SXEU31 DWAV DWD Synoptische Uebersicht KURZFRIST (Abend)
SXEU31 DWAV 271800
S Y N O P T I S C H E Ü B E R S I C H T K U R Z F R I S T
ausgegeben am Samstag, den 27.07.2013 um 18 UTC
Markante Wettererscheinungen:
Aktuell im Norden, am Sonntag dann, mit Ausnahme des Nordwestens, verbreitet kräftige
Gewitter, teils auch Unwetter. Am Sonntag vor allem im Süden und Osten noch einmal starke
Wärmebelastung.
Synoptische Entwicklung bis Dienstag 12 UTC
-------------------------------------------------------------
Aktuell ... befindet sich Deutschland auf der Vorderseite eines Langwellentroges über dem
Ostatlantik. Stromaufwärts liegt ein Höhenrücken mit seiner Achse aktuell noch über der
Osthälfte, der sich allerdings allmählich weiter ostwärts verlagert. Aus dem Trog laufen
kurzwellige Anteile heraus, wandern über das westliche Mitteleuropa hinweg nordostwärts
und streifen auch den Westen und Nordwesten Deutschlands. Einer dieser Kurzwellentröge
verstärkt sich im Laufe der Nacht noch und befindet sich mit seiner Achse Sonntagfrüh über
Nordengland, Benelux und Nordwestdeutschland. Starke PVA und WLA auf seiner Vorderseite
führen zur Hebung und zur weiteren Intensivierung eines von Nordfrankreich zur
nordwestlichen Nordsee ziehenden Bodentiefs, welches am Sonntagfrüh einen Kerndruck von
nahe 991 hPa aufweist. Die aktuell über Norddeutschland liegende Warmfront dieses Tiefs
markiert die Vorderseite der den Großteil Deutschlands flutenden heißen und potentiell
instabil geschichteten Subtropikluft. Die Kaltfront verlagert sich im Laufe der Nacht
allmählich von der bretonischen Küste nordostwärts und befindet sich am Sonntagfrüh etwa
über Benelux und Ostfrankreich.
Unmittelbar hinter der Warmfont hat sich bereits in der Vornacht ein mesoskaliges
konvektives System (MCS) entwickelt, welches aktuell über Nordwestdeutschland hinweg
weiter nordwärts zieht. Zur warmen Seite hin, also entlang seiner Ost- und Nordostflanke,
kommt es in der instabilen Luftmasse mit (MU)CAPE- Werten von über 1500, vereinzelt auch
über 2000 J/kg über Norddeutschland nach wie vor zu starken, teils unwetterartigen
Gewittern. Dabei hat sich am Südende einer Squallline, die die Nordostkante dieses MCS
markierte, am Nachmittag eine Superzelle entwickelt, die über das Münsterland und
Ostwestfalen weiter in die Region Hannover zog und auch aktuell noch weiter ostwärts
zieht. In ihrem Bereich tauchten bereits Meldungen über Hagel in Tennisballgröße auf, im
hochaufgelösten Radarbild war über längere Zeit hinweg eine klare Hook- Echostruktur
erkennbar.
Auch im Alpenbereich haben sich durch die Überhitzung einzelne Gewitter entwickelt, diese
schwächen sich aber nach Einbruch der Dunkelheit meist rasch ab.
Die aktuelle Niederschlagssimulation des COSMO_EU von 12 UTC hat noch nicht einmal die
aktuelle Situation über Norddeutschland richtig erfasst. Im zeitraum 18 bis 00 UTC werden
nur noch über den Nordwesten Schleswig-Holsteins signifikante Mengen simuliert, ansonsten
soll es fast deutschlandweit trocken bleiben.
Im Laufe der zweiten Nachthälfte greifen von Frankreich her voraussichtlich erneut
Gewitter auf den Westen Deutschlands über, die mit einem, sich aktuell knapp nördlich des
Zentralmassivs entwickelnden MCS in Zusammenhang stehen. Erneut kann dabei Starkregen
auftreten, lokal eng begrenzt vielleicht auch im Unwetterbereich. COSMO_EU simuliert
allerdings nur im äußersten Westen schwache Niederschlagssignale.
