingebunden. Rückseitig stellt sich über dem Vorhersagebereich eine
westsüdwestliche Höhenströmung ein, die leicht mäandriert, in die also einzelne
kurzwellige Anteile eingelagert sich, die vor allem den Norden und die Mitte
überqueren und dort auch immer mal wieder etwas Hebung generieren.
Im Bodenfeld fällt der Luftdruck weiterhin allmählich, der Schwerpunkt des Hochs
befindet sich über dem Alpenraum. Die Warmfront über dem Nordosten kommt
allmählich nordwärts voran und befindet sich nachmittags über der südlichen
Ostsee. Die potentiell instabilste Luftmasse befindet sich knapp rückseitig der
Warmfront etwa nordöstlich der Elbe. COSMO_EU, aber auch ECMWF und ICON
simulieren am Abend auch im Westen eine flache Tiefdruckrinne und ein schwach
konvergentes Windfeld, wobei sich auch dort die Instabilität leicht erhöht. Die
simulierte Cape beträgt aber weniger als 300 J/kg. Schwache Niederschlagssignale
zeigen die Modelle für weite Teile Nord- und Ostdeutschlands. Ob die (noch
unsichere) Hebung zusammen mit etwas Einstrahlung auch zur Auslöse von Gewittern
reichten, ist noch mehr als fraglich, aber nicht ausgeschlossen, wobei bei
ppw-Werten über 30 mm dann auch Starkregen und kleinkörniger Hagel Thema wären.
Aus aktueller Sicht ist die Wahrscheinlichkeit dafür im Nordosten am größten,
wobei dort allerdings auch die dichtesten Wolkenfelder simuliert werden, womit
wiederum die Einstrahlung fehlen würde.
Allgemein dürfte sich die Sonne im Norden und Nordosten nur selten zeigen.
Anders schaut es erneut in der Südwest- und Südhälfte aus. Dort steht einem
recht sonnigen Tag nichts im Wege. Die Temperaturen steigen insgesamt noch ein
wenig an, sie liegen zwischen 17 und 22 Grad im Norden und Osten und 22 bis 28
Grad im Südwesten und Süden, im südlichen Oberrheingraben und am Hochrhein
könnte es eventuell auch für 30 Grad reichen.
In der Nacht zum Samstag weitet sich der inzwischen umfangreiche nordatlantische
Höhentrog weiter ostwärts aus, ein erster kurzwelliger Randtrog greift in der
Früh auf den Westen des Vorhersagebereichs über. Auf dessen leicht diffluent
konturierter Vorderseite wird auch Hebung simuliert, wobei diesbezüglich Von
Modell(lauf) zu Modell(lauf) noch Unsicherheiten bestehen.
Im Bodenfeld erreicht das teilokkludierte Frontensystem eines mit dem Höhentrog
korrespondierenden Tiefs über dem mittleren Nordatlantik auf den Westen und
Norden Deutschlands über, wobei das Frontensystem zu Wellenbildung neigt und die
Hebung in etwa über der mittleren Nordsee zur Ausbildung eines Randtiefs führt.
Vor allem über den mittleren und westlichen Landesteilen werden dabei
gebietsweise kräftigere schauerartige Regenfälle simuliert, wobei es auch für
einige eingelagerte Gewitter reichen könnte. Aufgrund der bereits in den
Basisfeldern vorhandenen Unsicherheiten lässt sich ein Schwerpunkt derzeit noch
nicht ausmachen. Die ppw-Werte steigen in der herangeführten Luftmasse auf über
30 mm, so dass bei länger anhaltender Schauertätigkeit durchaus das Warnelement
Starkregen sechsstündig (20 bis 35 mm) ins Spiel kommt, selbst Unwetter über 35
mm sind nicht ganz von der Hand zu weisen. Die aktuellen Modellläufe simulieren
allerdings keine warnwürdigen Mengen (bis knapp über 15 mm in 6 bzw. 12
Stunden).
Wie weit die Niederschläge nach Süden ausgreifen, ist noch unsicher. Im Südosten
dominiert allerdings noch schwacher Hochdruckeinfluss, dort sollte es
überwiegend trocken bleiben.
Samstag ... kommt der Trog aufgrund der Blockadewirkung des südosteuropäischen
Höhentiefs nur noch allmählich nach Osten voran und weitet sich über
Mitteleuropa nach Süden aus. Hebung wird vor allem auf dessen Vorderseite über
Ost- und Süddeutschland simuliert.
Im Bodenfeld kommt das Frontensystem bis nach Ostdeutschland voran, dahinter
wölbt sich über Benelux ein flacher Hochkeil Richtung Nordsee auf.
Präfrontal kann vor allem in den Südosten, also nach Bayern, noch einmal eine
potentiell instabile Luftmasse gelangen, dabei simuliert COSMO_EU eine ML-Cape
zwischen 500 und 1000 J/kg entlang und südlich der Donau bei ppw-Werten von über
25 mm.
Zusammen mit der Hebung dürfte es dort im Tagesverlauf relativ rasch Schauer und
Gewitter geben, die dann von Starkregen, kleinkörnigem Hagel und starken bis
stürmischen Böen begleitet werden. Unwetter bzgl. Starkregens ist dabei nicht
ausgeschlossen, sollte aber die Ausnahme bleiben.
Auch im unmittelbaren Frontbereich zunächst in den mittleren, später östlichen
Landesteilen steigen die ppw-Werte auf über 30 mm. Dort kommt es weiterhin zu
schauerartigen, teils auch gewittrigen Niederschlägen, wobei aufgrund der recht
langsamen Verlagerungsgeschwindigkeit Starkregen - oft auch sechsstündig - Thema
bleibt. Die für Unwetter sehr niedrig angesetzten 35 mm in sechs Stunden liegen
bei wiederholter Schauertätigkeit auf jeden Fall im Bereich des Möglichen.
Rückseitig der Front strömt im Tagesverlauf von der Nordsee her bereits eine
stabilere Luftmasse in die Westhälfte.
Aufgrund der Unsicherheit bzgl. Lage und Zuggeschwindigkeit des Frontensystems
sind auch noch größere Differenzen von Modell zu Modell vor allem bzgl. der
räumlichen Verteilung der Niederschläge auszumachen. Die deutsche Modellkette
lässt die Front etwas schneller nach Osten vorankommen als z.B. das GFS. Dabei
simuliert COSMO_EU vor allem in den mittleren Landesteilen etwas höhere Mengen
als ICON oder ECMWF.
Insgesamt macht sich die Sonne rar, präfrontal scheint sie am ehesten noch in
Süd- und Ostbayern, postfrontal dann am Nachmittag und Abend im Südwesten und
Westen. Die Höchstwerte gehen entsprechend wieder zurück und liegen meist
zwischen 19 und 25 Grad, an den Küsten bei auflandigem Wind bzw. bei
wiederholter Schauertätigkeit auch darunter, im Südwesten mit Sonne vielleicht
knapp darüber.
Modellvergleich und -einschätzung
----------------------------------------------------------------
Bis einschließlich Freitag simulieren die externen Modelle eine der deutschen
Modellkette sehr ähnliche Wetterentwicklung. In der Nacht zum Samstag kommt es
dann in den Basisfeldern zu ersten Differenzen, die sich dann vor allem auch in
den Niederschlagsprognosen für den Samstag niederschlagen. Diese wurden im Text
bereits angesprochen.
Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach
Dipl. Met. Jens Winninghoff