SXEU31 DWAV SYNOPTISCHE UEBERSICHT KURZFRIST

SXEU31 DWAV 090800
S Y N O P T I S C H E Ü B E R S I C H T K U R Z F R I S T
ausgegeben am Mittwoch, den 09.05.2018 um 08 UTC


GWL und markante Wettererscheinungen:
GWL: Übergang zu NFz (Nordmeer Fennoskandien zyklonal)

Heute im Süden und in der östlichen Mitte einzelne Gewitter (markant).
Kommende Nacht von Westen her schauerartiger Regen und Gewitter, die sich
tagsüber bis in die Osthälfte verlagern und dabei intensivieren. Örtliche
Unwettergefahr!
Am Freitag Wetterberuhigung.

Synoptische Entwicklung bis Freitag 24 UTC
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Mittwoch... zeigt die großräumige Potenzialverteilung - bezogen auf Mitteleuropa
- ein High-over-Low-Muster, das im Gegensatz zu den meisten solcher Lagen aber
nur von kurzer Dauer sein wird. Der seit Tagen wetterbestimmende Höhenrücken
verlagert seinen Schwerpunkt in den fennoskandischen Raum, was ihn auf seiner
Südflanke anfällig für Störungen macht, die auch prompt die Gunst der Stunde
nutzen. Konkret handelt es sich um einen kleinen Kaltlufttropfen (KLT), der den
Rücken von Osten her unterläuft und im Laufe des heutigen Tages dicht nördlich
des Alpenhauptkamms nach Westen zieht. Dort nähert er sich einem ausgeprägten
Höhentrog, der heute noch über UK/Irland bzw. dem nahen Ostatlantik verbleibt,
letztlich aber Kurs auf den europäischen Kontinent nimmt, um dort am morgigen
"Vaddertach" für Schlagzeilen zu sorgen.
Bevor es soweit ist, verläuft der heutige Mittwoch noch vielerorts in
vergleichsweise geordneten Bahnen, will heißen, trotz allmählich Druckfalls -
das umfangreiche Bodenhoch verlagert sein Zentrum in den NW Russlands - und
Passage des KLTs überwiegt in weiten Teilen des Vorhersageraums noch leichter
Hochdruckeinfluss. Gründe dafür liegen nicht zuletzt in der relativen
Wirkungsarmut des KLT, der keine substanziellen Advektionsprozesse in Gang
bringen kann, somit auch nur wenig Höhendivergenz produziert, was wiederum ein
schwaches Omega zur Folge hat. Nicht minder wichtig ist aber die Tatsache, dass
die vor Ort liegende Luftmasse derzeit noch ziemlich trocken ist und nur
allmählich von Osten her angefeuchtet wird. Am signifikantesten ist die
Feuchteadvektion in den östlichen Landesteilen bzw. in der östlichen Mitte
(Anstieg PPW auf nahe 30 mm), während es im Süden ziemlich trocken bleibt (PPWs
unter 20 mm). Dafür ist dort die Labilität am ausgeprägtesten (Lapse-Rates), was
der ML-CAPE-Generierung aufgrund der Trockenheit aber auch nicht wirklich
weiterhilft (meist unter 500 J/kg).
Kurzum, im Süden entwickeln sich heute mit Unterstützung des Tagesgangs und/oder
der Orografie einzelne Gewitter, die nach Westen ziehen und dabei von
Starkregen, kleinkörnigem Hagel und Sturmböen (trockene Grundschicht mit
inverser V-Struktur => Downburstgefahr) begleitet sein können. Aufgrund der
Rahmenbedingungen müssten markante Warnungen hierfür völlig ausreichend sein,
aber man weiß ja nie (eine nahezu stehende Zelle erreicht schnell mal 25 mm
innert kurzer Zeit, aber wir wollen ja den Teufel nicht gleich an die Wand
malen).
Gleiches gilt in der Basis auch für das zweite Gewitterareal, das ab dem
Nachmittag in der östlichen Mitte (nordöstliches Bayern, Sachsen, südliches BB)
zu finden sein dürfte. Auch dort bilden sich einzelne Gewitter (oder ziehen von
Osten her rein), denen aufgrund der geringen Scherungswerte (nur etwas LLS) aber
kein großes Organisationspotenzial zugetraut wird. Diese Gewitter ziehen
ebenfalls nach Westen, wobei aber unklar ist, wie weit sie tatsächlich kommen
werden. Ein Ausgreifen der Gewitteraktivität bis weit in den NW des Landes wie
von GFS simuliert, scheint aber eher unwahrscheinlich und ist einmal mehr dem
stark positiven Feuchtebias dieses Modells geschuldet. Dass sich so ein Gewitter
aber bis in den Harz oder das Umland "verirrt", kann nicht ausgeschlossen
werden. Ähnlich wie im Süden kommen als Begleiterscheinungen Starkregen (sogar
wahrscheinlicher als im Süden), kleiner Hagel und Böen bis 8 Bft (feuchtere
Grenzschicht, keine klare inverse V-Struktur) der Marke "ocker" in Frage.
Im Norden und Westen passiert heute tagsüber wahrscheinlich noch nichts außer
dass erneut die Sonne scheint und die Temperatur auf 27 bis 30°C treibt, wenn
man mal von den Küstenabschnitten mit auflandigem Wind absieht, wo es z.T.
deutlich frischer bleibt. Nicht ganz so warm respektive heiß wird es auch in
weiten Teilen Süd- und Südostdeutschlands, wo heute Nachmittag 22 bis 26°C auf
der Karte stehen.

