SXDL31 DWAV 1800UTC DWD Synoptische Uebersicht KURZFRIST

SXEU31 DWAV 251800
S Y N O P T I S C H E Ü B E R S I C H T K U R Z F R I S T
ausgegeben am Freitag, den 25.07.2014 um 18 UTC


Markante Wettererscheinungen:
Im Tagesverlauf immer wieder kräftige Gewitter mit heftigem Starkregen, Hagel
und Sturmböen, teilweise unwetterartig.

Synoptische Entwicklung bis Montag 12 UTC
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Aktuell ... ist ein Höhentief mit Kern über Ostbelgien wetterbestimmend. Es
verlagert sich bis morgen früh fast gar nicht. Es weist eine elliptische Form
aus und ein davon ausgehender Höhentrog überstreicht bis Samstagfrüh den Osten
und den Norden. Der daraus resultierende Hebungsantrieb sorgt im Osten und
Norden für die Auslösung von Schauern und Gewittern. Die Luft im Norden ist zwar
nicht so labil geschichtet wie im Süden, dafür aber deutlich feuchter, mit PPW
Werten von teilweise über 35mm.
Die im Süden entstandenen Gewitter schwächen sich im Laufe der Nacht ab. Im
Norden halten die teils konvektiv durchsetzten Regenfälle an. Die
deterministischen Modelle simulieren bis morgen früh in der Fläche meist nur bis
20 mm/12h. im Vergleich zu den Vorläufen wurden die Mengen schon wieder etwas
zurückgenommen. Der Schwerpunkt der Niederschläge beschränkt sich dabei bei den
meisten Modellen auf das mittlere Niedersachsen. Auch das C-DE EPS setzt den
Schwerpunkt für die Niederschläge in der Nacht im Bereich nördlich der
Mittelgebirgsschwelle. Es werden gebietsweise recht hohe Wahrscheinlichkeiten
für 6-stündigen Starkregen von über 20mm und geringe Wahrscheinlichkeiten für
über 35mm (Unwetter).
In der Mitte lockert es kommende Nacht teilweise auf und dann kann sich vor
allem in den Mittelgebirgslagen Nebel bilden.


Samstag ... haben wir es zunächst noch mit dem Höhentief über Belgien zu tun. Es
schwächt sich im Tagesverlauf ab und verlagert sich langsam in Richtung
Südosten. Ein zu den Britischen Inseln hereinschwenkender Trog fängt das
Höhentief ein und damit stellt sich in der Höhe bei uns eine schwache südliche
Höhenströmung ein. Das Bodendruckfeld bleibt am Samstag äußerst
schwachgradientig. Auf der Vorderseite des Troges über Westeuropa und
Westdeutschland wird durch schwache Randtröge Hebungsantrieb induziert, sodass
im westlichen Bergland und an den Alpen erneut Schauer und Gewitter ausgelöst
werden. Im Gegensatz zum Freitag steigt auch die Feuchte im Süden wieder an,
teilweise steigen die PPW Werte auf über 30mm. Weiterhin steigen die CAPE_Ml
Werte auf über 1000J/kg an. Angesichts der nur recht schwachen Höhenwinde und
damit recht stationären Gewitterzellen sind auch unwetterartige Entwicklungen
mit heftigem Starkregen wahrscheinlich. Weiterhin kann es Hagel geben. Nach den
Prognosen der deterministischen Modelle liegt der Schwerpunkt der Niederschläge
tagsüber vor allem im Bereich der Küsten sowie an den Alpen. Die Mengen liegen
allerdings unterhalb der Warnschwellen.

In der Nacht zu Sonntag schwenkt der Nordteil des Troges in Richtung Kontinent.
Das verbliebene Höhentief wird am Sonntagmorgen über der Schweiz simuliert. Dort
sorgt es auf seiner Vorderseite in vor allem am Alpenrand noch weitere Gewitter.
In den übrigen Landesteilen lassen die konvektive Aktivität nach und vereinzelt
kann es auch aufklaren. Dann ist vor allem im Bereich der Mittelgebirge wieder
mit Nebel zu rechnen.
Für den Alpenrand werden für die Nacht von allen Modellen teils exorbitante
Niederschlagsmengen simuliert. Abgesehen vom GFS simulieren alle Modelle
unwetterartige Regenmengen im Bereich der bayerischen Alpen und des angrenzenden
Vorlandes. Bei C-EU werden bis 130mm/12h prognostiziert. Außerdem berechnet C-EU
recht hohe Werte für die Storm Relativ Helicity (SRH). Nach anfänglichen
Gewittern gehen die Niederschläge in konvektiv verstärkten Starkregen über. Die
Signale der deutschen Modellkette für dieses Ereignis fanden sich schon 6UTC
Lauf und werden vom aktuellen Lauf bestätigt.