Im übrigen Deutschland bleibt es meist gering bewölkt oder klar und meist trocken. Erneut
steht eine sehr milde bzw. warme Nacht ins Haus. Die Minima liegen etwa zischen 23 und 16
Grad, wobei es vielerorts, auch außerhalb der Ballungszentren, eine Tropennacht gibt.
Minima von unter 20 Grad gibt es wohl nur im Südosten, in einigen Bergtälern und dort, wo
es kräftige Gewitter gegeben hat.
Sonntag ... zieht der oben angesprochene Randtrog weiter nordwärts und befindet sich am
Abend bereits als eigenständiges kleines Höhentief nordöstlich von Schottland. Das mit ihm
korrespondierende Bodentief verstärkt sich aufgrund starker WLA und PVA auf der
Vorderseite des Randtroges weiter und zieht bis zum Abend etwa in den Bereich südlich der
Shetlands. Dabei erreicht es nach aktueller COSMO_EU- Simulation einen beachtlichen
Kerndruck von etwa 985 hPa. Seine Kaltfront erreicht am Vormittag bereits den Nordwesten
Deutschlands und verlagert sich, verzögert durch Wellenbildung, allmählich ostwärts. In
ihrem Bereich sorgt bodennahe KLA bereits für Stabilisierung, die Niederschläge an ihr
haben Anafrontcharakter und fallen hauptsächlich auf der kalten Seite. Vorderseitig
verstärkt sich der Zustrom bodennah etwas angefeuchteter, sonst aber afrikanischer
Heißluft in den Süden und Osten Deutschlands noch ein wenig. In 850 hPa werden im
äußersten Süden Bayerns sogar Werte bis 27 Grad erreicht. Entsprechend dürften dort die
Höchstwerte verbreitet die 35 Gradmarke überschreiten, in der Lausitz sind durchaus auch
38 oder gar 39 Grad vorstellbar.
Unmittelbar vor der Kaltfront kommt es in der nach wie vor über Deutschland aufgrund von
PVA- induzierten Hebungsprozessen auf der Vorderseite des Langwellentroges über dem
Nordatlantik bzw. kurzwelliger Anteile, die, kaum erkennbar im simulierten
Geopotentialfeld aus dem Trog heraus über dem westlichen Mitteleuropa nordostwärts laufen,
aber auch aufgrund der bodennahen Überhitzung zur Ausbildung einer Tiefdruckrinne, die von
Südwest nach Nordost quer über Deutschland verläuft. Das dadurch entstehende konvergente
Windfeld dürfte die Ausbildung linienförmig organisierter konvektiver Zellen schon vor der
Kaltfront begünstigen. Die simulierten CAPE- Werte liegen auch in der heißen Luft über dem
Süden und Osten Deutschlands zwar niedriger als an den Vortagen, dennoch muss aufgrund der
zunehmend starken hochreichenden Scherung (über 20 m/s 0 bis 6 km Scherung, auf der
"kalten" Seite gar um 30 m/s) auf jeden Fall auch mit unwetterartigen Entwicklungen
gerechnet werden, zumal im Osten und Süden mit teilweise mehr als 200 m^2/s^2 auch hohe
Werte der sturmrelativen Helizität simuliert werden. Außerdem liegen die PPW- Werte nach
wie vor bei deutlich über 30 mm.
Ein vorstellbares Szenario ist deshalb die Ausbildung einer oder mehrerer Squalllines, die
von Südwesten her ostnordostwärts über Deutschland hinweg schwenken. Dabei ist verbreitet
mit schweren Sturmböen, vereinzelt auch mit Orkanböen zu rechnen, Hagel über 2 cm und
Starkregen über 25 mm sind ebenfalls denkbar. Im Vorfeld dieser Squallline können sich
eventuell auch isolierte Superzellen entwickeln, am ehesten vielleicht noch in Ostbayern
sowie im Erzgebirge, dabei ist dann auch Großhagel über 4 cm Korngröße möglich.
