SYNOPTISCHE UEBERSICHT MITTELFRIST

S Y N O P T I S C H E Ü B E R S I C H T M I T T E L F R I S T
ausgegeben am Freitag, den 11.05.2018 um 10.30 UTC



Zunächst überwiegend zyklonal geprägtes Wetter mit den meisten Regenfällen im
Süden, dabei kühler als am Wochenende. In der zweiten Wochenhälfte Chancen auf
zunehmenden Hochdruckeinfluss und steigende Temperaturen.
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Synoptische Entwicklung bis zum Freitag, den 18.05.2018


Zu Beginn des mittelfristigen Prognosezeitraums am kommenden Montag liegt
Deutschland größtenteils unter einem umfangreichen, weitgehend zonal
angeordneten Höhentrog, der mit Drehzentren über Ostspanien, Oberitalien und
Ostpolen ausgestattet ist (12 UTC). Korrespondierend dazu befindet in Bodennähe
eine ebenfalls zonal exponierte Tiefdruckzone mit Druckminimum über
Süddeutschland. Auf deren Nordflanke gelangt von Osten her kühlere und
vorübergehend trockenere Luft in weite Teile des Landes, während sich im Süden
und Südwesten feuchte und potenziell instabile Warmluft hält. Dort kommt es am
Montag zu schauerartigen Regenfällen und teils kräftigen Gewittern, während es
im großen Rest trocken bleiben soll. Dabei hilft auch ein kurzwelliger Höhenkeil
mit, der sich zwischen den beiden Höhentiefs über Oberitalien und Ostpolen von
Norden her süd-südostwärts bis in die mittleren Landesteile vorschiebt.

Am Dienstag und Mittwoch fahren die Höhentiefs "Karussell", d.h. sie drehen sich
um eine gemeinsame virtuelle Achse. Während das "polnische" Tief via Masuren gen
Südschweden zieht, wo es im Laufe des Mittwochs wahrscheinlich von der
Bildfläche verschwinden wird, verlagert sich das "italienische" via Ungarn nach
Südpolen. Damit nimmt die gesamte Trogkonfiguration eine meridionale Stellung
ein, bei der sich Deutschland im westlichen Teil widerfindet. Auch die
Bodentiefdruckzone beginnt sich aufzurichten, was knapp östlich von uns der Fall
sein soll. Unter dem Strich sind die beiden Tage zyklonal geprägt mit
schauerartigen Regenfällen und Gewittern, wobei sukzessive erst aus Nordosten,
am Mittwoch dann zunehmend aus Nordwesten etwas kühlere Luft einsickert (T850 am
Mittwochabend um 6°C).

Am Donnerstag erreicht ein neuer, vom Nordmeer kommender Trog das südliche
Skandinavien, wo er zu einem Höhentief mutiert, das am Freitag zum Bottenbusen
zieht. Auf seiner Südflanke steigt das Potenzial über dem Vorhersageraum etwas
an, der resultierende Rücken bleibt aber sehr flach konturiert. Immerhin reicht
das aus, um den Luftdruck, aber auch die Temperatur (die allerdings erst am
Freitag) bei uns etwas steigen zu lassen. Dabei zeigt sich zunächst ein Keil des
Azorenhochs, bevor sich zum Freitag ein eigenständiges, ins östliche
Mitteleuropa wanderndes Hoch etabliert. Es bringt uns weitgehend trockenes
Wetter, lediglich der äußerste Süden und der äußerste Norden wären demnach noch
leicht zyklonal beeinflusst (etwas Regen).

In der erweiterten Mittelfrist ab Samstag entwickelt sich südlich von Island ein
gesundes Sturmtief, das in Richtung Europäisches Nordmeer zieht. Vorderseitig
wird auf antizyklonaler Spur Warmluft nach Deutschland advehiert (Anstieg T850
bis Sonntagmittag auf 10 bis 14°C), bevor am Montag (Pfingsten) möglicherweise
die Kaltfront des Tiefs von Nordwesten her übergreift.
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Bewertung der Konsistenz des operationellen Laufs


