SYNOPTISCHE UEBERSICHT MITTELFRIST

S Y N O P T I S C H E Ü B E R S I C H T M I T T E L F R I S T
ausgegeben am Samstag, den 12.05.2018 um 10.30 UTC



Wechselhaft mit Schauern und Gewittern und höchstens mäßig warm, im Süden
Dauerregen möglich. Zum Wochenende hin wahrscheinlich zunehmend
Hochdruckeinfluss und steigende Temperaturen.
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Synoptische Entwicklung bis zum Samstag, den 19.05.2018


Während des gesamten Mittelfristzeitraums vom kommenden Dienstag bis zum
darauffolgenden Samstag zeigt der aktuelle EZMW-Lauf vom heutigen Samstag von 00
UT eine hochreichende Zyklone über Mitteleuropa. Dessen Höhendrehzentrum
verlagert sich im Wochenverlauf auf ellipsenförmiger Bahn von Südostdeutschland
zunächst nach Süd-, dann nach Nord- und schlussendlich zum Samstag hin nach
Mittelpolen. Das zugehörige Bodentief folgt dieser Spur und weist während des
gesamten Zeitraums eine geschlossene Kernisobare von 1010, zeitweise auch von
1005 hPa auf. Dabei liegt das Bodentiefzentrum zunächst nicht achsensenkrecht
unter dem Höhentiefzentrum, gerät aber im Verlauf der Woche immer mehr unter
diesem. Damit überschreitet das als Cut-Off zu bezeichnende Höhentief im Verlauf
der Woche seinen Höhepunkt, danach füllt es sich allmählich auf.

Zudem bildet sich durch eine Amplifizierung und Abtropfung eines Höhentrogs, der
vom Atlantik ins nördliche Nordmeer läuft, ein weiteres, vor allem thermisch
ausgeprägtes Höhentief über Frankreich. Dieses Höhentief ist jedoch nicht über
alle Troposphärenschichten ausgebildet und fungiert daher als sogenannter
Kaltlufttropfen. Gleichwohl steuert es neben allerdings nur schwachen
Hebungsimpulsen zeitweise Feuchtefelder in den Westen von Deutschland.

Damit scheint der Wetterablauf in der Woche klar: Gebietsweise konvektive
Umlagerungen mit Schauern und Gewittern. Tendenziell sind nach Osten hin mehr
davon zu erwarten, da das zyklonale Geschehen dort räumlich gesehen ja näher
ist. Im Süden könnte es staubedingt zu länger andauerndem Regen kommen. Bei den
Temperaturen in 850 hPa pendeln wir meist bei 5 bis 8 Grad, der Kaltlufttropfen
über Frankreich bringt insbesondere am Donnerstag und Freitag in die Westhälfte
aber vorübergehend etwas kältere Luft mit Temperaturen um 0 Grad.

In der erweiterten Mittelfrist ab Sonntag füllt sich der Cut-Off über Polen auf,
gleichzeitig wölbt sich über Skandinavien ein Höhenrücken auf. Dieser stützt ein
Bodenhoch an gleicher Stelle, wovon auch Deutschland profitiert. Zudem
verabschiedet sich der Kaltlufttropfen über Frankreich gen Pyrenäen und bildet
einen Ableger im zentralen Mittelmeer samt Bodentief. Dadurch gelangt in die
Südwesthälfte mit südöstlicher Strömung feuchtwarme Luft subtropischen Ursprungs
mit T850 hPa über 10 Grad. Diese Luftmasse neigt zu Konvektion. In der
Nordhälfte strömt dagegen kühlere, trockenere und kaum schauerwillige
Kontinentalluft ein, die T850 hPa liegen dort entsprechend nur bei 3 bis 8 Grad.

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Bewertung der Konsistenz des operationellen Laufs


Der heutige 00 UTC-Lauf des EZMW ist im Vergleich zu seinen beiden gestrigen
Vorläufen nur bis zum Mittwoch einigermaßen konsistent. Nach dem heutigen 00
UTC-Lauf beeinflusst das Cut-Off-Tief über Polen auch am Donnerstag und Freitag
vor allem noch die Ost- und Nordosthälfte mit Schauern und Gewittern, während
der gestrige 00 UTC-Lauf einen Randtrog über die Nord- in die Ostsee führte.
Dieser hätte bei uns keine Wetterwirksamkeit (kaum Niederschläge) gehabt, zumal
ihm rasch ein Rücken von Westen her gefolgt wäre. Der gestrige 12-UTC-Lauf
dagegen hätte den Randtrog über Nordostdeutschland mit dem Cut-Off über Polen
zusammengeführt. Demnach wäre der äußerste Nordosten am Freitag von Schauern und
Gewittern betroffen, sonst wäre es meist trocken geblieben. Auch bei den
Temperaturen zeigen sich durch die geänderten Strömungsverhältnisse
Unterschiede: So sollte in den Nordosten bei den beiden gestrigen Läufen kalte
Luft mit T850 hPa unter 0 Grad einfließen. Davon ist nach heutiger Version bei
T850 hPa über 5 Grad nichts mehr zu sehen.
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Vergleich mit anderen globalen Modellen


