SYNOPTISCHE UEBERSICHT MITTELFRIST

S Y N O P T I S C H E Ü B E R S I C H T M I T T E L F R I S T
ausgegeben am Sonntag, den 13.05.2018 um 10.30 UTC



Zunächst wechselhaft und mäßig-warm. Im Wochenverlauf wahrscheinlich
Kaltlufteinbruch der Marke "Eisheilige".
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Synoptische Entwicklung bis zum Sonntag, den 20.05.2018


Zu Beginn des Mittelfristzeitraums am kommenden Mittwoch zeigt der aktuelle
EZMW-Lauf von 00 UTC einen Trogkomplex über Mitteleuropa. Darin enthalten sind
ein, zeitweise auch zwei Drehzentren. Ein Drehzentrum kann zum Tagesende hin
über Polen verankert werden. Dieses Höhentief korrespondiert mit einem
Bodentief, das ziemlich genau achsensenkrecht unter ihm liegt und daher seine
Entwicklungsfähigkeit überschritten hat. Die Kernisobare besitzt ausgangs der
Nacht zum Donnerstag einen tiefsten Wert von 1000 hPa. Über Deutschland kann,
hauptsächlich angefacht durch PVA, konvektive Aktivität erwartet werden. Die
T850 hPa liegt in der eingeflossenen mäßig-warmen Luft noch meist bei 5 Grad.

Am Donnerstag "eiert" das Höhentief bzw. der Cut-Off weiter über Polen herum,
wobei es beginnt, sich allmählich aufzufüllen. Gleichzeitig macht sich ein
Randtrog vom Atlantik her auf dem Weg in die Nordsee, dort amplifiziert er und
bildet einen Höhentiefableger. Dieses neue Höhentief bzw. der Kaltlufttropfen
(da ohne zugehöriges Bodentief) erreicht zum Tagesende hin die Deutsche Bucht
ohne große Wetteraktivität. Mit dem Bodentief mit Zentrum nun über Nordpolen
zieht dagegen eine schwache Kaltfront über Deutschland hinweg nach Süden.
Dahinter dreht die Strömung in der unteren Troposphäre auf nördliche bis
nordwestliche Richtungen, sodass über dem Meer erwärmte Luft polaren Ursprungs
einfließt und die T850 hPa gebietsweise auf unter 0 Grad sinken. Konvektive
Umlagerungen ergeben sich in schwacher Form an der Kaltfront und sonst über der
Nordosthälfte in der Nähe zum Bodentief sowie in Richtung Alpen bzw. südliche
Mittelgebirge. Die Konstellation erinnert mehr oder weniger an die sogenannten
"Eisheiligen".

Am Freitag füllt sich der Cut-Off, nun über der östlichen Ostsee liegend, weiter
auf. Währenddessen zieht der Kaltlufttropfen nach Luxemburg weiter. Seine
Wetteraktivität bleibt gering, da er kaum Hebungsimpulse zu bieten hat. Im
äußersten Nordosten treten in der Nähe zum Tief aber immer noch Schauer auf,
darüber hinaus löst die Kaltfront an den Alpen staubedingt öfter Niederschläge
aus. Die T850 hPa liegt bei weiter anhaltender nordnordwestlicher Strömung nur
zwischen -2 und 4 Grad.

Am Samstag verlagert sich der Kaltlufttropfen von Luxemburg nach Oberitalien und
der Cut-Off nach Mittelschweden. Dazwischen "mogelt" sich ein weiteres kleines
Höhentief in die Mitte Deutschlands und die vorherrschende Trogstruktur über
Mitteleuropa bleibt erhalten. Auch dieses neue Höhentief führt kaum zu
konvektiven Umlagerungen. Niederschläge sind somit dem Südosten vorbehalten, wo
noch die alternde quasistationäre und nun wellende Front zu finden ist und daher
die Feuchtefelder ausgeprägter sind. Die eingeflossene kalte Luft erwärmt sich
adiabatisch ein wenig auf 0 bis 5 Grad.