Rückseitig der Tiefdruckrinne strömt in den Westen und Nordwesten Deutschlands bereits
eine kühlere und stabil geschichtete Luftmasse. Dort bleibt die Gewitterneigung dann
entsprechend gering.
In den Simulationen des COSMO_EU und des GME taucht eine eventuell vorlaufende Squallline
nicht auf. Niederschlag wird hauptsächlich auf der "kühleren" Seite, also rückseitig der
Tiefdruckrinne simuliert.
In der Nacht zum Montag kommt die Kaltfront unter Wellenbildung nur zögernd ostwärts
voran. Die unwetterartigen Gewitter ziehen dagegen relativ rasch nach Osten. Im Bereich
der Kaltfront wird kräftige Hebung simuliert, die mit einem weiteren Randtrog, der von
Westen heranschwenkt, in Zusammenhang steht. Entsprechend springt auch die RR-Simulation
der deutschen Modellkette darauf an. In einem Streifen vom Schwarzwald quer über
Deutschland hinweg nordostwärts bis zur Ostsee sollen recht verbreitet mehr als 25 mm
innerhalb von 12 Stunden fallen, im Südwesten und Nordosten auch Mengen im Unwetterbereich
(teils über 50 mm). Die Niederschläge haben nach wie vor Anafrontcharakter und fallen
entlang oder knapp rückseitig der Bodenkaltfront. Aufgrund der noch oberhalb der kühlen
Grundschicht vorhandenen "Restlabilität" können sie auch noch konvektiv durchsetzt sein,
eventuell in Zusammenhang mit einem weiteren durchziehenden MCS stehen und deshalb
punktuell auch in den Unwetterbereich reichen.
Die einfließende kühlere Meeresluft sorgt nach längerer Zeit mal wieder für angenehmere
Tiefsttemperaturen zwischen 19 und 14 Grad, lediglich im äußersten Osten sinkt die
Temperatur gebietsweise noch einmal nicht unter 20 Grad.
Montag ... schwenkt der Südteil des Langwellentroges rascher ostwärts als dessen Nordteil,
wodurch die Achse des Troges am Abend etwa über die Mitte Deutschlands verläuft. Dahinter
deutet sich über dem Atlantik eine deutliche Zonalisierung an. Im Bodendruckfeld befindet
sich die Tiefdruckrinne mit der instabilsten Luftmasse bereits über Polen, dahinter steigt
der Luftdruck über Deutschland vor allem im Südwesten im Bereich eines sich ausweitenden
Keil des Azorenhochs an.
Die oben erwähnte Kaltfront des inzwischen zum Nordmeer gezogenen Tiefs zieht nun rasch
weiter nach Osten. Somit kann sich überall nur noch mäßig warme Meeresluft durchsetzen.
Im Bereich der abziehenden Kaltfront gibt es anfangs im Süden und Osten noch schauerartige
Regenfälle, die vereinzelt auch gewittrig sein können. Lokal eng begrenzt kann eventuell
noch einmal das Starkregenkriterium erreicht werden, Unwetterartige Mengen sind wohl eher
weniger wahrscheinlich, am ehesten vielleicht noch in Südostbayern (laut aktueller
COSMO_EU- Simulation geht es zumindest nah an die Warnschwellen). Im Tagesverlauf ziehen
diese aber ostwärts ab.
Von Westen her kommt es im Vorfeld einer weiteren Kaltfront, die abends Westdeutschland
erreicht erneut zu einzelnen Schauern und Gewittern, die aber in der einströmenden
Meeresluft eher den Charakter von "Kaltluftgewittern" annehmen. Somit dürften die
"markanten" Warnkriterien bei PPW- Werten um oder knapp über 25 mm zwar punktuell erreicht
werden, Unwetter sind aber ebenfalls eher unwahrscheinlich, zumal sich die Schauer und
Gewitter auch rasch ostwärts verlagern.