ICON ist dem EZMW in großen Teilen ähnlich, betont aber den Kaltlufttropfen über
Frankreich etwas stärker. Damit dürfte es im Westen und Südwesten kühler werden
(T850 hPa nur um 2 Grad) und mehr Schauer und Gewitter auftreten. GFS wiederum
lässt den Kaltlufttropfen weiter westlich nach Süden amplifizieren und bringt
ein weiteres Höhentief über der Nordsee ab Donnerstag ins Spiel. Dann verliert
der Cut-off über Polen schon seinen Einfluss auf uns. Dadurch könnte es im
Nordwesten kühler werden (T850 hPa 2 bis 4 Grad), während im Süden 8 bis 12 Grad
warme Luft einfließt, die EZMW erst ab Samstag/Sonntag einströmen lässt. GEM und
CMA sind bis auf die üblichen Detailunschärfen dem EZMW sehr ähnlich. NAVGEM
tendiert ebenfalls zur EZMW-Lösung, der Kaltlufttropfen über Frankreich tritt
jedoch kaum in Erscheinung. Das wäre die trockenste und wärmste aller Prognosen.

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Bewertung der Ensemblevorhersagen


Die Rauchfahnen diverser deutscher Städte spiegeln mit meist enger Bündelung
zunächst gut den Hauptlauf wider. Ab Donnerstag öffnet sich der Spread sowohl in
den 500 hPa-Geopotenzial- als auch in den 850 hPa-Temperatur-Kurven. Die
Vorhersagesicherheit nimmt dadurch ab. Haupt- und Kontrolllauf liegen aber
weiterhin meist recht gut im Median. In allen Ensemblevorhersagen gibt es
Niederschlagssignale, die das konvektive Geschehen bestätigen. Von Donnerstag
bis Samstag sind zudem einige deutlich kältere Lösungen im Angebot mit T850 hPa
um 0 oder knapp unter 0 Grad (Etwa verspätete "Eisheilige"?).

Die Clusteranalyse liefert für Mittwoch Ooff über Polen, der bei allen Clustern
vorhanden ist, aber jeweils leicht unterschiedlich stark gerechnet wird. Darüber
hinaus wird der Kaltlufttropfen über Frankreich ebenfalls etwa unterschiedlich
analysiert, bei C4 ist er kaum vorhanden. In diesem Cluster liegt der Cut-Off
über Polen auch am westlichsten. Die Auffüllung des Cut-Offs ab Samstag zeigen
jedoch wieder alle Cluster.

Von Samstag bis Montag gibt es noch drei Cluster. Bei allen resultiert am Ende
ein Höhentief über dem zentralen Mittelmeer, dem ein Hoch über Skandinavien
gegenüber steht. Bei C3 ist dieses allerdings nur schwach ausgeprägt und so
gelangt rasch ein neuer Trog samt Bodentief in die Nordsee.

Fazit: Das wechselhafte Wetter mit Schauern und Gewittern und anfangs
möglicherweise länger andauerndem Regen im Süden bis zum Freitag ist relativ
sicher. Die Temperaturen pendeln sich auf kühle bis mäßig-warme 12 bis 22 Grad
ein. Zum Wochenende hin steigen die Chancen auf Hochdruckeinfluss mit höheren
Temperaturen, im Südwesten drohen aber neue Schauer und Gewitter. Ein kühleres
und unbeständigeres Szenario ist zwar auch noch denkbar, aber nicht sehr
wahrscheinlich.
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Wahrscheinlichkeiten für signifikante Wettererscheinungen


Unter dem Einfluss des Höhentiefs sind Schauer und Gewitter zu erwarten. Nach
Süden hin können diese staubedingt länger andauern, sodass dort Dauerregen über
30 l/qm in 24 Stunden vor allem am Dienstag und mit Abstrichen auch noch am
Mittwoch möglich ist. EFI gibt dafür Signale bis 0.7 am Dienstag und bis 0.6 am
Mittwoch, bei COSMO-LEPS werden um 30 % Wahrscheinlichkeit angegeben.

Ansonsten können Schauer und Gewitter lokal Starkregen bringen, wofür EFI
erwartungsgemäß keine Signale aufweist. ML-CAPE bis 750 J/kg und PPW über 20 mm
in ICON6 deuten bis Mittwoch (Ende des Vorhersagezeitraums des Modells) aber
darauf hin.
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Basis für Mittelfristvorhersage
EZMW-MOS, EZMW-EPS, EZWM-Det., MOSMIX
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VBZ Offenbach / Dipl. Met. Simon Trippler

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