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Thema des Tages

Hagel

Sommerzeit ist Gewitterzeit. Auch gestern gab es wieder teils schwere
Gewitter, besonders betroffen waren Hessen und der Norden von
Rheinland-Pfalz. Viele dieser Gewitter gingen mit Hagel einher, so
zum Beispiel bei einem Unwetter im Westerwald, wo sich gestern eine
mehrere Zentimeter hohe Hageldecke akkumulierte. Doch wie entsteht
eigentlich Hagel?

Hagel ist immer mit kräftigen Schauern  und Gewittern verbunden. In
diesen herrschen kräftige Aufwinde, die sogar Geschwindigkeiten von
über 30 m/s erreichen können. In den unteren und mittleren Schichten
besteht die Gewitterwolke aus unterkühlten Wassertröpfchen, die bis
zu einer Temperatur von -40 °C im flüssigen Zustand verbleiben
können, insofern sie nicht an Kristallisationskeimen zu Eis
gefrieren. Als Kristallisationskeime dienen Aerosole (meist
Staubpartikel), an denen einige dieser unterkühlten Wassertropfen zu
Eiskristallen gefrieren. Diese wachsen zum einen durch Sublimation
von Wasserdampf auf ihrer Oberfläche, zum andern gefrieren weiter
unterkühlte Wassertropfen an den Eiskristallen fest. Es bildet sich
zunächst Graupel. Mit wachsendem Radius gefrieren durch das größere
Volumen immer mehr unterkühlte Wassertropfen fest, sodass sich eine
immer schnellere Wachstumsrate ergibt und sich aus den Graupelkörnern
größere Eiskörner bilden, die irgendwann so stark an Gewicht
zunehmen, dass sie vom kräftigen Aufwind nicht mehr in der Schwebe
gehalten werden können und zu Fallen beginnen. Beim Fallen durch die
Wolke gefrieren weiter Wolkentropfen fest. Da die
Aufwindgeschwindigkeiten in einer Wolke variieren, gelangen die
Hagelkörner häufig während des Fallens wieder in stärkere
Aufwindbereiche, wodurch sie wieder nach oben gerissen werden und
dabei weitere Wolkentröpfchen aufsammeln können. Meist durchlaufen
Hagelkörner mehrere Zyklen von Auf- und Abbewegungen, ehe sie zu
Boden fallen.

Wie groß die Hagelkörner bei einem Gewitter werden können, hängt
größtenteils von der Stärke des Aufwindes und dem Wolkenwassergehalt
ab. Besonders starke Aufwinde findet man in sogenannten
Superzellen-Gewittern. Diese haben einen ständig rotierenden
Aufwindbereich. Sie sind für die meisten großen Hagelereignisse mit
Korndurchmessern von über 4 cm verantwortlich.

Bis zu 2 cm Korndurchmesser verursacht Hagel nur leichte Schäden an
Pflanzen. Hagelgrößen von über 2 cm können Früchte beschädigen und
Risse in Gewächshausgläsern verursachen. Ab etwa 3 cm Größe entstehen
Schäden an Autos und kleinere Äste werden von Bäumen abgeschlagen. Ab
6 cm Korndurchmesser können Dachschindeln durchschlagen werden und es
besteht ernsthafte Verletzungsgefahr.
Das größte in Deutschland registrierte Hagelkorn hatte einen
Durchmesser von 14 cm und wurde am 6. August bei Undingen auf der
schwäbischen Alb gefunden. Solche Hagelkorngrößen werden bei den
Gewittern heute und am Wochenende zwar nicht erwartet, dennoch kann
es wieder zu lokalen Hagelereignissen kommen, wobei vereinzelt
Hageldurchmesser von 3 cm möglich sind.



Dipl.-Met. Christian Herold
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 25.07.2014

Copyright (c) Deutscher Wetterdienst


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