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Thema des Tages
Cut Off - Wetter wie abgeschnitten
Seit einigen Tagen lässt sich über Deutschland ein Tief beobachten,
das mit seinen spiralförmig um den Kern (bzw. zeitweise auch mehreren
Kernen) angeordneten Regenbändern für meist starke Bewölkung und
immer wieder für Niederschläge sorgt. Dieses Tief mit dem Namen
"Danielle" hat eine geschlossene Bodenisobare (Linien gleichen
Drucks) und ist besonders in höheren Atmosphärenschichten gut
ausgeprägt (siehe dazu auch die Grafik zum Bodendruck und zur
Höhenströmung vom heutigen Freitag, 00 UTC unter
www.dwd.de/DE/wetter/thema_des_tages/2016/10/1.html). In diesem Fall
spricht der Meteorologe von einem "Cut Off" bzw. "Cut Off-Tief".
Ein Cut Off entsteht in den meisten Fällen als Produkt eines
Abschnürungsprozesses ("Cut Off-Prozess") eines Troges in der
mittleren und höheren Troposphäre. Der Höhentrog selber ist ein
Gebilde tiefen Luftdrucks in höheren Schichten, der angefüllt ist mit
kalter Luft. Zur Identifizierung werden sogenannte 500
hPa-Geopotenzial-Karten herangezogen, die die dynamischen
Verhältnisse in etwa 5,5 km Höhe wiedergeben. Dabei zeigt sich in
diesen Karten der Trog durch eine Art Ausbuchtung, die häufig nach
Süden gerichtet ist. In einigen Fällen kann es passieren, dass sich
diese Ausbuchtung von der eigentlichen Höhenströmung ablöst und ein
eigenes Leben als Cut Off-Tief oder als Kaltlufttropfen weiterführt.
Fortan hat dieses abgeschnürte Höhentief meist das Aussehen eines
kreisrunden Gebildes.
Im Gegensatz zu einem Kaltlufttropfen ist das Cut Off-Tief über die
gesamte Troposphäre zu erkennen. Kaltlufttropfen dagegen befinden
sich oftmals im Randbereich eines Bodenhochs, wobei am Boden keine
Frontenaktivität zu verzeichnen ist und auch keine geschlossene
Isobare vorhanden ist.
Kaltlufttropfen bereiten dem Meteorologen große Vorhersageprobleme,
schwimmt er doch - ähnlich wie ein Fetttropfen in der heißen Suppe -
in der ihn umgebenden wärmeren Luft. Aber auch Cut Off's sind nicht
ganz so einfach vorherzusagen, können kleine Details wie
beispielsweise die Lage des Zentrums oder die Stärke des Tiefs
schnell größere Auswirkungen z.B. auf die Niederschlagsverteilung
haben.
Darüber hinaus verlagert sich ein Cut Off (ebenso wie ein
Kaltlufttropfen) nicht mit der Höhenströmung, sondern wird durch die
umgebende Luftdruckverteilung beeinflusst. Im aktuellen Fall wird der
Cut Off von Hochdruckgebieten "umzingelt" und kann quasi weder nach
links noch nach rechts. So verharrt er nun an Ort und Stelle und
"eiert" um sich selbst herum, wie bei einem Kreisel. Damit bekommt er
auch noch eine blockierende Wirkung. So kann er uns über mehrere Tage
hinweg behelligen, zumal die kalte Luft im Kern des Cut Offs
weiterhin vorhanden bleibt. Es fehlen warme Luftmassen, die zur
Durchmischung und damit zum Abbau der Kaltluft bzw. des Cut Offs
führen könnten.
Bis zum Samstag wird das Cut Off auf den Wetterkarten zu finden sein.
Dann passieren zwei Dinge: Zum einen füllt sich das Bodentief langsam
auf, sodass aus dem Cut Off bei dann nicht mehr geschlossener
Bodenisobare nach Nomenklatur ein Kaltlufttropfen wird. Zum anderen
wandert dieser Kaltlufttropfen aber auch gen Norden, weil das dortige
Hoch schwächelt. Im weiteren Verlauf gliedert sich der
Kaltlufttropfen voraussichtlich wieder in die Höhenströmung ein.
Der sich am Sonntag einstellende Zwischenhocheinfluss bei uns ist
jedoch nicht von längerer Dauer. Ein Tief über der Biskaya kann
bereits ab Sonntagabend mit seinen Ausläufern die Regie bei uns
übernehmen, neue dichte Wolken und Regenfälle sind die Folge.
Immerhin steigt die Temperatur an, da von Südwesten mildere Luft
herangeführt wird. Dennoch scheint das aktuelle Wetter etwas gegen
den "Goldenen Oktober" zu haben, auch wenn die Bäume mit ihren
Blättern gerade in den schönsten Farben schillern.
Dipl.-Met. Simon Trippler
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 21.10.2016
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst
Diesen Artikel und das Archiv der "Themen des Tages"
finden Sie unter www.dwd.de/tagesthema
Weitere interessante Themen zu Wetter und Klima finden
Sie auch im DWD-Wetterlexikon unter: www.dwd.de/lexikon
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Sie können diesen Newsletter über die Webseite
http://www.dwd.de/DE/service/newsletter/newsletter_thema_des_tages_node.html
zu jeder Zeit wieder abbestellen.