Sonntag ... schwächt sich das Höhentief weiter ab und befindet sich am Mittag
über Norditalien. Von Westen her rückt der Höhentrog nach und wir kommen damit
auf die Vorderseite des Troges mit einer südlichen Höhenströmung
Das Bodendruckfeld bleibt zyklonal geprägt, der tiefste Druck ist im Norden
Deutschlands und in der zweiten Tageshälfte verstärkt sich der Gradient auf der
Vorderseite des Tiefs wodurch der meist nordwestliche Wind im Nordosten etwas
auffrischt. Mittags erreicht eine Kaltfront die Nordsee bzw. den östlichen
Kanalausgang, sie kommt bis Tagesende zu den Niederlanden und nach Belgien
voran. Die Hauptgewittergefahr liegt am Sonntag im Norden und im Osten. Hohe
Niederschlagsmengen werden vom C-EU zunächst im süd-östlichen Bayern und später
dann in den östlichen Bundesländern erwartet. Die Mengen übersteigen dabei
wieder die 100mm/12h. Auch GME zeigt einen Schwerpunkt zunächst im südöstlichen
Bayern und später dann im Osten. GME liegt dabei aber deutlich unter den C-EU
Werten, erreicht aber immerhin die Unwetterwarnschwelle. EZMW sieht den
Schwerpunkt der Niederschläge im Süden und im Südosten. Warnschwellen werden vom
EZMW aber, wie auch vom GFS, nicht überschritten.
In der Nacht zum Montag verlagert sich das Höhentief von Schottland nach
Südostengland. Auf der Vorderseite dreht die Strömung auf Süd bis Südost rück
und es werden in der Osthälfte weiterhin Schauer und Gewitter simuliert. Dabei
werden von C-EU wiederum exorbitante Regenmengen in Sachsen und Sachsen-Anhalt
simuliert. Auch im Westen flammt in der Nacht erneut die Schauer- und
Gewittertätigkeit wieder auf. Grund ist die von Westen heranschwenkende
Kaltfront, die rückseitig deutlich kältere Luft zu uns führt.


Montag ... verlagert sich das Höhentief im Bereich des Troges weiter nach Süden
und es kommt am Tagesende zu einem Cut-Off über Ostfrankreich. Im Bodendruckfeld
überquert uns die Kaltfront zuerst zügig ostwärts. Dann kommt es, induziert
durch die Entwicklung in der Höhe, über dem Osten zu einer Wellenbildung an der
Front. Am Abend simuliert GME ein kleines abgeschlossenes Bodentief etwa über
Sachsen-Anhalt. Es bildet sich weiterhin eine Art Tiefdruckrinne von der
Elbmündung bis nach Tschechien aus und daran werden von der deutschen
Modellkette wieder kräftige Niederschlagsmengen simuliert. C-EU schießt den
Vogel ab und simuliert in Mecklenburg über 200mm/12h. GME ist zwar nicht
annähernd so hoch, simuliert aber trotzdem unwetterartige Mengen in Sachsen.
EZMW und GFS liegen deutlich darunter.
Rückseitig der Kaltfront fließt, wie schon erwähnt, kühlere Luft nach
Deutschland ein. So wird im Osten noch verbreitet über 27 Grad erreicht, nach
Westen zu liegen die Höchsttemperaturen am Montag dann nur noch bei 22 bis 24
Grad.
Auch auf der Rückseite der Kaltfront kann es wieder zu Schauern und Gewittern
kommen, unwetterartige Entwicklungen sind dort aber eher unwahrscheinlich. Eher
kann es noch am Alpenrand zu unwetterartigen Gewittern kommen. Hier wird die
Front noch zurückgehalten, sodass ein Luftmassenwechsel nicht so schnell
vonstattengeht. Weiterhin nimmt der Wind zu, Warnschwellen werden aber
voraussichtlich nicht überschritten.


Modellvergleich und -einschätzung
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Die Basisfelder der externen Modelle unterscheiden sich nicht signifikant von
der deutschen Modellkette. Auch der Frontdurchgang am Montag wird von allen
Modellen ähnlich simuliert. Große Unsicherheiten gibt es wieder einmal bei der
Mengeneinschätzung der zu erwartenden Niederschläge.


Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach
Dipl. Met. Rolf Ullrich

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