Am Sonntag zieht das kleine Höhentief von der Mitte Deutschlands in den Osten.
Dadurch wird die weiter südöstlich liegende feuchte Luft angezapft, was wiederum
die Schauer- und Gewitterwahrscheinlich dort erhöht. Im Rest des Landes steigt
der Druck in Zusammenhang mit einem flachen Rücken mit Achse über Frankreich.
Die adiabatische Erwärmung schreitet auch leicht voran, sodass in T850 hPa 3 bis
6 Grad auf der Karte stehen.

In der erweiterten Mittelfrist ab Montag steigt der Druck über Deutschland
weiter, da der Rücken nun über uns hinwegschwenkt. Über den Britischen Inseln
zeigt sich ein neuer Randtrog, der dort ein Bodentief stützt. Mit dem dadurch
bedingten Rückdrehen des Windes auf Südwest überflutet warme Luft unseren
Sektor, die 10 Grad-Isotherme reicht am Dienstagabend sogar bis nach Dänemark.
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Bewertung der Konsistenz des operationellen Laufs


Die Grundmuster des gestrigen 00 UTC-Laufs des EZMW sind auch heute
wiederzuerkennen. Naturgemäß haben die Modelle jedoch Schwierigkeiten mit der
Vorhersage von Höhentiefs, was sich in den beiden jüngsten Läufen widerspiegelt.
So wird insbesondere die Verlagerung des Cut-Offs über Polen etwas modifiziert.
Nach neuester Version zieht es, anstatt über Polen zu bleiben, bis zum Sonntag
nach Mittelschweden weiter. Dadurch wird die konvektive Aktivität am Donnerstag
und Freitag auf den Nordosten Deutschlands beschränkt. Zudem kann sich mit einer
nördlichen bis nordwestlichen Strömung kühlere Luft durchsetzen, die
Unterschiede betragen um 5 Kelvin in 850 hPa. Für den Südosten sind ab Freitag
sowie am Wochenende häufiger Niederschläge (örtlich gewittrig) angezeigt, die im
Bereich einer schleifenden Front auftreten dürften und durch ein weiteres
Höhentief, das die Mitte Deutschlands erreicht, noch ein wenig verstärkt werden.
Das Temperaturniveau bleibt zum Wochenende weiterhin auf einem etwa 5 Kelvin
niedrigeren Niveau als im gestrigen 00 UTC-Lauf vorhergesagt. Der gestrige 12
UTC-Lauf zeigte ebenso einige Variationen der Höhentiefs, auf eine detaillierte
Erklärung soll an dieser Stelle aber verzichtet werden, da sich die Vorhersage
mit dem nächsten Lauf wahrscheinlich schon wieder ändert.
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Vergleich mit anderen globalen Modellen


Zeigen schon die obigen Konsistenzbetrachtungen die Schwierigkeiten der Modelle
mit Höhentiefs, so wird dies im Modellvergleich auch noch einmal deutlich. So
räumt ICON dem von der Nordsee kommenden Kaltlufttropfen ab Donnerstag deutlich
mehr Gewicht ein, wobei konvektives Geschehen zu erwarten wäre. GFS wiederum
rechnet diesen KLT schwächer, belässt jedoch den Cut-Off bis zum Sonntag über
Polen (ähnlich wie die gestrige 00 UTC-Lösung des EZMW). Damit würden Schauer
und Gewitter von Nordosten Deutschland erreichen und bis in den Westen
vorankommen. Nach ICON treten die Eisheiligen ebenfalls durch eine nord- bis
nordwestliche Strömung ab der Wochenmitte auf, nach GFS dagegen bei einer
nordöstlichen Strömung nur sehr abgeschwächt. GEM ist quasi eine Kopie von EZMW,
ab Samstag füllt sich der KLT über Luxemburg jedoch auf, lässt aber am
Wochenende den Cut-Off noch einmal auf den Osten von Deutschland übergreifen
(Schauer, örtlich Gewitter). GEM und NAVGEM sind dem EZMW nahe, rechnen jedoch
nicht mit so einem deutlichen Kaltlufteinbruch (T850 hPa minimal bei 2 bis 4
Grad). CMA wiederum lässt den KLT von Luxemburg nach Spanien weiterwandern und
prognostiziert ihn intensiver. Deutschland würde dabei im Südwesten in dessen
Einflussbereich gelangen, ansonsten sollte der Hochdruckeinfluss überwiegen.
Damit könnte sich bereits am Wochenende deutlich wärmere Luft bei uns
breitmachen. Solch ein Lösungsvorschlag war bereits gestern in einigen Modellen
zu sehen, wurde von den meisten mittlerweile aber verworfen.
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Bewertung der Ensemblevorhersagen


