SXDL31 DWAV 1800UTC DWD Synoptische Uebersicht KURZFRIST

SXEU31 DWAV 261800
S Y N O P T I S C H E Ü B E R S I C H T K U R Z F R I S T
ausgegeben am Mittwoch, den 26.08.2015 um 18 UTC


Markante Wettererscheinungen:
Nachts im Nordwesten Gewitter, teils mit Starkregen und Sturmböen. Am
Donnerstag, vor allem aber in der Nacht zum Freitag im Norden und Westen
Dauerregen möglich.

Synoptische Entwicklung bis Samstag 12 UTC
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Aktuell ... liegt Mitteleuropa, inklusive Deutschland in einer südwestlichen,
zyklonalen Höhenströmung am Rand eines umfangreichen Troges über dem
Nordostatlantik.
Dabei schwenkt nachts ein kurzwelliger Troganteil über die Nordsee Richtung
Südskandinavien und streift den Nordwesten des Landes. Da gleichzeitig eine
wellende Kaltfront auf den Nordwesten übergreift, muss in ihrem Bereich mit
teils kräftigen Hebungsvorgängen und bei instabiler Schichtung mit Schauern und
Gewittern gerechnet werden. Diese betreffen abends und in der ersten Nachthälfte
vor allem den äußersten Nordwesten vom Niederrhein bis nach Nordfriesland.
Bei zunehmender Scherung, PPW Werten um 35 mm, aber eher moderater Labilität
sind auch organisierte Strukturen möglich. Meist sollen die Gewitter im
markanten Bereich bleiben, obwohl Unwetter nicht ausgeschlossen sind.

Mit Annäherung und Passage der Kaltfront nimmt der Gradient wieder zu und vor
allem an der Nordsee und im Bergland sind starke bis stürmische Böen zu
erwarten.
Im Laufe der Nacht kommt die Kaltfront nach Südosten voran und die Regenfälle
oder Schauer erreichen etwa eine Linie von der Mosel über Nordhessen bis
Westmecklenburg. Die Gewitterwahrscheinlichkeit nimmt im Laufe der Nacht ab.
Weiter nach Süden und Osten bleibt die Nacht ruhig, ohne Warnungen.

Donnerstag ... kommt die Kaltfront nur langsam nach Südosten voran und erreicht
später den Westen und den Nordosten des Vorhersagebereichs, kommt dann aber bei
nahezu höhenströmungsparalleler Lage unter Wellenbildung ins Schleifen.
So regnet es bei starker Bewölkung vom Westen bis in den Norden, später bis in
den Nordosten verbreitet, wobei nach Abzug des ersten Randtroges die Intensität
vorübergehend nachlässt, später aber mit Annäherung einer Welle von Frankreich
her nimmt die Intensität des Regens wieder zu. Die Lage und Intensität der
Niederschläge werden von den Modellen weiter uneinheitlich modelliert,
wahrscheinlich fällt der Hauptniederschlag von der Eifel ausgehend nach Osten
bis Nordosten in Richtung Südniedersachsen und Vorpommern, wobei in den
westlichen Mittelgebirgen in Staulagen an die 20 mm Regen in 12 Stunden fallen
können.

Postfrontal entwickeln sich im Nordwesten einige Schauer oder kurze Gewitter,
auf der warmen Seite der Front greifen wahrscheinlich schon hohe und mittelhohe
Wolken weit nach Süden aus, die die Einstrahlung und den Temperaturverlauf
dämpfen. Mos liefert im Süden wahrscheinlich etwas zu hohe Temperaturen
verbunden mit zu großer Sonnenscheindauer.
Der Südwest bis Westwind bleibt im äußersten Norden lebhaft mit starken,
vereinzelt stürmischen Böen an der Küste und auch im Bergland sind 7er bis 8er
Böen aus Südwest zu erwarten.
In der Nacht zum Freitag zieht die Welle über die Mitte nach Nordosten, wobei
deren genaue Zugbahn noch offen ist, der meiste Niederschlag fällt dabei
wahrscheinlich in einem Streifen von NRW und dem nördlichen Rheinland-Pfalz über
Nordhessen bis Vorpommern und ins nördliche Brandenburg. 12-stündig liefern die
meisten Modelle 15 bis 30 mm, C EU sogar bis an die 40mm im Harzstau und im
Nordosten. Die Ensembles folgen dem mit Wahrscheinlichkeiten von 10 bis 30% für
mehr als 25 mm in 12 Stunden, die aber im Falle von Cosmo LEPS etwas nach Norden
verschoben sind.
Die höchsten Mengen dürften in Staulagen der Mittelgebirge fallen, so dass
zumindest für diese Gebiete Dauerregenwarnungen nötig werden sollten.