Die einströmende Meeresluftmasse ist deutlich angenehmer temperiert als die Luftmasse der
Vortage. Die Höchstwerte dürften sich "nur noch" zwischen 21 und 27 Grad bewegen.
Der Wind lebt zwar allgemein aus West auf, starke oder stürmische Böen dürften aber nur in
Zusammenhang mit den Schauern und Gewittern auftreten.
In der Nacht zum Dienstag schwenkt der Trog noch etwas ostwärts und Deutschland befindet
sich unter einer zonalen Höhenströmung. Nach Abzug der Kaltfront klingen die Schauer und
Gewitter rasch ab, lediglich im Nordwesten kann es im Bereich höhenkalter Luft noch
einzelne Schauer geben.
Dienstag ... schwenkt in der zonalen Westströmung ein weiterer Randtrog über Deutschland
hinweg ostwärts Dabei lebt im Tagesverlauf vor allem im Norden und in der Mitte die
Schauertätigkeit wieder auf, auch einzelne Gewitter können dabei sein. Nach wie vor
dürften "markante" Warnungen ausreichen, wobei aufgrund der kräftigen Oberströmung in
kräftigeren und organisierten Gewittern durchaus auch verbreiteter Sturmböen auftreten
können. Ansonsten kommt es nur lokal eng begrenzt zu Starkregen und kleinkörnigem Hagel.
COSMO_EU simuliert 12-stündige Mengen meist unter 5 mm, nur punktuell, vor allem im
Nordwesten und in Staulagen der westlichen Mittelgebirge, auch etwas darüber.
Die Südhälfte gerät zunehmend in den Einflussbereich des Azorenhochkeils, hier sollten
sich nur vereinzelt kurze Schauer entwickeln.
Vor allem in die Nordhälfte wird ein Schwall kühler Meeresluft subpolaren Ursprungs
advehiert mit Temperaturen im 850 hPa- Niveau von 6 bis 9 Grad. Hier steigen die
Höchstwerte auf 18 bis 23 Grad. Etwas wärmer bleibt es weiterhin in der Südhälfte mit
Höchstwerten zwischen 22 und 27 Grad.
Modellvergleich und -einschätzung
----------------------------------------------------------------
Auffällig ist, wie bereits weiter oben beschrieben, dass selbst der aktuelle Lauf des
COSMO_EU selbst die aktuelle Situation nicht wirklich "im Griff" hat und im
Einflussbereich des MCS im Zeitraum 12 bis 18 UTC so gut wie keine Niederschläge simuliert
hat. Ähnlich fiel auch die COSMO_DE- Simulation aus und auch die externen Modelle
lieferten im Großen und Ganzen keine zufriedenstellenden Ergebnisse. Lediglich das 4 km
WRF- Modell (von 00 UTC) von Janek Zimmer simulierte eine stärkere Entwicklung zwischen 15
und 18 UTC zumindest im Münsterland, in Ostwestfalen und im südwestlichen Niedersachsen.
Auch das GFS-WRF hatte zumindest mit dem 12 UTC- Lauf die Lage etwas besser im Griff.
Somit sind die Modelle, was die RR- Simulation schon für die kommende Nacht angeht, sehr
mit Vorsicht zu genießen. Der MCS aktuell über Frankreich dürfte meist nicht richtig
erfasst sein, zumindest das WRF- Modell der Wetterzentrale simuliert aber ein Übergreifen
des Clusters auf die Westhälfte im Zeitraum 00 bis 06 UTC mit signifikanten
Niederschlagsignalen, was der Realität wohl am ehesten nahekommt.
Auch für das Szenario am morgigen Sonntag ergeben sich somit noch größere Unsicherheiten,
was die Ausbildung und der zeitliche Ablauf des Durchzuges einer möglichen Squallline
angeht.
Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach
Dipl. Met. Jens Winninghoff
S Y N O P T I S C H E Ü B E R S I C H T K U R Z F R I S T
ausgegeben am Samstag, den 27.07.2013 um 18 UTC
Markante Wettererscheinungen:
Aktuell im Norden, am Sonntag dann, mit Ausnahme des Nordwestens, verbreitet kräftige
Gewitter, teils auch Unwetter. Am Sonntag vor allem im Süden und Osten noch einmal starke
Wärmebelastung.
Synoptische Entwicklung bis Dienstag 12 UTC
-------------------------------------------------------------
Aktuell ... befindet sich Deutschland auf der Vorderseite eines Langwellentroges über dem
Ostatlantik. Stromaufwärts liegt ein Höhenrücken mit seiner Achse aktuell noch über der
Osthälfte, der sich allerdings allmählich weiter ostwärts verlagert. Aus dem Trog laufen
kurzwellige Anteile heraus, wandern über das westliche Mitteleuropa hinweg nordostwärts
und streifen auch den Westen und Nordwesten Deutschlands. Einer dieser Kurzwellentröge
verstärkt sich im Laufe der Nacht noch und befindet sich mit seiner Achse Sonntagfrüh über
Nordengland, Benelux und Nordwestdeutschland. Starke PVA und WLA auf seiner Vorderseite
führen zur Hebung und zur weiteren Intensivierung eines von Nordfrankreich zur
nordwestlichen Nordsee ziehenden Bodentiefs, welches am Sonntagfrüh einen Kerndruck von
nahe 991 hPa aufweist. Die aktuell über Norddeutschland liegende Warmfront dieses Tiefs
markiert die Vorderseite der den Großteil Deutschlands flutenden heißen und potentiell
instabil geschichteten Subtropikluft. Die Kaltfront verlagert sich im Laufe der Nacht
allmählich von der bretonischen Küste nordostwärts und befindet sich am Sonntagfrüh etwa
über Benelux und Ostfrankreich.
Unmittelbar hinter der Warmfont hat sich bereits in der Vornacht ein mesoskaliges
konvektives System (MCS) entwickelt, welches aktuell über Nordwestdeutschland hinweg
weiter nordwärts zieht. Zur warmen Seite hin, also entlang seiner Ost- und Nordostflanke,
kommt es in der instabilen Luftmasse mit (MU)CAPE- Werten von über 1500, vereinzelt auch
über 2000 J/kg über Norddeutschland nach wie vor zu starken, teils unwetterartigen
Gewittern. Dabei hat sich am Südende einer Squallline, die die Nordostkante dieses MCS
markierte, am Nachmittag eine Superzelle entwickelt, die über das Münsterland und
Ostwestfalen weiter in die Region Hannover zog und auch aktuell noch weiter ostwärts
zieht. In ihrem Bereich tauchten bereits Meldungen über Hagel in Tennisballgröße auf, im
hochaufgelösten Radarbild war über längere Zeit hinweg eine klare Hook- Echostruktur
erkennbar.
Auch im Alpenbereich haben sich durch die Überhitzung einzelne Gewitter entwickelt, diese
schwächen sich aber nach Einbruch der Dunkelheit meist rasch ab.
Die aktuelle Niederschlagssimulation des COSMO_EU von 12 UTC hat noch nicht einmal die
aktuelle Situation über Norddeutschland richtig erfasst. Im zeitraum 18 bis 00 UTC werden
nur noch über den Nordwesten Schleswig-Holsteins signifikante Mengen simuliert, ansonsten
soll es fast deutschlandweit trocken bleiben.
Im Laufe der zweiten Nachthälfte greifen von Frankreich her voraussichtlich erneut
Gewitter auf den Westen Deutschlands über, die mit einem, sich aktuell knapp nördlich des
Zentralmassivs entwickelnden MCS in Zusammenhang stehen. Erneut kann dabei Starkregen
auftreten, lokal eng begrenzt vielleicht auch im Unwetterbereich. COSMO_EU simuliert
allerdings nur im äußersten Westen schwache Niederschlagssignale.