In der Nacht zum Donnerstag nähern sich der KLT (über Süddeutschland) und der
langsam nach Osten vorankommende Höhentrog mehr und mehr an, bleiben zunächst
aber noch zwei eigenständige Systeme. Dem Trog vorgelagert ist eine vor allem
nach Norden hin gut definierte, nahezu meridional exponierte Tiefdruckrinne mit
ausgeprägter Konvergenz (O-SO vorne vs. W-NW hinten), die bis zum frühen Morgen
auf die westlichen Landesteile übergreift. Da gleichzeitig die Luftmasse
feuchter wird, nimmt trotz "ungünstiger" Tageszeit die Wahrscheinlichkeit
konvektiver Umlagerungen in Form schauerartiger Regenfälle und einzelner
Gewitter zu. Die Signale für signifikante Begleiterscheinungen sind seitens der
Numerik gering, gleichwohl sind Starkregen, kleiner Hagel und/oder Böen 8 Bft
nicht ausgeschlossen.
Die Gewitter, die am Abend im Osten und Süden möglicherweise noch unterwegs
sind, fallen mehr und mehr der nächtlichen Stabilisierung zum Opfer.


Donnerstag... greift der Trog unter erheblichem "Gesichtsverlust"
(Amplitudenverlust, Verkürzung der Wellenlänge) zunächst auf Benelux, später
auch auf Deutschland über. Dabei nimmt der Trog den KLT in Form eines Randtrogs
in seine Zirkulation auf, wodurch er eine Art Refreshing erfährt. Mindestens
genauso wichtig ist die Tatsache, dass die Tiefdruckrinne mit eingelagerter
Konvergenz langsam aber sicher nach Osten vorankommt und dabei in zunehmendem
Maße harmonisch mit dem Tagesgang respektive der Einstrahlung interagiert. Oder
mit anderen Worten, in der Rinne und davor (also grob in der Osthälfte) wird in
der schon potenziell instabil geschichteten Warmluft immer mehr ML-CAPE
generiert (punktuell bis 1000 J/kg), so dass die Voraussetzungen für
substanzielle konvektive Umlagerungen bis in den Unwetterbereich gegeben sind,
auch wenn die Scherung trotz ausgeprägter Richtungsscherung im bodennahen
Bereich so gut wie nicht gegeben ist. Von daher ist wohl von Einzel- bis
Multizellen insbesondere entlang der Konvergenz auszugehen, die von Starkregen
(teils über 25 mm/h), Hagel von 2 bis 4 cm sowie Sturmböen bis 10 Bft (wenig
Oberwind, aber Downburstgefahr durch trockene Grundschicht) begleitet sein
können. Im südlichen Teil der Osthälfte, also nach Südosten hin, fällt auf, dass
die CAPE-Werte aufgrund der insgesamt trockeneren Luft nicht so hoch ausfallen,
was die Gefahr größeren Hagels, aber auch unwetterartigen Starkregens mindert.
Nach Westen hin gilt es den Blick in Richtung Kaltfront zu werfen, die den
hinteren Rand der Rinne markiert, mit Verlagerung nach Osten aber zusehends von
Druckanstieg überlagert wird. Ihre Wirksamkeit beschränkt sich auf
schauerartigen Regen, vielleicht noch mal ein eingelagertes Gewitter sowie