Die Rauchfahnen diverser deutscher Städte verlaufen bis zum Mittwoch bei T850
hPa und bei Z500 hPa eng gebündelt. Danach öffnen sich die Streuungen vor allem
bei den Temperaturen. Haupt- und Kontrolllauf geraten ab Donnerstag an den
unteren und kalten Rand der Verteilung, danach gibt es einen Aufwärtstrend in
die Mitte der Mitglieder. In diesem Verhalten spiegelt sich der Kaltlufteinbruch
Mitte der Woche wider, der angesichts dieser Kurven aber als nicht völlig sicher
einzustufen ist.

In der Clusteranalyse von Freitag bis Sonntag mit 5 gerechneten Clustern wird
der Kaltluftvorstoß mehr oder weniger jedoch von allen gebracht. Auch in diesen
Clustern manifestieren sich die Probleme der Vorhersage mit den beiden
Hauptdarstellern (Cut-off und KLT) der Woche. So wird beispielsweise die
CMA-Variante mit dem nach Spanien wandernden KLT in C4 als Option vorhergesagt.
Zwischen Montag und Mittwoch existieren 4 Cluster. Unterschiede sind vor allem
in der Behandlung des Randtrogs über den Britischen Inseln zu sehen. Relativ
sicher scheint nur zu sein, dass die Strömung zurückdreht auf West oder Südwest.
Die Temperaturen dürften also wieder steigen und der Druck auch.

Fazit: Das wechselhafte Wetter zur Wochenmitte im Zusammenhang mit dem
Cut-Off-Tief über Polen und noch mäßig-warmen Temperaturen scheint sicher zu
sein. Ab Donnerstag droht der Mehrzahl der Modelle und Ensembles zufolge ein
Kaltlufteinbruch der Marke "Eisheilige". Unbeständig ist es dabei aber eher nur
im Osten und Südosten. Die kalte Luft hält sich voraussichtlich bis zum
Wochenende, danach läuft es auf steigende Temperaturen hinaus. Im Westen ist es
dabei sowieso eher schon antizyklonal, nach dem Wochenende gilt dies
voraussichtlich auch für den Osten. Es sei noch erwähnt, dass die Vorhersage am
Wochenende und danach noch einige Fragezeichen aufwirft.
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Wahrscheinlichkeiten für signifikante Wettererscheinungen


EFI weist durch Werte bis 0.6 auf überdurchschnittlich viel Niederschlag im
Süden am Mittwoch hin. Höhere Regenmengen können dort einerseits durch
Starkregen (vor allem im Zusammenhang mit Gewittern), aber auch durch wiederholt
auftretende Schauer am Tage und durch stratiformen Regen in der Nacht
zusammenkommen. COSMO-LEPS und EZMW-EPS zeigen bis zu 30% Wahrscheinlichkeit für
mehr als 30 Liter Regen pro Quadratmeter in 24 Stunden. Für mehr als 50 mm gibt
es punktuell noch Wahrscheinlichkeiten bis 20 %.

Daneben können vor allem am Mittwoch landesweit und am Sonntag im Osten Gewitter
mit lokalem Starkregen auftreten.

Außerdem ist am Donnerstag die Wahrscheinlichkeit für stürmische Böen Bft 8 an
der Nordsee erhöht. EFI bestätigt das mit Werten bis 0.6.
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Basis für Mittelfristvorhersage
EZMW-MOS, EZMW-EPS, EZMW-Det., MOSMIX
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VBZ Offenbach / Dipl. Met. Simon Trippler

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