Im übrigen Deutschland bleibt es meist gering bewölkt oder klar und meist trocken. Erneut
steht eine sehr milde bzw. warme Nacht ins Haus. Die Minima liegen etwa zischen 23 und 16
Grad, wobei es vielerorts, auch außerhalb der Ballungszentren, eine Tropennacht gibt.
Minima von unter 20 Grad gibt es wohl nur im Südosten, in einigen Bergtälern und dort, wo
es kräftige Gewitter gegeben hat.
Sonntag ... zieht der oben angesprochene Randtrog weiter nordwärts und befindet sich am
Abend bereits als eigenständiges kleines Höhentief nordöstlich von Schottland. Das mit ihm
korrespondierende Bodentief verstärkt sich aufgrund starker WLA und PVA auf der
Vorderseite des Randtroges weiter und zieht bis zum Abend etwa in den Bereich südlich der
Shetlands. Dabei erreicht es nach aktueller COSMO_EU- Simulation einen beachtlichen
Kerndruck von etwa 985 hPa. Seine Kaltfront erreicht am Vormittag bereits den Nordwesten
Deutschlands und verlagert sich, verzögert durch Wellenbildung, allmählich ostwärts. In
ihrem Bereich sorgt bodennahe KLA bereits für Stabilisierung, die Niederschläge an ihr
haben Anafrontcharakter und fallen hauptsächlich auf der kalten Seite. Vorderseitig
verstärkt sich der Zustrom bodennah etwas angefeuchteter, sonst aber afrikanischer
Heißluft in den Süden und Osten Deutschlands noch ein wenig. In 850 hPa werden im
äußersten Süden Bayerns sogar Werte bis 27 Grad erreicht. Entsprechend dürften dort die
Höchstwerte verbreitet die 35 Gradmarke überschreiten, in der Lausitz sind durchaus auch
38 oder gar 39 Grad vorstellbar.
Unmittelbar vor der Kaltfront kommt es in der nach wie vor über Deutschland aufgrund von
PVA- induzierten Hebungsprozessen auf der Vorderseite des Langwellentroges über dem
Nordatlantik bzw. kurzwelliger Anteile, die, kaum erkennbar im simulierten
Geopotentialfeld aus dem Trog heraus über dem westlichen Mitteleuropa nordostwärts laufen,
aber auch aufgrund der bodennahen Überhitzung zur Ausbildung einer Tiefdruckrinne, die von
Südwest nach Nordost quer über Deutschland verläuft. Das dadurch entstehende konvergente
Windfeld dürfte die Ausbildung linienförmig organisierter konvektiver Zellen schon vor der
Kaltfront begünstigen. Die simulierten CAPE- Werte liegen auch in der heißen Luft über dem
Süden und Osten Deutschlands zwar niedriger als an den Vortagen, dennoch muss aufgrund der
zunehmend starken hochreichenden Scherung (über 20 m/s 0 bis 6 km Scherung, auf der
"kalten" Seite gar um 30 m/s) auf jeden Fall auch mit unwetterartigen Entwicklungen
gerechnet werden, zumal im Osten und Süden mit teilweise mehr als 200 m^2/s^2 auch hohe
Werte der sturmrelativen Helizität simuliert werden. Außerdem liegen die PPW- Werte nach
wie vor bei deutlich über 30 mm.
Ein vorstellbares Szenario ist deshalb die Ausbildung einer oder mehrerer Squalllines, die
von Südwesten her ostnordostwärts über Deutschland hinweg schwenken. Dabei ist verbreitet
mit schweren Sturmböen, vereinzelt auch mit Orkanböen zu rechnen, Hagel über 2 cm und
Starkregen über 25 mm sind ebenfalls denkbar. Im Vorfeld dieser Squallline können sich
eventuell auch isolierte Superzellen entwickeln, am ehesten vielleicht noch in Ostbayern
sowie im Erzgebirge, dabei ist dann auch Großhagel über 4 cm Korngröße möglich.