Die Konsistenz des IFS-Modells vom ECMF kann heute mit dem Attribut
"mittelmäßig" versehen werden. Zwar bleibt der heutige 00-UTC-Lauf im Groben auf
Linie seiner Vorreiter, im Detail (u.a. die genaue räumliche Verteilung der
Druck- und Potenzialfelder) ergeben sich aber schon Unterschiede, deren
vermeintlich wichtigsten Folgen im Folgenden angesprochen werden sollen.
Los geht es bereits am kommenden Montag, wo die gestern noch für weite Teile der
Nordwesthälfte simulierten Regenfälle auf die Gebiete südlich einer Linie
Saarbrücken-Passau reduziert werden (was übrigens auch von ICON so gesehen
wird). An den beiden Tagen danach fallen die ständig wechselnden (gewittrigen)
Niederschlagsschwerpunkte (sowohl in Bezug auf die Positionierung als auch auf
die Intensität) ins Auge, die ein gutes Maß für die Modellunsicherheit
darstellen. Zudem ist das Temperaturniveau etwas höher als bisher gerechnet.
Last but not least sei noch der von Westen nachfolgende Hochdruckeinfluss
erwähnt, der in der jüngsten Version schon eher aufschlägt, was großen Teilen
Deutschlands einen weitgehend trockenen Donnerstag bescheren würde (eine
Ausnahme bildet der äußerste Süden).
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Vergleich mit anderen globalen Modellen


Im Grunde zeigen die an dieser Stelle für gewöhnlich begutachteten Modelle
(ICON, GFS, GEM, UKMO) ein sehr ähnliches Szenario mit den zwei sich
verlagernden Höhentiefs, die aber jeweils etwas anders positioniert sind. Für
den Vorhersageraum bedeutet das vor allem unterschiedliche
Niederschlagsprognosen. So bietet GFS z.B. tendenziell die niedrigsten
Regenmengen an, während ICON besonders von Mittwoch zu Donnerstag in
Süddeutschland mächtig auf den Putz haut (ein unrealistischer Peak von 90 mm
innert 12 h im Bereich des Mangfallgebirges, wo GFS nix zeigt).

FAZIT: Die zyklonale Ausrichtung im Laufe der ersten Wochenhälfte scheint
einigermaßen sicher (Montag nach Norden hin noch ausgenommen), bei den Details
haben Mensch und Maschine noch ´ne Menge Luft nach oben.
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Bewertung der Ensemblevorhersagen


Die IFS-EPS-Rauchfahnen verschiedener deutscher Städte zeigen im Großen und
Ganzen einen homogenen Verlauf mit nach hinten raus zunehmender, aber nicht
auswuchernder Streuung. So sind die Trends recht klar erkennbar mit abnehmender
Temperatur und Potenzial in der ersten und steigender Tendenz in der zweiten
Wochenhälfte. Das Temperaturminimum ist eindeutig auf den Donnerstag terminiert.
Allerdings markieren Haupt- und Kontrolllauf den unteren Rand der Kurvenschar,
während sie beim nachfolgenden Aufwärtstrend an den oberen Rand, teils sogar
darüber hinaus rutschen. Die Niederschlagspeaks sind je nach Region
unterschiedlich verteilt, wobei es im Norden erst ab Mittwoch, im Osten ab
Dienstag nennenswerte Signale gibt. Im Westen und Südwesten hingegen liegt das
Maximum eindeutig am Sonntag.
Die Clusterung für den Zeitraum T+120...168h (Mittwoch bis Freitag) offeriert fünf
Cluster (17+HL/KL, 12, 9, 8, 5 Fälle), die zwar ähnliche Grundmuster aufweisen,
bei denen der o.e. antizyklonale Trend aber nicht überall gleich ausgeprägt ist.
CL 1 ist diesbezüglich die optimistischste Lösung, CL 3 mit einem kleinen
Sturmtief im Bereich Jütland am pessimistischten.
Von Samstag bis Montag reduziert sich die Clusteranzahl auf vier (16, 15, 11,
9+HL/KL). CL 1 wartet mit einem veritablen, weit nach Norden reichenden
Höhenrücken über Mitteleuropa auf, während die anderen Cluster auf eine mal
mehr, mal weniger antizyklonale Südwestlage hinarbeiten.

FAZIT: Der auf Basis des Hauptlaufs aufgezeigte Verlauf wird von den Ensembles
trotz üblicher Unschärfen gestützt. Und: für Pfingsten besteht berechtigte
Hoffnung auf "schönes" Wetter.
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Wahrscheinlichkeiten für signifikante Wettererscheinungen


Von der gestern und davor noch angenommenen Dauerregenlage für Sonntag/Montag in
einem von NW nach SO verlaufenden Korridor haben sich die Modelle mittlerweile
verabschiedet. Dafür muss am Montag im Süden mit teils kräftigen Gewittern bzw.
gewittrigen Starkregenfällen gerechnet werden, örtliche Unwetter inclusive.
Am Dienstag und Mittwoch gibt es von der Numerik (sowohl deterministisch und
probabilistisch) gewisse Signale, dass es im Süden gebietsweise zu stärkeren
Regenfällen kommt, die am Alpenrand staubedingt auch länger andauernd können.
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Basis für Mittelfristvorhersage
MOS-ECMF mit IFS-EPS.
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VBZ Offenbach / Dipl. Met. Jens Hoffmann

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