Mit freundlichen Grüßen
Ihre Pressestelle des DWD
Telefon: 069 8062 4501
Fax: 069 8062 4509
E-Mail: pressestelle@dwd.de
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Cut Off - Wetter wie abgeschnitten
Seit einigen Tagen lässt sich über Deutschland ein Tief beobachten,
das mit seinen spiralförmig um den Kern (bzw. zeitweise auch mehreren
Kernen) angeordneten Regenbändern für meist starke Bewölkung und
immer wieder für Niederschläge sorgt. Dieses Tief mit dem Namen
"Danielle" hat eine geschlossene Bodenisobare (Linien gleichen
Drucks) und ist besonders in höheren Atmosphärenschichten gut
ausgeprägt (siehe dazu auch die Grafik zum Bodendruck und zur
Höhenströmung vom heutigen Freitag, 00 UTC unter
www.dwd.de/DE/wetter/thema_des_tages/2016/10/1.html). In diesem Fall
spricht der Meteorologe von einem "Cut Off" bzw. "Cut Off-Tief".
Ein Cut Off entsteht in den meisten Fällen als Produkt eines
Abschnürungsprozesses ("Cut Off-Prozess") eines Troges in der
mittleren und höheren Troposphäre. Der Höhentrog selber ist ein
Gebilde tiefen Luftdrucks in höheren Schichten, der angefüllt ist mit
kalter Luft. Zur Identifizierung werden sogenannte 500
hPa-Geopotenzial-Karten herangezogen, die die dynamischen
Verhältnisse in etwa 5,5 km Höhe wiedergeben. Dabei zeigt sich in
diesen Karten der Trog durch eine Art Ausbuchtung, die häufig nach
Süden gerichtet ist. In einigen Fällen kann es passieren, dass sich
diese Ausbuchtung von der eigentlichen Höhenströmung ablöst und ein
eigenes Leben als Cut Off-Tief oder als Kaltlufttropfen weiterführt.
Fortan hat dieses abgeschnürte Höhentief meist das Aussehen eines
kreisrunden Gebildes.
Im Gegensatz zu einem Kaltlufttropfen ist das Cut Off-Tief über die
gesamte Troposphäre zu erkennen. Kaltlufttropfen dagegen befinden
sich oftmals im Randbereich eines Bodenhochs, wobei am Boden keine
Frontenaktivität zu verzeichnen ist und auch keine geschlossene
Isobare vorhanden ist.
Kaltlufttropfen bereiten dem Meteorologen große Vorhersageprobleme,
schwimmt er doch - ähnlich wie ein Fetttropfen in der heißen Suppe -
in der ihn umgebenden wärmeren Luft. Aber auch Cut Off's sind nicht
ganz so einfach vorherzusagen, können kleine Details wie
beispielsweise die Lage des Zentrums oder die Stärke des Tiefs
schnell größere Auswirkungen z.B. auf die Niederschlagsverteilung
haben.
Darüber hinaus verlagert sich ein Cut Off (ebenso wie ein
Kaltlufttropfen) nicht mit der Höhenströmung, sondern wird durch die
umgebende Luftdruckverteilung beeinflusst. Im aktuellen Fall wird der
Cut Off von Hochdruckgebieten "umzingelt" und kann quasi weder nach
links noch nach rechts. So verharrt er nun an Ort und Stelle und
"eiert" um sich selbst herum, wie bei einem Kreisel. Damit bekommt er
auch noch eine blockierende Wirkung. So kann er uns über mehrere Tage
hinweg behelligen, zumal die kalte Luft im Kern des Cut Offs
weiterhin vorhanden bleibt. Es fehlen warme Luftmassen, die zur
Durchmischung und damit zum Abbau der Kaltluft bzw. des Cut Offs
führen könnten.
Bis zum Samstag wird das Cut Off auf den Wetterkarten zu finden sein.
Dann passieren zwei Dinge: Zum einen füllt sich das Bodentief langsam
auf, sodass aus dem Cut Off bei dann nicht mehr geschlossener
Bodenisobare nach Nomenklatur ein Kaltlufttropfen wird. Zum anderen
wandert dieser Kaltlufttropfen aber auch gen Norden, weil das dortige
Hoch schwächelt. Im weiteren Verlauf gliedert sich der
Kaltlufttropfen voraussichtlich wieder in die Höhenströmung ein.
Der sich am Sonntag einstellende Zwischenhocheinfluss bei uns ist
jedoch nicht von längerer Dauer. Ein Tief über der Biskaya kann
bereits ab Sonntagabend mit seinen Ausläufern die Regie bei uns
übernehmen, neue dichte Wolken und Regenfälle sind die Folge.
Immerhin steigt die Temperatur an, da von Südwesten mildere Luft
herangeführt wird. Dennoch scheint das aktuelle Wetter etwas gegen
den "Goldenen Oktober" zu haben, auch wenn die Bäume mit ihren
Blättern gerade in den schönsten Farben schillern.
Dipl.-Met. Simon Trippler
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 21.10.2016
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst
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