Die stärksten Böen sind präfrontal im südlichen Bergland zu finden mit Bft 7 bis
9 in Kamm- und Gipfellagen; an den Küsten lässt der Wind dagegen etwas nach.

Freitag ... kommt nach Abzug der Welle die Kaltfront ein Stück nach Süden voran,
gerät allerdings von Westen her unter Absinken, da ein flacher Höhenrücken
folgt, der wiederum zum Aufbau eines ebenso flachen Hochdruckgebietes über
Westeuropa und dem Alpenraum führt.
Damit lassen die Niederschläge von Westen her nach, inwieweit dies schon nachts
einsetzt oder erst am Freitag bleibt abzuwarten.

Dabei wird in den Süden weiter sehr warme Luft subtropischen Ursprungs geführt,
während in den Norden eine mäßig warme Meeresluftmasse vom Nordatlantik
eindringt.

Es verbleibt im frontalen Bereich über Süddeutschland und den mittleren Teilen
ein Streifen mit starker Bewölkung, aber nur wenig Regen, der einen sehr warmen
Süden, wo die Temperatur auf 25 bis 31 Grad steigt, von einem moderat
temperierten Norden trennt, wo zwischen 20 und 24 Grad erwartet werden.
Im Süden und ganz im Norden, vor allem Richtung Küste und in Schleswig-Holstein
scheint dabei meist die Sonne.
Im Norden sind bei leicht instabiler Schichtung einzelne Schauer, ganz
vereinzelt auch Gewitter möglich.

Warnwürdige Böen gibt es allenfalls im Bergland des Südens, dort Bft 7 bis 8,
und an den Küsten, wo es in exponierten Lagen aber nur zu Böen der Stärke 7
reicht.

Nachts bildet sich das ein oder andere Nebelfeld, sonst verläuft sie ruhig.

Samstag ... kräftigt sich der Rücken bei seiner Ostverlagerung und überquert
Mitteleuropa nach Osten, dabei verlagert sich auch das Hochdruckgebiet am Boden
über Deutschland hinweg zum östlichen Mitteleuropa.
Damit breitet sich auch die sehr warme bis heiße Luftmasse über Süddeutschland
wieder nach Norden aus und entsprechend kommt auch die weitgehend wetterinaktive
Luftmassengrenze nach Norden voran.

Vor allem im frontalen Gebiet und ganz im Norden halten sich zunächst kompaktere
Wolken, die sich durch das Absinken aber bald auflösen sollten, ansonsten trüben
nur einige hohe Wolken über dem Norden und Westen die Einstrahlung etwas.

Die Temperaturen machen wieder einen Satz nach oben und erreichen 30 bis 34 Grad
vom Main aus südwärts, weiter nördlich 23 bis 29 Grad, nur an den Küsten bleibt
es kühler bei auflandigem Wind.


Modellvergleich und -einschätzung
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Die grundsätzliche Entwicklung wird von den vorliegenden Modellen ähnlich
simuliert. Neben der Frage nach der Intensität der Regenfälle am Donnerstag und
in der Nacht zum Freitag, wird auch die Zugbahn der Welle (oder Wellen)
unterschiedlich simuliert, so dass auch die genaue Lage der Niederschläge offen
bleibt. C EU simuliert auch im aktuellen Lauf weiter nördlich als ICON.
Es fällt aber auf, dass ICON den Niederschlagsstreifen in den letzten Läufen
etwas nach Süden verschoben hat, während C EU an seinen letzten Lösungen
festhält.
Die größten Mengen dürften meist in der Nacht zum Freitag fallen, so dass es aus
jetziger Sicht empfehlenswert scheint, für diesen Zeitraum mit markanten
Dauerregenwarnungen über 12 Stunden zu arbeiten, die an die Passage der Welle
geknüpft sind.
Diese könnten am Donnerstag im Tagesverlauf ausgegeben werden.

Nach den Lösungen von C EU käme auch 6-stündiger Starkregen von mehr als 20 mm
in Betracht und auch Dauerregen über 24 Stunden wäre für einige Gebiete als
Kriterium möglich, doch gibt es während dieses Zeitraum wahrscheinlich längere
Phasen, in denen der Regen nachlässt oder aufhört.
Angesichts der genannten Unsicherheiten und auch in Anbetracht des
Vorhersagezeitraums bleibt Zeit, die nächsten Modellläufe abzuwarten.



Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach
Dipl. Met. Bernd Zeuschner

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