kurzzeitig auffrischenden westlichen Wind, der in Böen wahrscheinlich aber nur
vereinzelt die Warnschwelle Stärke 7 Bft erreicht bzw. knapp überschreitet.
Ansonsten stabilisiert es in der postfrontal einfließenden subpolaren Meeresluft
(Rückgang T850 in der Westhälfte auf 5 bis 1°C), die Wolkendecke lockert aber
erst relativ spät von Westen her auf.
Während die Temperatur im Osten und Nordosten noch mal auf 24 bis 28°C steigt,
reicht es von der Nordsee bis hinunter an den Hochrhein/Bodensee nur noch für 15
bis 20°C, in der Eifel noch nicht mal mehr dafür.

In der Nacht zum Freitag bleiben die Trogreste zwar über Deutschland liegen,
viel Schaden richten sie aber nicht mehr an. Andauernde KLA lässt den
Druckweiter steigen, so dass die Rinne nebst Gewitter nach Osten abgedrängt wird
(was aber durchaus bis in die zweite Nachthälfte andauern kann), während sich
eine eigenständige Hochparzelle (etwas über 1020 hPa) bis nach Norddeutschland
vorarbeitet. Sie lässt die Wolkendecke insbesondere im Nordwesten und Westen
aufreißen, was dort eine Abkühlung auf gebietsweise unter 5°C zur Folge hat.
Hier und da bildet sich ein flaches Nebelfeld.

Freitag... gelangen wir auf die Vorderseite eines LW-Troges über dem nahen
Ostatlantik unter eine schwache südliche Höhenströmung, aus der sich keine
nennenswerten Vergenzen ergeben. Das kleine Zwischenhoch verlagert seinen
Schwerpunkt nach Südskandinavien, sorgt aber besonders im Nordwesten und Teilen
Westdeutschlands für einen aufgeräumten Himmel ohne große Wolkenanteile ergo
viel Sonnenschein. Im großen Rest des Landes wird das mit der Sonne schwieriger,
weil die Luftmasse allgemein feuchter ist und sich an einer bei rund 800 hPa
befindlichen Inversion reichlich Gewölk bildet bzw. hält, aus der aber kein oder
nur wenig Regen im Südosten fällt. Ob es einzelne alpine Schauer oder Gewitter
bis an den deutschen Alpenrand schaffen, ist fraglich. Die Temperatur erreicht
Höchstwerte von 16 bis 23°C.



Modellvergleich und -einschätzung
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Die Modelle simulieren die großräumige Entwicklung sehr ähnlich. Auf die zu hohe
Modellfeuchte (zumindest in der Grenzschicht) und die daraus resultierende
konvektive Hyperventilation seitens GFS wurde im Text bereits hingewiesen.
Auf eine Vorabinformation Unwetter für die Osthälfte am morgigen Donnerstag
wurde aufgrund der "nur" erwarteten Örtlichkeit der Unwetter sowie der Bewahrung
der Verhältnismäßigkeit zu "echten" sommerlichen Gewitterlagen verzichtet. Es
wird aber ein (Un)Gewitterclip gedreht.

Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach
Dipl. Met. Jens Hoffmann

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