Rückseitig der Tiefdruckrinne strömt in den Westen und Nordwesten Deutschlands bereits
eine kühlere und stabil geschichtete Luftmasse. Dort bleibt die Gewitterneigung dann
entsprechend gering.
In den Simulationen des COSMO_EU und des GME taucht eine eventuell vorlaufende Squallline
nicht auf. Niederschlag wird hauptsächlich auf der "kühleren" Seite, also rückseitig der
Tiefdruckrinne simuliert.
In der Nacht zum Montag kommt die Kaltfront unter Wellenbildung nur zögernd ostwärts
voran. Die unwetterartigen Gewitter ziehen dagegen relativ rasch nach Osten. Im Bereich
der Kaltfront wird kräftige Hebung simuliert, die mit einem weiteren Randtrog, der von
Westen heranschwenkt, in Zusammenhang steht. Entsprechend springt auch die RR-Simulation
der deutschen Modellkette darauf an. In einem Streifen vom Schwarzwald quer über
Deutschland hinweg nordostwärts bis zur Ostsee sollen recht verbreitet mehr als 25 mm
innerhalb von 12 Stunden fallen, im Südwesten und Nordosten auch Mengen im Unwetterbereich
(teils über 50 mm). Die Niederschläge haben nach wie vor Anafrontcharakter und fallen
entlang oder knapp rückseitig der Bodenkaltfront. Aufgrund der noch oberhalb der kühlen
Grundschicht vorhandenen "Restlabilität" können sie auch noch konvektiv durchsetzt sein,
eventuell in Zusammenhang mit einem weiteren durchziehenden MCS stehen und deshalb
punktuell auch in den Unwetterbereich reichen.
Die einfließende kühlere Meeresluft sorgt nach längerer Zeit mal wieder für angenehmere
Tiefsttemperaturen zwischen 19 und 14 Grad, lediglich im äußersten Osten sinkt die
Temperatur gebietsweise noch einmal nicht unter 20 Grad.
Montag ... schwenkt der Südteil des Langwellentroges rascher ostwärts als dessen Nordteil,
wodurch die Achse des Troges am Abend etwa über die Mitte Deutschlands verläuft. Dahinter
deutet sich über dem Atlantik eine deutliche Zonalisierung an. Im Bodendruckfeld befindet
sich die Tiefdruckrinne mit der instabilsten Luftmasse bereits über Polen, dahinter steigt
der Luftdruck über Deutschland vor allem im Südwesten im Bereich eines sich ausweitenden
Keil des Azorenhochs an.
Die oben erwähnte Kaltfront des inzwischen zum Nordmeer gezogenen Tiefs zieht nun rasch
weiter nach Osten. Somit kann sich überall nur noch mäßig warme Meeresluft durchsetzen.
Im Bereich der abziehenden Kaltfront gibt es anfangs im Süden und Osten noch schauerartige
Regenfälle, die vereinzelt auch gewittrig sein können. Lokal eng begrenzt kann eventuell
noch einmal das Starkregenkriterium erreicht werden, Unwetterartige Mengen sind wohl eher
weniger wahrscheinlich, am ehesten vielleicht noch in Südostbayern (laut aktueller
COSMO_EU- Simulation geht es zumindest nah an die Warnschwellen). Im Tagesverlauf ziehen
diese aber ostwärts ab.
Von Westen her kommt es im Vorfeld einer weiteren Kaltfront, die abends Westdeutschland
erreicht erneut zu einzelnen Schauern und Gewittern, die aber in der einströmenden
Meeresluft eher den Charakter von "Kaltluftgewittern" annehmen. Somit dürften die
"markanten" Warnkriterien bei PPW- Werten um oder knapp über 25 mm zwar punktuell erreicht
werden, Unwetter sind aber ebenfalls eher unwahrscheinlich, zumal sich die Schauer und
Gewitter auch rasch ostwärts verlagern.
Die einströmende Meeresluftmasse ist deutlich angenehmer temperiert als die Luftmasse der
Vortage. Die Höchstwerte dürften sich "nur noch" zwischen 21 und 27 Grad bewegen.
Der Wind lebt zwar allgemein aus West auf, starke oder stürmische Böen dürften aber nur in
Zusammenhang mit den Schauern und Gewittern auftreten.
In der Nacht zum Dienstag schwenkt der Trog noch etwas ostwärts und Deutschland befindet
sich unter einer zonalen Höhenströmung. Nach Abzug der Kaltfront klingen die Schauer und
Gewitter rasch ab, lediglich im Nordwesten kann es im Bereich höhenkalter Luft noch
einzelne Schauer geben.
Dienstag ... schwenkt in der zonalen Westströmung ein weiterer Randtrog über Deutschland
hinweg ostwärts Dabei lebt im Tagesverlauf vor allem im Norden und in der Mitte die
Schauertätigkeit wieder auf, auch einzelne Gewitter können dabei sein. Nach wie vor
dürften "markante" Warnungen ausreichen, wobei aufgrund der kräftigen Oberströmung in
kräftigeren und organisierten Gewittern durchaus auch verbreiteter Sturmböen auftreten
können. Ansonsten kommt es nur lokal eng begrenzt zu Starkregen und kleinkörnigem Hagel.
COSMO_EU simuliert 12-stündige Mengen meist unter 5 mm, nur punktuell, vor allem im
Nordwesten und in Staulagen der westlichen Mittelgebirge, auch etwas darüber.
Die Südhälfte gerät zunehmend in den Einflussbereich des Azorenhochkeils, hier sollten
sich nur vereinzelt kurze Schauer entwickeln.
Vor allem in die Nordhälfte wird ein Schwall kühler Meeresluft subpolaren Ursprungs
advehiert mit Temperaturen im 850 hPa- Niveau von 6 bis 9 Grad. Hier steigen die
Höchstwerte auf 18 bis 23 Grad. Etwas wärmer bleibt es weiterhin in der Südhälfte mit
Höchstwerten zwischen 22 und 27 Grad.
Modellvergleich und -einschätzung
----------------------------------------------------------------
Auffällig ist, wie bereits weiter oben beschrieben, dass selbst der aktuelle Lauf des
COSMO_EU selbst die aktuelle Situation nicht wirklich "im Griff" hat und im
Einflussbereich des MCS im Zeitraum 12 bis 18 UTC so gut wie keine Niederschläge simuliert
hat. Ähnlich fiel auch die COSMO_DE- Simulation aus und auch die externen Modelle
lieferten im Großen und Ganzen keine zufriedenstellenden Ergebnisse. Lediglich das 4 km
WRF- Modell (von 00 UTC) von Janek Zimmer simulierte eine stärkere Entwicklung zwischen 15
und 18 UTC zumindest im Münsterland, in Ostwestfalen und im südwestlichen Niedersachsen.
Auch das GFS-WRF hatte zumindest mit dem 12 UTC- Lauf die Lage etwas besser im Griff.
Somit sind die Modelle, was die RR- Simulation schon für die kommende Nacht angeht, sehr
mit Vorsicht zu genießen. Der MCS aktuell über Frankreich dürfte meist nicht richtig
erfasst sein, zumindest das WRF- Modell der Wetterzentrale simuliert aber ein Übergreifen
des Clusters auf die Westhälfte im Zeitraum 00 bis 06 UTC mit signifikanten
Niederschlagsignalen, was der Realität wohl am ehesten nahekommt.
Auch für das Szenario am morgigen Sonntag ergeben sich somit noch größere Unsicherheiten,
was die Ausbildung und der zeitliche Ablauf des Durchzuges einer möglichen Squallline
angeht.
Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach
Dipl. Met. Jens Winninghoff